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Reichweite:Wasserstoff im Tank

Vorsicht bei den Angaben zur Reichweite der neuen H₂-Lkw: Genau wie bei Batterien kommt es stark auf die Randbedingungen an.

Tankzeiten wie bei Benzin und Diesel? Das stimmt nicht immer. Bei sommerlichen Temperaturen wird es schwierig, genügend Wasserstoff in einen Drucktank zu bringen. Die Reichweitenangaben der neuen H₂-Lkw sind daher mit Vorsicht zu genießen. Hyundai setzt beim Xcient Fuel Cell auf ein relativ niedriges Druckniveau von 350 bar (ähnlich wie bei Erdgas). Die Tankzeit von sieben Minuten für 32 Kilogramm Wasserstoff und 400 Kilometer Reichweite dürfte optimistisch sein.

Das gilt auch für die Verbrauchswerte, besonders im hügeligen Gelände. Die Brennstoffzellen des Liefer-Lkw haben 190 kW Leistung. Eine Batterie mit 73,2 kWh Kapazität muss Lastspitzen abpuffern. Für den Schwerlastverkehr reichen diese Werte nicht, deshalb wollen Nikola/Iveco und Toyota/Hino 700 bar Drucktanks einsetzen. Verdoppeln lässt sich die Reichweite damit nicht so einfach, denn beim Betanken mit derart hohem Druck geht den herkömmlichen H₂-Zapfstellen irgendwann die Puste aus. Das Gas muss auf etwa minus 50 Grad gekühlt werden, um überhaupt in die Tanks zu passen. Das kann bei den benötigten Gasmengen dauern. Mercedes arbeitet deshalb an einer tiefkalten Wasserstofflösung für den angekündigten Brennstoffzellen-Truck. Weil "grüner" Wasserstoff größtenteils importiert werden muss, ist die Verflüssigung auf -253 Grad Celsius für den Transport ohnehin sinnvoll. Der flüssige Energieträger ließe sich dann auch relativ einfach in größeren Mengen per Tanklaster an die Zapfstellen verteilen. Sollte eine entsprechende Initiative europaweit Erfolg haben, wären auch die Autohersteller interessiert: Große SUV mit Anhänger spielen in der Gewichtsklasse von Transportern.

© SZ vom 28.03.2020

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