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Rauch im Cockpit:Abhilfe wäre vorhandenm, aber ...

"Die Ursachen sind meist eher harmlos wie vergessene Brötchen im Backofen oder im Winter Rauchentwicklung durch Enteisungsflüssigkeit in der Klimaanlage", sagt Georg Fongern, "aber die Piloten sind sensibilisiert und machen lieber eine Notlandung zu viel."

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Fliegen in der Zukunft

Doch insgesamt tut die Luftfahrtbranche zu wenig, um das seit langem bekannte Problem in den Griff zu kriegen. Flugzeughersteller müssen bei der Zulassung neuer Typen nicht nachweisen, dass sich anhaltend austretender Rauch aus dem Cockpit mit Bordmitteln entfernen lässt; nur unter praxisfernen Testbedingungen muss ein rauchgefülltes Cockpit nach drei Minuten Ventilation wieder rauchfrei sein.

Die Industrie scheut die Kosten nötiger Änderungen an Zapfluftsystemen, Klimaanlagen und Auslassventilen. "Die Hersteller ignorieren das Problem anhaltend", klagt Nick Lacey, ehemaliger Mitarbeiter der US-Luftfahrtbehörde FAA. Durch die Digitalisierung im Cockpit mit immer mehr Elektronik hat sich die Brandwahrscheinlichkeit noch verstärkt. Auch die von Piloten benutzten Laptops sind eine Gefahr, so Georg Fongern: "Die feuergefährlichen Lithium-Ionen-Akkus darin bereiten uns Kopfzerbrechen."

Aber selbst wenn Feuer ausbricht und Gegenmaßnahmen nicht wirken, muss ein Vorfall nicht in der Katastrophe enden. Die beiden UPS-Piloten könnten womöglich noch am Leben sein, hätten sie ein ebenso simples wie günstiges und einfach zu bedienendes Hilfsmittel zur Verfügung gehabt. Bisher tragen Flugkapitäne bei Rauchentwicklung Sauerstoffmaske und Schutzbrille. Doch das nützt wenig, wenn sie durch starke Verqualmung nichts mehr sehen können, wie vermutlich in Dubai.

Hier würde das Emergency Vision Assurance System (Evas) helfen, eine Art transparentes Notzelt für Piloten. Mit einem batteriegetriebenen Filter schafft Evas innerhalb einer Plastikfolie einen rauchfreien Raum zwischen der Schutzbrille des Piloten, den Instrumenten und einem Teil der Cockpitscheibe. Das System ist von der FAA zugelassen, die US-Airline JetBlue sowie der Frachtflieger FedEx haben große Teile ihrer Flotten damit ausgestattet. Sonst bisher niemand.

Da muss wohl erst noch Schlimmeres passieren.

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Viel Glück im Unglück