Renault Twingo im Fahrbericht Sehr smart, der Kleine

Der neue Renault Twingo kostet mindestens 9590 Euro.

(Foto: Renault)

Der letzte Renault Twingo war ein gewöhnlicher Kleinwagen. Der neue hat dagegen endlich wieder Charme. Und er kann auch noch alles besser als sein Vorgänger.

Von Michael Specht

Ohne Daimler keinen Twingo und ohne Renault keinen Smart. Manchmal ist die Formel für das Überleben eines bestimmten Automodells recht einfach. Motto: Vieles wird günstiger, wenn man es gemeinsam macht. Dies gilt erst recht bei einem Kleinwagen-Projekt. Selbst dessen Neukonstruktion kann heute leicht mehr als eine Milliarde Euro verschlingen. Stimmen danach die Absatzzahlen nicht, droht ein finanzielles Fiasko.

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Profitabel im Doppelpack

Aus diesem Grund stehen der Twingo und der Smart Forfour - mit leichten Abweichungen auch der Fortwo - auf einer gemeinsamen Plattform. Die beiden viertürigen Versionen teilen sich nicht nur rund 65 Prozent aller nicht sichtbaren Bauteile, sondern werden auch am selben Band gefertigt, in Novo Mesto in Slowenien.

Viel Platz im Innenraum

Seinen Forfour schickt Smart erst im November auf die Straße, der neue Twingo kommt fast zwei Monate früher. Und neu heißt hier wirklich neu: Neues Chassis, neuer Antrieb, neues Konzept, neues Cockpit, neue Karosserie. Gegenüber seinem recht langweiligen Vorgänger wirkt der Twingo wie umgekrempelt. Sein Motor sitzt nun im Heck und treibt die Hinterräder an. Äußerst ungewöhnlich in diesem Segment. Doch dieses Antriebslayout bietet viele Vorteile. Kurze Außenabmessungen erlauben ein gutes Raumkonzept. Die Karosserieüberhänge können knapper, der Radstand groß gehalten werden, was wiederum die Designer erfreut. Der neue Twingo wirkt gut proportioniert, aus manchem Winkel gar knuffig und dürfte dadurch besonders die Damenwelt in seinen Bann ziehen.

Der neue Renault Twingo

Smarte Vorstellung

Mit 3,59 Meter ist Twingo Nummer drei sogar zehn Zentimeter kürzer als zuvor. Der Radstand von 2,49 Meter gehört zu den längsten der Klasse. Entsprechend großzügig geht es im Innenraum zu. Auch hinten sitzen Erwachsene bequem, zumindest solange nicht das elektrische Faltschiebedach bestellt wurde. Dann stößt das Haupthaar gern mal an den Himmel.

Saugmotor oder Turbo?

Sehr viel Wert legten die Renault-Entwickler auch auf die Funktionalität, schon als Hommage an den Ur-Twingo von 1993. Der Kofferraum schluckt zwischen 188 und 980 Liter. Die Rücksitzlehnen lassen sich geteilt nach vorne klappen und bilden einen komplett ebenen Laderaum. Optional kann sogar die Beifahrersitzlehne umgelegt werden und ermöglicht selbst Gegenständen bis 2,31 Meter Länge die trockene Mitfahrt.

Der Dreizylinder-Motor sitzt nun im Heck und treibt die Hinterräder an.

(Foto: Renault)

Unsere größte Vorfreude galt indes den Motoren. Mit Heckantrieb fährt der Twingo angenehm und souverän. Die Rede ist hier allerdings vom schwächeren Einstiegsmotor. Der nur 1,0 Liter kleine Dreizylinder-Sauger wirkt mit seinen 71 PS harmonischer als das 90 PS starke Turbotriebwerk mit nur 0,9 Liter Hubraum, ebenfalls ein Dreizylinder-Benziner. Die Gänge passen besser, die Beschleunigung ist linearer, mit ihm lässt es sich entspannter durch die City fahren. Der Turbo wirkt insgesamt ein wenig nervöser und leidet unter einem kleinen Durchhänger in der Elastizität. Subjektiv empfindet man ihn bisweilen als schwächer. Beide sollen wenig mehr als vier Liter verbrauchen. Nach unserer Testfahrt standen 6,5 Liter auf dem Display, ein Wert, der auch dem späteren Alltag des Twingo nahe kommen dürfte.