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Opel: Zukunftstrategie gesucht:Neue Ziele, alte Fehler

GM behält Opel, über Strategie und die richtigen Produkte wird in Rüsselsheim und Detroit aber heftig gestritten.

Nach der Krise ist vor der Krise, das gilt für alle Beteiligten. Der Magna-Patriarch Frank Stronach hat seinen Lebenstraum wohl endgültig ausgeträumt, dabei geschätzte 80 Millionen Euro in den Sand gesetzt und seine Mannschaft ein Jahr lang auf einer Phantom-Baustelle aufgerieben. Auch Opel hat zwölf Monate verloren, dazu den Chef, den Glauben an eine bessere Zukunft und die Hoffnung, dass man mit einer 50-Milliarden-Dollar-Spritze aus Washington auch Sinnvolleres tun kann als Marken zu schließen (Pontiac, Saturn), zu verkaufen (Saab, Hummer) oder am langen Arm verhungern zu lassen (Opel, Vauxhall).

Drei für alle: Opel und GM halten bei den Plattformen an der Drei-Säulen-Matrix fest. So stehen beispielsweise Fiat Punto und Alfa MiTo auf derselben Basis wie Opel Corsa und Meriva. Nachteil der Strategie: Die Säulen sind nur teilweise miteinander vernetzt und die Austauschbarkeit von Komponenten ist beschränkt.

(Foto: SZ-Graphik: Ilona Burgharth)

Weil sich die alte GM-Garde unter Fritz Henderson und Bob Lutz mit den neuen Wachhabenden unter Verwaltungsratschef Ed Whitacre offenbar nicht auf eine Vorgehensweise einigen kann, wird die Neuerfindung von Amerikas Nummer eins immer mehr zur Hängepartie ohne klare Ziele und zukunftsträchtige Visionen.

Die Rolle von Opel in diesem Drama erinnert stark an einen tragischen Helden, der im Bruderzwist mit Chevrolet - genauer: GM DAT, ehemals Daewoo - und in der wieder belebten Abhängigkeit von der Konzernmutter zugrunde zu gehen droht. Chevy und Opel, diese komplementäre Zwei-Preisklassen-Welt könnte und sollte so funktionieren wie Škoda und VW. Das tut sie aber nicht. Stattdessen entwickelt sich zwischen den Marken ein immer heftigerer Konkurrenzkampf, der im Kleinwagensegment demnächst eskalieren dürfte.

Konkret geht es um den Opel-Mini, der unterhalb des Corsa auf Kundenfang gehen soll. Während man in Rüsselsheim dieses Auto auf eine verkürzte Corsa-Plattform stellen und in Europa bauen möchte (Eisenach oder Zaragoza), plädiert die Führung in Detroit für eine Fernost-Lösung unter der Regie von GM DAT. Dabei ist an einen Ableger des Chevrolet Spark gedacht, der allerdings kaum die hohen Anforderungen an den Antriebsstrang und die Fahrdynamik erfüllen dürfte, die europäische Kunden mit der Marke Opel verknüpfen. Dass die Korea-Connection als Fahrzeuglieferant nur bedingt funktioniert, beweist bereits der mit dem Chevy Captiva weitgehend baugleiche Opel Antara Geländewagen, der qualitativ deutlich abfällt, dem technischen Fortschritt hinterherfährt und sich entsprechend schlecht verkauft.

Opel Astra

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