Süddeutsche Zeitung

Präsentation des i3:BMW macht auf Apple

Lesezeit: 4 min

Jung, grün, hip: Konzernchef Norbert Reithofer stellt in New York den i3, das erste Elektroauto von BMW vor, und erinnert trotz Anzugs statt Rollkragenpullover an Steve Jobs. Ähnlich wie Apple hat BMW bei dieser Show wirklich nichts ausgelassen.

Von Kathrin Werner, New York

BMW hat wirklich nichts ausgelassen bei dieser Show. Konzernchef Norbert Reithofer springt in bester Steve-Jobs-Manier auf die Bühne, es fehlt nur der schwarze Rollkragenpullover, den der verstorbene Apple-Chef zu seinen legendären Produktpräsentationen trug. Reithofer trägt Anzug und Krawatte, aber die großen Worte beherrscht er ebenso wie Jobs. "Seit fast 130 Jahren gibt es Autos. Heute beginnt eine neue Ära", sagt er. "Es ist eine Technikrevolution." Neben ihm lächeln Vorstandskollege Peter Schwarzenbauer und eine Moderatorin ins Scheinwerferlicht. "Wow! Wow! Wow!", ruft sie, "Ihr schreibt hier heute Geschichte." Sie stupst "Norbert" und "Peter" in die Seite.

Auf dem riesigen Bildschirm hinter den Managern und der Moderatorin schaltet sie Peking und London zu, es ist ein wenig wie beim Eurovision Song Contest. "Guten Tag, London, guten Abend Peking", sagt sie, "ich hoffe, Ihr feiert eine tolle Party." Auch in Peking und London stehen je eine Moderatorin und zwei etwas unbeholfene Anzugträger aus dem BMW-Vorstand auf der Bühne, die auf Englisch von der Technikrevolution schwärmen und oft mit der Aussprache des "th" kämpfen. "Wir machen einen großen Schritt in die Zukunft", sagt Vertriebsvorstand Ian Robertson in London. "Wir zeigen hier Stärke, Pioniergeist und dass wir langfristig denken", sagt Finanzvorstand Friedrich Eichiner in Peking. "Das ist ein Tag, an den sich künftige Generationen erinnern werden", sagt Reithofer in New York. Wer zählen will, wie oft heute das Wort "Revolution" fällt, muss sehr weit zählen können.

Die Revolution ist: ein Auto

Die Revolution ist - Kunstpause - ein Auto. Vier Räder, Rückspiegel, Glas und Lack. BMW hat Journalisten aus der ganzen Welt zur großen Präsentation des Elektroautos i3 eingeladen. Es soll das neue Aushängeschild für BMW werden, der Münchner Autobauer will mitmachen in der grünen Zukunft. Es geht um viel für BMW, um Geld und den guten Ruf. Der Konzern will jung, grün und hip sein - und innovativ. BMW versteht sich als Ingenieurskonzern und Technikvorreiter. Da darf der Konzern bei der derzeit wohl innovativsten Technik, den Elektroautos, nicht enttäuschen. Da darf auch die Show nicht enttäuschen.

In New York hat BMW eine schicke Industrieetage im Künstlerviertel Chelsea angemietet. Blaue Scheinwerfer beleuchten den kargen Raum. Fußböden, Wände, Stühle, alles ist in weiß gehalten - auch das wie bei Apple. Auch das Tuch, das den Star des Tages noch verdeckt, ist weiß. Die Moderatorin holt ein kleines Mädchen im Glitzerkleid auf die Bühne. Ein Countdown läuft wie ein Herzschlag, gemeinsam drücken die Manager und das Mädchen einen Knopf auf einem iPad. Gleißende Scheinwerfer schweifen über die Bühne, fokussiert das Auto. Musik ballert.

Wie von Geisterhand verschwindet das Tuch. Da steht er, silberfarben und schwarz, der neue i3.

So neu ist er doch gar nicht

Allein, so neu ist er nicht. Anders als Steve Jobs, der bei Apples Präsentationen stets ein bis dato wirklich unbekanntes Produkt präsentierte, kennt den neuen i3 schon so ziemlich jeder. Seit einigen Monaten tourt BMW mit dem Prototyp um die Welt, im Oktober gab es schon einmal ein großes Event in New York, im November in Los Angeles. Der i3 war auf allen großen Branchenmessen zu sehen. Journalisten durften ihn seit einer ganzen Weile zur Probe fahren. Neu ist an dem Elektroauto nur, dass er nun tatsächlich in Serie produziert wird. In Deutschland kommt er im Herbst in die Autohäuser, in Amerika im zweiten Quartal 2014.

Dass Reithofer das Auto in New York präsentiert, ist kein Zufall. Auf den amerikanischen Markt setzt BMW große Hoffnungen. "Das Auto ist perfekt für New York", sagt Reithofer. Auch New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg ist hier, lässt sich mit dem Auto fotografieren und gratuliert zur Revolution. In Großstädten erwarten die Autohersteller den größten Markt für Elektroautos. Die Nachfrage ist in Amerika aber noch nicht so recht in Schwung gekommen. Die Massenmarktmodelle Volt von Chevrolet und Leaf von Nissan verfehlen fast jeden Monat ihre Absatzziele, die Hersteller haben die Preise bereits gesenkt. Der i3 soll eine andere Kundengruppe ansprechen: wohlhabendere BMW-Kunden, für die Umweltschutz ein Statussymbol ist.

Bislang kaufen diese Menschen aber vor allem bei dem Startup Tesla aus dem Silicon Valley, das sehr teure und sehr sportliche Elektroautos baut, die jeder cool findet. BMWs i3 wird mit 41.350 Dollar beziehungsweise 34.950 Euro in Deutschland genau dazwischen liegen. Wie viele i3 BMW verkaufen will, sagt der Konzern vorsichtshalber nicht. Wer keine Ziele angibt, kann auch keine Ziele verpassen.

Es geht um sehr viel Geld

Neben dem guten Ruf geht es für BMW auch um sehr viel Geld. Und tatsächlich ist einiges revolutionär: Die Fahrgastzelle ist aus Karbon und extrem leicht. Die Münchner haben sich anders als die Konkurrenz nicht dafür entschieden, einfach ein existierendes Modell mit einem Elektromotor umzurüsten, sondern das Auto komplett neu entwickelt. Audi bringt dagegen eine Elektroversion des A3 auf den Markt, Daimler folgt mit einer elektrischen Mercedes B-Klasse. Die Neuentwicklung hat BMW viel Geld gekostet, Analysten taxieren sie auf bislang mindestens zwei Milliarden Euro.

BMW hat sich vorgenommen, mit dem Auto vom ersten Tag an Geld zu verdienen.

Viele Experten halten das für unmöglich. Dafür verantwortlich ist nun vor allem die Marketingabteilung - die Show in New York, Peking und London ist der Auftakt. "Das ist nicht nur ein Auto", sagt Reithofer. "Es ist ein revolutionärer Schritt."

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SZ vom 30.07.2013/mike
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