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Rauchen im Auto:Woran das Nichtrauchergesetz für das Auto scheitert

Rauchen am Steuer

Rauchen am Steuer

(Foto: picture alliance / dpa)

In vielen Ländern ist Rauchen im Auto in Gegenwart von Kindern verboten - nicht aber in Deutschland. Dabei kann eine Zigarette den Innenraum zu einer echten Qualmhölle machen.

Im falschen Moment mit dem Finger zu schnippen, kann teuer werden. Nämlich dann, wenn dabei eine Zigarettenkippe aus dem Auto fliegt. Bis zu 50 Euro kann das Bußgeld betragen. Verursacht man damit gar einen Unfall, zum Beispiel eines Fahrrad- oder Motorradfahrers, kann sogar ein Strafverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung folgen. Landen die Zigarettenstummel jedoch wie vorgesehen im Aschenbecher des Autos, kann hinter dem Steuer oder auf den Beifahrersitzen theoretisch so stark gequalmt werden, dass es einen Katalysator für den Innenraum bräuchte. Eine Strafe allein für das Rauchen am Steuer sieht die deutsche Straßenverkehrsordnung nämlich nicht vor.

In manchen anderen Ländern sind die Gesetze weitaus strenger. Seit Herbst vergangenen Jahres darf in Großbritannien nicht mehr im Auto geraucht werden, wenn sich minderjährige Personen an Bord befinden. Selbst dann nicht, wenn die Fenster oder das Schiebedach geöffnet sind. Wer sich nicht an das Verbot hält, zahlt 60 Pfund, umgerechnet etwa 76 Euro. Es sei denn, das Auto ist ein Cabrio und das Dach offen.

Rauchverbote von Australien bis Zypern

Ähnliches gilt in Frankreich: Lässt man sich dabei erwischen, wie man im Auto in Gegenwart von unter 18-Jährigen raucht, droht seit vergangenem Jahr eine Strafe von 68 Euro. Sogar bis zu 1500 Euro muss jemand zahlen, der sich in Griechenland im Auto eine Zigarette anzündet, wenn Kinder unter zwölf Jahren mitfahren - und das schon seit Ende 2010. Ähnliche Regelungen gibt es Italien, Südafrika, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Zypern, in weiten Teilen Australiens und Kanadas sowie in einigen Bundesstaaten der USA. In manch anderen Ländern sind Rauchverbote im Auto im Gespräch. Aber auch dort nicht generell, sondern nur dann, wenn Minderjährige mitfahren.

Nichtraucherschutz in anderen Ländern

Wo Qualmen zur Qual wird

Wie sich Rauchen im Auto auf die Gesundheit der Insassen auswirken kann, zeigt eine Studie der Universität im schottischen Aberdeen. Die Forscher fanden heraus, dass die Feinstaubbelastung in einem Raucherauto im Schnitt 85 Mikrogramm pro Kubikmeter beträgt. In einem Extremfall stieg die Zahl gar auf 880 Mikrogramm an. In rauchfreien Autos haben die Wissenschaftler einen Durchschnittswert von nur 7,4 Mikrogramm gemessen. Zum Vergleich: Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt für geschlossene Räume einen Grenzwert von 25 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Die Drogenbeauftragte fürchtet eine hohe Dunkelziffer

In Deutschland scheint das kein großes Problem zu sein. Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes INSA zufolge kennen 89 Prozent der Befragten die Risiken, denen Kinder durch rauchende Erwachsene im Auto ausgesetzt sind. Und nur vier Prozent gaben an, sich im Auto auch dann eine Zigarette anzuzünden, wenn Kinder im Auto sitzen. Dennoch möchte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), im Auto mitfahrende Kinder besser vor rauchenden Erwachsenen schützen - auch weil sie fürchtet, dass die Dunkelziffer weitaus höher liegt: "Mein Appell an alle Raucherinnen und Raucher lautet: Verzichten Sie aufs Rauchen, wenn Kinder anwesend sind oder sogar im Auto mitfahren!"

Der Unterstützung der Ärzte kann sich die CSU-Politikerin sicher sein. Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) spricht sich für ein Rauchverbot im Auto aus, wenn Kinder mitfahren. Die Experten begründen das auch mit körperlichen Unterschieden. Passivrauchen schädigt Kinder stärker als Erwachsene, da sie öfter atmen und ihr Entgiftungssystem noch nicht ausgereift sei. Sie haben deshalb ein erhöhtes Risiko für Atemwegsbeschwerden und -erkrankungen, eine beeinträchtigte Lungenfunktion und Mittelohrentzündungen. Das DKFZ wähnt bei seinem Vorstoß die breite Mehrheit der Bevölkerung auf seiner Seite. So sollen sich 87,1 Prozent der Befragten für ein Rauchverbot im Auto aussprechen. Sogar unter den Rauchern soll die Zustimmungsquote bei mehr als 78 Prozent liegen.