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Rauch im Cockpit:Tödlicher Blindflug

Rauch im Cockpit bedeutet für Jet-Piloten höchste Gefahr, doch die Luftfahrtbranche tut zu wenig, um das Problem in den Griff zu bekommen.

Es muss die Hölle gewesen sein im Cockpit der Boeing 747-400F, einer Frachtmaschine des Paketdienstes UPS, die in Dubai zum Flug nach Köln/Bonn gestartet war. Bereits 22 Minuten nach dem Start kündigten die beiden Piloten über Funk an, dass sie wegen Rauch und Feuer im Cockpit nach Dubai zurückkehren müssten - dann aber muss sich die bedrohliche Situation sehr schnell verschlimmert haben. Denn der erst drei Jahre alte Frachtjet überflog den Flughafen zweimal in zu großer Höhe für eine Landung; den Piloten gelang es auch nicht mehr, die richtige Funkfrequenz einzustellen.

Flugzeugabsturz in Dubai

Luft-Post: Für den interkontinentalen Transport setzt UPS die Frachtversion der Boeing 747-400 ein; ein solcher Jet stürzte jetzt ab.

(Foto: dpa)

Alles deutet mittlerweile daraufhin, dass die Cockpitbesatzung handlungsunfähig war, in dichtem Rauch ihre Instrumente nicht ablesen oder keinen Blick nach draußen werfen konnte. Nach genau 50 Minuten Flugzeit, 28 Minuten nach der Umkehr-Meldung, stürzte das riesige Flugzeug in ein leeres Militärgelände und riss beim Aufprall eine lange Schneise. Beide Piloten kamen ums Leben.

"Nach dem Ausbruch eines Brandes mehr als eine halbe Stunde in der Luft zu bleiben ist ziemlich lang", wundert sich Georg Fongern, selbst Airbus-Pilot bei Lufthansa und Vertreter der internationalen Pilotenvereinigung Ifalpa.

Denn nach dem Absturz von Swissair-Flug 111 im September 1998 infolge eines Cockpitbrandes hatte sich die Handlungsanweisung für Piloten bei Feuer und Rauch an ihrem Arbeitsplatz gründlich geändert. "Wenn es eine Landemöglichkeit gibt, und die hatten die UPS-Piloten, kümmert man sich nicht um die Ursache des Feuers, sondern sieht zu, dass man so schnell wie möglich runterkommt", so Fongern.

Das sei heute anders als vor dem Swissair-Unglück, als man nach dem Grund für den Rauch gesucht und langwierige Checklisten abgearbeitet habe. Heute gilt unter Piloten eine Viertelstunde als die Frist, in der man ein Flugzeug mit Rauch im Cockpit spätestens am Boden haben sollte. "Bei Feuer an Bord hat man maximal 15 Minuten, weil nach 20 Minuten ein Unfall fast garantiert ist. Ich würde versuchen, in elf Minuten am Boden zu sein", schreibt ein Pilot im wichtigsten Internet-Branchenforum.

Tatsache ist, dass Rauch im Cockpit sehr häufig vorkommt. Jüngste Studien gehen von mehr als 1000 Vorfällen im Jahr weltweit aus, die in über 350 außerplanmäßigen Landungen resultieren. Danach sei einer von 5000 Flügen betroffen. Allein zwischen Ende Juli und Ende August 2010 wurden fünf Fälle bekannt, zwei betrafen Lufthansa-Flüge.

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