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Rauchen im Auto:Nichtrauchergesetz für das Auto? Eine Frage der Zuständigkeiten

Dass es mit einem deutschen Nichtrauchergesetz für das Auto so lange dauert, hat mit komplizierten juristischen Feinheiten in Deutschland zu tun. Nichtraucherschutz ist Ländersache, und wie kompliziert und uneinheitlich so etwas gelöst werden kann, hat die Einführung des Rauchverbots in Restaurants, Bars und öffentlichen Gebäuden gezeigt. Selbst, wenn sich der Bund zu einem Gesetzgebungsverfahren durchringen würde, fragt sich, welches Ministerium zuständig wäre. Das Familienministerium, weil es um Jugendschutz geht? Das Verkehrsministerium, da Sicherheitsaspekte im Vordergrund stehen? Vielleicht auch das Gesundheits- oder gar das Wirtschaftsministerium?

Außerdem ist das Auto ein privater Raum, gesetzliche Eingriffe müssten durch besonders stichhaltige Argumente verfassungsrechtlich abgesichert werden. Neben der Tabaklobby argumentieren auch einige Politiker, dass ein solches Gesetz die private Freiheit unverhältnismäßig beschneiden würde. Zudem führen sie an, dass sich ein Nichtrauchergesetz für das Auto kaum kontrollieren ließe - was freilich nicht verhindert hat, dass seit 2001 nicht mehr am Lenkrad telefoniert werden darf.

Druck von der EU bleibt aus

Wenn man sich hierzulande nicht einig wird, könnte die EU ein bisschen Druck ausüben. Doch auch hier hält man sich stark zurück. Die letzte Initiative ist bereits fast fünf Jahre her, seinerzeit angestoßen von der irischen Gesundheitsexpertin Nessa Childers und dem damaligen EU-Gesundheitskommissar John Dalli aus Malta. Sie verpuffte, weil die meisten Mitgliedsländer wenig Interesse zeigten, den Vorschlag umzusetzen.

Bei all diesen Wenns und Abers ist es kein Wunder, dass es bisher zu nicht mehr als halbherzigen Kampagnen gereicht hat. Doch Plakate und vereinzelte Werbebanner auf Internetseiten dürften nur die wenigsten Auto-Raucher zum Umdenken bewegen. Schließlich befriedigen sie mit ihrem Verhalten eine Sucht. Und wenn Sucht im Spiel ist, tritt Vernunft oft in den Hintergrund.

Vielleicht hilft hier ein Blick ins Ausland, um sich inspirieren zu lassen. Zusammen mit Krankenkassen und dem Autofahrerclub ARBÖ hat das Land Niederösterreich zu Jahresbeginn die Kampagne "Unser Auto ist rauchfrei" gestartet. Dabei werden nicht nur Aufkleber verteilt, sondern auch Pfefferminzbonbons, die dazu motivieren sollen, auf die Zigarette im Auto zu verzichten. Wenn man beim Fahren schon unbedingt etwas im Mund haben muss, dann lieber etwas Zucker als eine Stange Nikotin.

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Schock auf der Schachtel

Nun prangen auch in Deutschland Gruselbilder auf deutschen Zigarettenschachteln. Furchtbar? Das kommt auf die Perspektive an.   Von Berit Uhlmann