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Probleme beim Carsharing:"Ziemlich ruppige" Call-Center-Mitarbeiter

Saisonstart für 'Call a bike'

"Call a Bike", der Mietfahrrad-Service der Bahn, ist ebenfalls nicht frei von technischen Problemen.

(Foto: dpa/dpaweb)

Also fing auch ich an, auf dem kleinen Parkplatz von einer Stelle zur nächsten zu fahren, um über das Display die Miete beenden zu können. Dort war aber immer lapidar zu lesen, ich könne hier nicht auschecken, da keine Verbindung bestehe. Es verging eine Viertelstunde. Weil ich zum Gate musste, lud ich mit sehr ungutem Gefühl das Gepäck aus, ließ den Wagen unabgeschlossen stehen, wo er war und ging ins Terminal durch die Security, um direkt die Hotline anzurufen. Nach zehn Minuten in der Warteschleife nahm ein ungehaltener Mitarbeiter ab und ließ mich wissen, ich hätte einen großen Fehler gemacht, den Wagen einfach offen da stehen zu lassen: "Sie müssen für eventuellen Vandalismus am Fahrzeug aufkommen." Letztendlich wurde mir der durch das Parken entstandene zusätzliche Rechnungsbetrag von zehn Euro zurückerstattet.

Airport-Carsharing ist an sich eine feine Sache, deshalb fuhr ich ein weiteres Mal zum Flughafen Köln/Bonn, diesmal mit einem Smart von Car2go. Dasselbe Problem. Nur kam ich diesmal so in Zeitnot, dass ich erst in Berlin angekommen die Hotline anrief . Mein Konto wurde mit knapp 30 Euro zusätzlich belastet, weil ich angeblich 156 Minuten am Flughafen geparkt hatte, ohne auszuchecken. Wieder war die Ansage die, ich dürfe auf keinen Fall einen Wagen einfach so verlassen. Ja, wie soll das gehen? Indem ich in die Stadt zurückfahre und mir ein Taxi nehme? Entsprechende schriftliche Anfragen an den Kundenservice blieben unbeantwortet. Die Anbieter reagierten erst, nachdem ich mich als Journalist an die Pressestellen wandte: Ein Pressesprecher gab zu, dass die Call-Center zum Teil "ziemlich ruppig" seien.

Kinderkrankheiten als lukratives Geschäft

Der Platzhirsch beim Radelteilen ist Call-a-Bike der Deutschen Bahn. Hier liegt ein Defekt im System, der dem Kunden hohe, stille Kosten aufbrummt. In München fuhr ich kürzlich mit einem dieser Mieträder zum U-Bahnhof Studentenstadt, wo schon mehrere seinesgleichen standen. Anders als noch im letzten Jahr muss man nicht mehr mit einem Code auschecken, eine Bestätigung am Display genügt. Die Fahrt dauerte nur eine Minute, also acht Cent. Einige Wochen später kam via Mail die Rechnung, die sich auf mehr als 20 Euro belief. Auch für eine Fahrt zuvor waren zehn Euro Strafgebühr für das Abstellen "außerhalb Standort" angefallen.

Beim Anruf des Supports sagte mir die Mitarbeiterin, ich hätte wohl die AGB nicht gelesen, das Rad dürfe man nicht außerhalb des Geschäftsgebiets abstellen. Nicht nur das Rad unterschlug mir diese Information. Auch die Android-App, über die ich es angemietet hatte, warnte mich (und viele andere Mieter von Call-a-Bike) nicht vor meiner Überschreitung: Sie zeigt das Geschäftsgebiet erst gar nicht an. Wenn man das Rad nicht gerade im Stadtkern anmietet und dort wieder abstellt, wird man leicht zum digitalen Grenzgänger.

Mag sein, dass es sich um Kinderkrankheiten eines neuen Mobilitätsangebots handelt, bei dem viele Schnittstellen reibungslos funktionieren müssen. Aber diese Tücken der Technik sind sicherlich ein lukratives Geschäft für die Bahn. Gerade weil Spontanmieter wie Touristen so leicht in diese Falle laufen, dass es nach Abzocke riecht. Auch hierzu stellte ich zwei schriftliche Anfragen an Call-a-Bike und an die Presseabteilung. Nach über einem Monat warte ich weiter auf die Antwort.

© SZ vom 06.09.2014
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