Pedelec-Vergleichstest:Das S-Pedelec ist wie ein getarnter Sportwagen

Die S-Pedelec-Variante macht deutlich mehr Spaß und fühlt sich an wie ein getarnter Sportwagen. Die Maximalgeschwindigkeit von 45 km/h erreiche ich zwar nur, wenn ich richtig in die Pedale drücke und doch ins Schnaufen und Schwitzen gerate. Doch die anstrengungslose Reisegeschwindigkeit pendelt sich je nach Gefälle zwischen 35 und 38 Kilometern pro Stunde ein. Das hebt die Laune und lullt den Geist nicht so ein wie das zahmere Elektrorad.

Jedoch befinde ich mich auf dem 45-km/h-Bike in einer seltsamen Nicht-Existenz, bin beinahe heimatlos. Die schönen Streckenabschnitte - Wald, Stadtpark, die meisten Radwege - sind für mich gesperrt. Auf der Straße reagieren viele Autofahrer auf meine Anwesenheit mit dem Klapprad-Verschnitt, nun ja, unbegeistert. Es hat sich eben noch nicht zu allen Autofahrern herumgesprochen, dass ein Rad mit Kennzeichen nicht auf den Radweg darf. Das kostet Nerven.

Es ist ein Jammer - mit beiden Modellen

Das flotte Tempo hebt die Laune, der Verkehr trübt sie wieder. Unter Achtung beinahe sämtlicher Verkehrsregeln, die für das S-Pedelec gelten, bringt es auf meinem täglichen Arbeitsweg gegenüber dem Pedelec einen Zeitvorteil von zwei Minuten: 1:07 statt 1:09 Stunden. Auf der normalen Fahrradroute, auf der das schnellere Rad nichts verloren hat, ließe sich die Strecke in 51 Minuten bewältigen - so man es denn ausprobieren würde.

Es ist ein Jammer. Das S-Pedelec ist angesichts der Vorschriften ohne starke Nerven kaum einsetzbar - vor allem in der Stadt. Beim Pedelec verhält es sich genau andersherum: Es eignet sich hervorragend für längere Strecken durch die Stadt. Es wäre jedoch wunderbar, wenn es fünf km/h schneller fahren dürfte. Die Technik ließe es zu, der Gesetzgeber hingegen nicht.

Aber für Radler - mit oder ohne E-Motor - geht es ohnehin darum, Tag für Tag im Berufsverkehr die eigene Gelassenheit zu trainieren. Dass für sie kein rechter Platz im städtischen Verkehr vorgesehen ist, kennen sie schließlich nur zu gut.

Hinweis der Redaktion: Die vorgestellten Produkte wurden der Redaktion vom Hersteller zu Testzwecken leihweise zur Verfügung gestellt.

© SZ.de/sehe/harl/dd
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