Pedelec-Vergleichstest:Pedelec mit 25 oder 45 km/h: Womit lässt sich besser pendeln?

Pedelec i:SY DrivE S8 ZR und S-Pedelec i:SY DrivE Speed 45

Links zu sehen: das i:SY DrivE S8 ZR für 3099 Euro. Rechts daneben das S-Pedelec i:SY DrivE Speed 45 für 3899 Euro.

(Foto: i:SY)

Unser Autor, ein begeisterter Rennradler, wagt den Selbstversuch mit Elektro-Fahrrädern. Warum ihm das schnellere Rad mehr Spaß macht - und er dennoch zum langsameren greifen würde.

Von Sebastian Herrmann

Die Strecke zwischen der einen Münchner Vorstadt (Schlafen) und der anderen Münchner Vorstadt (Arbeiten) beträgt 23 Kilometer. Ich strample Tag für Tag auf dem Fahrrad von Westen nach Osten und am Abend wieder von Osten nach Westen. Die Route führt über Felder, Autobahnbrücken und durch Wälder, es geht über Radwege und Seitenstraßen, durch Stadtparks und dicht befahrene Straßen. Und manchmal, aber nur manchmal, taucht während dieses täglichen Pensums der Gedanke auf, ob es nicht auch leichter geht - ohne gleich das Undenkbare zu wagen und ins Auto oder die S-Bahn umzusteigen. Wie wäre es, die Strecke mal nicht mit dem Rennrad, sondern mit Elektrofahrrädern zu bewältigen? Und wenn ja, mit welchem?

Ich ringe mich durch, und der Versuchsaufbau sieht so aus: Ich fahre die Strecke mit zwei fast baugleichen Rädern. Der entscheidende Unterschied: Das i:SY DrivE S8 ZR (3099 Euro) ist ein Pedelec, bei dem der Motor nur bis 25 Kilometer pro Stunde anschiebt und sich bei höherer Geschwindigkeit abmeldet. Das andere Modell ist das i:SY DrivE Speed 45 (3899 Euro), ein S-Pedelec, bei dem der Elektromotor dem Radler bis 45 km/h Superkräfte verleiht.

Der schnelle Flitzer klingt nach der logischen Wahl für den stets gehetzten Pendler, doch er hat einen Nachteil: Das S-Pedelec gilt rechtlich als Kleinkraftrad und verlangt damit nach einer Haftpflichtversicherung, einem Kennzeichen und zwingend nach einem geeigneten Helm. Radwege sind mit diesem Gefährt tabu. Durch den Wald darf ich damit auch nicht. All das verhindert, dass ich meine angestammte Route quer durch die Stadt nutzen kann. Mit dem S-Pedelec müssen neue Wege her.

Beide Bikes verfügen über 20-Zoll-Laufräder mit recht dicken Reifen. An beiden Modellen lassen sich die Pedale hochklappen sowie der Lenker querstellen; das hilft, wenn das Rad im Auto oder im Zug verstaut werden soll. Sie verfügen über einen Frontgepäckträger, an dem sich eine Tasche einklicken lässt. Praktisch ist die Stange direkt über dem Tretlager beziehungsweise über dem Motor, an dem sich die Fahrräder tragen lassen. Das Gewicht ist so austariert, dass sie beim Tragen weder nach vorne noch nach hinten kippen - eine feine Sache.

Die Schaltung des langsamen Pedelecs funktioniert besser

Das 25-km/h-Pedelec ist mit einer Acht-Gang-Nexus-Nabenschaltung von Shimano ausgestattet und wird von einem Zahnriemen statt einer Fahrradkette angetrieben. Das funktioniert wunderbar, die Abstufung fühlt sich schlüssig an. Auch beim E-Bike hätte i:SY die Variante gerne verbaut, doch Shimano hat sie offenbar für diesen Typ nicht freigegeben. Deshalb kommt hier eine Deore-XT-Kettenschaltung zum Einsatz, deren Schalthebel recht schwergängig ist und die insgesamt nicht so gut zum starken Motor passt. Für beide Räder nutzt i:SY Bosch-Motoren: Im Pedelec mit einer Leistung von 250 Watt, im S-Pedelec ist der Mittelmotor 350 Watt stark.

Mit dem Pedelec rolle ich über die gewohnte tägliche Route. Auf dem Rad sitzt es sich schön aufrecht, der breite Sattel ist gefedert, wippt Unebenheiten nett weg und die an beiden Modellen installierten Magura-Scheibenbremsen bringen Rad und Radler gut zum Stehen. Die 25 km/h sind rasch erreicht, zwei, drei Mal in die Pedale treten und dann ist es geschehen. Schneller zu fahren strengt schwer an, weil das Rad ohne Motorunterstützung bremst. Das fällt besonders auf, wenn eine Ampel erwischt werden soll, bevor sie auf Rot springt. Also rolle ich für meinen persönlichen Geschmack etwas zu gemütlich dahin und erreiche schließlich gänzlich unverschwitzt das Büro. Das ist nicht aufregend, aber solide und dauert etwa fünf Minuten länger als normalerweise mit dem Rennrad.

Das S-Pedelec ist wie ein getarnter Sportwagen

Die S-Pedelec-Variante macht deutlich mehr Spaß und fühlt sich an wie ein getarnter Sportwagen. Die Maximalgeschwindigkeit von 45 km/h erreiche ich zwar nur, wenn ich richtig in die Pedale drücke und doch ins Schnaufen und Schwitzen gerate. Doch die anstrengungslose Reisegeschwindigkeit pendelt sich je nach Gefälle zwischen 35 und 38 Kilometern pro Stunde ein. Das hebt die Laune und lullt den Geist nicht so ein wie das zahmere Elektrorad.

Jedoch befinde ich mich auf dem 45-km/h-Bike in einer seltsamen Nicht-Existenz, bin beinahe heimatlos. Die schönen Streckenabschnitte - Wald, Stadtpark, die meisten Radwege - sind für mich gesperrt. Auf der Straße reagieren viele Autofahrer auf meine Anwesenheit mit dem Klapprad-Verschnitt, nun ja, unbegeistert. Es hat sich eben noch nicht zu allen Autofahrern herumgesprochen, dass ein Rad mit Kennzeichen nicht auf den Radweg darf. Das kostet Nerven.

Es ist ein Jammer - mit beiden Modellen

Das flotte Tempo hebt die Laune, der Verkehr trübt sie wieder. Unter Achtung beinahe sämtlicher Verkehrsregeln, die für das S-Pedelec gelten, bringt es auf meinem täglichen Arbeitsweg gegenüber dem Pedelec einen Zeitvorteil von zwei Minuten: 1:07 statt 1:09 Stunden. Auf der normalen Fahrradroute, auf der das schnellere Rad nichts verloren hat, ließe sich die Strecke in 51 Minuten bewältigen - so man es denn ausprobieren würde.

Es ist ein Jammer. Das S-Pedelec ist angesichts der Vorschriften ohne starke Nerven kaum einsetzbar - vor allem in der Stadt. Beim Pedelec verhält es sich genau andersherum: Es eignet sich hervorragend für längere Strecken durch die Stadt. Es wäre jedoch wunderbar, wenn es fünf km/h schneller fahren dürfte. Die Technik ließe es zu, der Gesetzgeber hingegen nicht.

Aber für Radler - mit oder ohne E-Motor - geht es ohnehin darum, Tag für Tag im Berufsverkehr die eigene Gelassenheit zu trainieren. Dass für sie kein rechter Platz im städtischen Verkehr vorgesehen ist, kennen sie schließlich nur zu gut.

Hinweis der Redaktion: Die vorgestellten Produkte wurden der Redaktion vom Hersteller zu Testzwecken leihweise zur Verfügung gestellt.

© SZ.de/sehe/harl/dd
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