Süddeutsche Zeitung

Porsche 911 mit Elektroantrieb:Carrera-Bahn

Während Porsche an seinem Hybrid-Cayenne feilt, ist auch schon ein Tesla-Konkurrent auf 911er-Basis in Arbeit: Der E-Ruf rennt 225 Sachen.

Was macht einen echten 911er aus? Der Heckantrieb natürlich. Der Sechszylinder-Boxermotor mit seinem kraftvollen Brabbeln und das fantastische Fahrverhalten. Zumindest vom Sechszylinder muss man sich in Zukunft wohl verabschieden, falls der E-Ruf Modell A zur Serienreife entwickelt wird. Auf Basis eines Porsche 911 präsentiert der Tuner und Autohersteller Ruf aus Pfaffenhausen einen Elektro-Sportwagen und zeigt, wie in Zuffenhausen die Zukunft aussehen könnte.

Der Dreiphasen-Wechselstrom-Motor misst nur 40,5 Zentimeter im Durchmesser und sitzt im Motorraum direkt hinter dem Hinterachs-Differenzial. Auch der elektrische 911er kann also von sich behaupten, ein echter Hecktriebler zu sein. Der Motor leistet maximal 150 Kilowatt (204 PS), das Drehmoment von 650 Newtonmetern steht sofort nach dem Start zur Verfügung.

Mit "Ampére-Pedal"

Dem Tesla Roadster würde der Porsche momentan trotzdem hinterherfahren: Der E-Ruf soll in ungefähr sieben Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen, das Entwicklungsziel lautet etwas schwammig "unter sieben Sekunden". Der Tesla schafft den Spurt auf 100 km/h in knapp vier Sekunden, wiegt allerdings mit 1,2 Tonnen auch deutlich weniger als der 1,9 Tonnen schwere E-Ruf. Ein normaler 911er bringt ungefähr 1,5 Tonnen auf die Waage - und ist in längstens fünf Sekunden auf Tempo 100.

Den Löwenanteil des Mehrgewichts machen natürlich die Akkus aus - der E-Ruf schleppt 550 Kilogramm davon mit sich herum. Motor- und der vordere Gepäckraum sind komplett von Batterien belagert. Der Motor selbst wiegt nur 91 Kilogramm.

Die Höchstgeschwindigkeit des Elektro-Porsche liegt bei 225 km/h. "Für die weiteren Entwicklungsschritte sind hier noch Modifikation zu standesgemäßen Leistungsmerkmalen zu erwarten", verspricht der Autohersteller. Der Elektro-Porsche hat ein Schaltgetriebe mit sechs Gängen. "Genau genommen genügt es wohl, den sechsten Gang einzulegen und mit dem Gaspedal loszufahren", teilt Ruf mit und ergänzt, dass es sich in einem Elektroauto eigentlich eher um ein "Ampère-Pedal" handle.

Carrera-Bahn

Eine Verbesserung der Beschleunigung sei möglich, wenn man einen der unteren Gänge wähle. "Freilich geht so ein ausgeprägtes Sprintvermögen zu Lasten der erzielbaren Reichweite", schränkt der Autohersteller ein. Die 96 Lithium-Ionen-Akkus stellen zusammen einen Energievorrat von 51 kWh zur Verfügung. "Dies entspricht dem theoretischen reinen Energie-Inhalt von fünf Litern Benzin und kennzeichnet den Schwierigkeitsgrad des Speicherns elektrischer Energie", sagen die Ruf-Entwickler. Die Leistungsspirale in der Batterieentwicklung deute aber "steil nach oben". Im Schiebebetrieb wird der Motor zum Generator und erzeugt elektrische Energie, mit der die Batterien gespeist werden.

Der stromernde 911er ist im Gegensatz zum Tesla Roadster ein Versuchsträger. "Der Prototyp der A-Serie hat noch einen signifikanten Abstand zum fertig entwickelten Automobil mit elektrischem Antrieb", betont das Unternehmen Ruf in einer Pressemitteilung. Die Reichweite des E-Ruf Modell A liege bei 250 bis 320 Kilometern. Die Lebensdauer der Akkus gibt Ruf mit 3000 Ladezyklen an - das wäre fast viermal so viel wie beim Tesla Roadster. Während des Betriebs überwacht die Elektronik ständig die Spannung und Temperatur in den Akkuzellen, um eine Überhitzung zu vermeiden.

Die Idee zum Elektro-Porsche sei dem Firmenchef Alois Ruf jun. im Zusammenhang mit seinen drei Wasserkraftwerken gekommen, heißt es aus dem Unternehmen. "Die Jahres-Energiemenge dieser Kraftwerke von 35 Millionen kWh entspricht etwa der Energiemenge, die notwendig wäre, um ein Auto wie den E-Ruf 3500 mal um den Globus fahren zu lassen", schätzt das Unternehmen.

"Das Ganze funktioniert im öffentlichen Netz nach den Verträgen der Energielieferanten für Tag- oder Nachtstrom mit umgerechnet 2,50 bis 5 Euro pro 100 Kilometer", lautet die Rechnung des Autoherstellers.

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