Süddeutsche Zeitung

Ratgeber: Auto-Reisezug:Huckepack auf Schienen

Autoreisezüge sind eine gute Alternative für alle, die ihr Urlaubsziel stressfrei erreichen wollen. In manchen Fällen spart man sogar Reisekosten, wenn man das Auto Bahn fahren lässt.

Einsteigen, losfahren und ganz entspannt Neuland entdecken - Urlaubsreisen mit dem Auto sind was Wunderbares. Lägen nicht Hunderte von öden Autobahnkilometern zwischen Wohnort und Ferienziel. Wäre da nicht das stundenlange Kriechen in der riesigen Blechlawine, das zum Ferienstart beinahe unvermeidlich ist. Wer sich die stressige Anfahrt ersparen will, muss auf das eigenen Auto am Urlaubsort trotzdem nicht verzichten. Beliebte Ferienziele lassen sich auch mit der Auto-Bahn gut erreichen.

Die Autoreisezüge der Deutschen Bahn pendeln zwischen verschiedenen Terminals innerhalb Deutschlands. Auslandsverbindungen führen nach Österreich, Italien, Kroatien und Frankreich. Wer seinen Wagen Huckepack nehmen lässt, zahlt dabei nicht unbedingt mehr als ein Selbstfahrer. Gelegentlich kommen Auto-Bahn-Reisende sogar billiger ans Ziel.

Zum Beispiel auf der Reise von Berlin nach Bozen: Ein reguläres PKW-Ticket für die 870 Kilometer lange Strecke gibt es - je nach Reisedatum - ab 138 Euro. Zwei Liegewagenplätze für Fahrer und Beifahrer schlagen im günstigsten Fall mit jeweils 57 Euro zu Buch. Insgesamt würden zwei Urlauber mit Auto für die einfache Strecke also 342 Euro zahlen.

Begrenzte Schnäppchen-Kontingente

Wer selbst fährt - zum Beispiel mit einem Audi A6 2.0 - käme dagegen auf 452 Euro Fahrtkosten, wenn man pro Kilometer 0,52 Euro für Benzin und Verschleiß kalkuliert (Angaben des ADAC). Zudem müssten Autofahrer noch 20 Euro für Vignette und Maut aufwenden, was den Selbstanreisepreis auf 472 Euro steigen lässt. Besonders günstig wird das Auto-Bahn-Fahren, wenn man ein Schnellbucher-Ticket für seinen Wagen ergattern kann. In diesem Fall fährt das Auto für gerade mal 9,90 Euro mit.

Leider werden die begrenzten Schnäppchen-Kontingente aber nicht in den Hauptreisemonaten Juli und August angeboten. Wer die Reise von Berlin nach Bozen ausgerechnet am 13. Juli oder am 3. August antreten will, zahlt für den Autofahrschein 213 Euro und 89 Euro für den billigsten Liegewagenplatz. Kinder unter 6 Jahren, die im Bett der Eltern Platz finden, reisen umsonst. Für die Größeren im Alter von sechs bis elf Jahren gibt's Tickets zum halben Preis.

Während das Auto Bahn fährt, können sich seine Passagiere reichlich Schlaf gönnen. Autozugkunden haben die Wahl zwischen verschiedenen Komfortklassen. Preisgünstigste Reisemöglichkeit ist ein Platz im Liegewagenabteil, das man mit vier weiteren Reisenden teilt. Nur ein paar Euro teuerer ist die Fahrt im Vierer-Abteil. Familien buchen am besten ein eigenes Liegewagenabteil. Für die Strecke Berlin-Bozen kostet das rollende Familienzimmer an den günstigsten Reisetagen 198 Euro, an den meisten Terminen zur Schulferienzeit 254 Euro und an den Spitzenreisetagen 307 Euro.

Im zweiten Teil: Den Autozug gibt es auch in der Luxus-Variante.

Huckepack auf Schienen

Was die Business-Class beim Fliegen ist, ist der Schlafwagen im Autoreisezug. Jeder Schlafwagenpassagier hat ein eigenes Abteil. Es sei denn, er will es mit seinen Begleitern teilen. Grundsätzlich können noch zwei weitere Personen im Schlafabteil mitreisen. Familien, die noch mehr Platz brauchen, können zwei benachbarte Abteile buchen und diese zu einer rollenden Suite verbinden. Auch in der Schlafwagenklasse gibt es unterschiedliche Komfort-Kategorien: "Economy"-Abteile haben nur ein Waschbecken im Abteil.

Duschen und WCs finden sich wie auch bei den Liegewagen im Wagon. In den Schlafwagen "Deluxe" ist dagegen jedes Abteil mit Dusche und WC ausgestattet. Ums Bettenmachen müssen sich Schlafwagengäste auch nicht kümmern. Das übernimmt der Schlafwagenschaffner, der auch das im Preis enthaltene Frühstück am Platz serviert. Die Luxusnacht im Reisezug von Berlin nach Bozen kostet - je nach Datum - zwischen 290 und 406 Euro pro Abteil. Eine Garantie für erholsamen Schlaf gibt's natürlich nicht. Und empfindliche Naturen haben gelegentlich Schwierigkeiten, über den ratternden Rädern einzuschlummern.

Nach aktuellem Fahrplan (Sommer 2007) pendeln die Autoreisezüge innerhalb Deutschlands zwischen München und Köln, München und Düsseldorf, Hildesheim, Hamburg und Berlin. Von Stuttgart und Frankfurt am Main gibt es eine Verbindung nach Sylt, von Stuttgart starten zudem Autozüge nach Rostock und Rügen.

Oldtimer-Fahrer im Visier

Vielgenutzte Nord-Süd-Achse ist die Verbindung Hamburg - Lörrach. Denn vom baden-württembergischen Lörrauch aus ist es nur noch ein Katzensprung bis ins Schweizer Wallis oder ins italienische Piemont. Villach, Wien und Salzburg sind die Autozug-Stationen in Österreich. Italienreisende haben die Wahl zwischen Bozen, Verona und Livorno. Ab München besteht auch eine Autoreisezugverbindung nach Neapel. Frankreichs schönen Süden erreicht man über die Autozug-Terminals in Narbonne und Avignon. Von Hamburg, Frankfurt und Düsseldorf gibt es eine Autozug-Verbindung nach Rijeka in Kroatien.

Tickets für Auto und Passagiere können an den Bahnschaltern oder im Internet gebucht werden. Vor dem Start sollte man die Bestimmungen des Reiselandes für die Gepäckmitnahme studieren. In einigen Ländern sind die Tunneldurchfahrten anders als in Deutschland. Deshalb gelten unterschiedliche Maße für Fahrzeuge und Dachaufbauten.

Neben Familien mit kleinen Kindern und Senioren haben die Marketing-Strategen der Deutschen Bahn übrigens auch die Oltimer-Fahrer als Autoreisezug-Zielgruppe im Visier. Die Anreise per Bahn schont das Schmuckstück. Eine Straßenzulassung muss das betagte Schätzchen allerdings haben. Sonst darf es auch nicht Auto-Bahn fahren.

Infos und Reservierungen unter an den Schaltern der Deutschen Bahn, im Internet unter www.dbautozug.de oder telefonisch unter: 01805 24 12 24.

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