Praxistest: Opel Tigra TwinTop 1.4 Offene Beziehung

...wenn man's nur nicht übertreibt

Allerdings: Größer als 1,85 Meter sollte man als Twin-Top-Fan nicht sein. Dann ragt der Haaransatz doch schon bedenklich weit über den Dachholm in den Wind. Große haben es im Tigra ohnehin schwer: Die Sitze lassen sich nie so weit nach unten stellen, dass nicht irgend etwas dem Kopf bedrohlich nahe käme - Dachhimmel oder Dachholm sind immer irgendwie im Wege.

Alle anderen werden sich im Innenraum des Tigra schnell heimisch fühlen. Die Sportsitze passen wie angegossen und bieten guten Seitenhalt, die Instrumente sind übersichtlich und gut erreichbar angeordnet, das Lenkrad höhenverstellbar. Nur anfangs verwechselt man noch die gleichförmigen Schalter für Fensterheber und Verdeck.

Ein markantes Schmuckstück ist der große, wellenförmig geschwungene Überrollbügel aus stabilem, mattem Alu. Die Verarbeitung ist ordentlich, die Geräuschkulisse auch: Laut wird der Tigra eigentlich nie - beim Bremsen kann man gelegentlich sogar das Benzin im Tank schwappen hören.

Offen ist die Rundumsicht bestens, nur der Dachholm verdeckt immer wieder mal die Sicht - zum Beispiel auf Ampeln. Die Handschaltung ist ein wenig hakelig, aber dennoch präzise, die Bremsen sind fein dosierbar. Die direkte Lenkung vermittelt einen präzisen Kontakt zur Fahrbahn.

Rasen ist nicht das Ziel

Der 1,4-Liter-Motor markiert beim Tigra Twin Top den Einstieg in die Frischluftklasse. Und wenn man nicht regelmäßig lange Autobahn-Strecken fährt, sondern mehr in Stadt und Land unterwegs ist, reichen seine 66 kW / 90 PS völlig aus. 180 km/h Spitze und 12,4 sec. von 0 auf 100 km/h sind nicht spektakulär, aber akzeptabel. Offen interessieren einen solche Zahlen ohnehin kaum noch.

Wer schneller unterwegs sein will, kann sich ja den 1,8-Liter-Benziner unter die Haube packen lassen. Der schafft dann 204 km/h Spitze und 9,4 sec. für den Sprint. Uns hat der stärkere Motor nur auf der Autobahn gefehlt. Und am allerwenigsten an der Tankstelle: Der kleine Motor kommt laut Werksangabe mit 6,1 Litern Super auf 100 Kilometer aus. Unser Testverbrauch lag nach insgesamt 2070 Kilometern indes bei knapp über acht Litern.

Das Fahrwerk sorgt zusammen mit dem präzise arbeitenden ESP dafür, dass man über den Tigra nie die Kontrolle verliert. In Kurven untersteuert der Tigra leicht - auch das regelt die Elektronik schnell und sicher. Auf schlechter Fahrbahn verwindet sich die Karosserie etwas, wenn das Dach geöffnet ist. Die Federung ist geschmeidig und schluckt auch größere Unebenheiten rückenschonend.

Mit einem Grundpreis von 16.895 Euro bietet der Tigra Twin Top 1.4 Enjoy einen vergleichsweise preiswerten Einstieg in die Klapp-Top-Klasse und liegt knapp unter dem - allerdings 19 PS stärker motorisierten - Peugeot 206 CC. Die Aufpreisliste ist für Opel-Verhältnisse moderat ausgefallen. Darin unter anderem enthalten: Windschott (220 Euro), Lederausstattung (1145 Euro), Automatikgetriebe (650 Euro), Armlehne (123 Euro) - und Reserverad (50 Euro).