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Oldtimer mit Patina:"Das Auto ist und bleibt größtenteils ein Statussymbol"

Grundsätzlich bewertet der Oldtimer-Fachmann den Trend zum Erhalt der Patina bei Autos aber positiv. "Die Angleichung an das historische Gesamtbild soll zur gängigen Methode werden", findet De Rosa. "Solange die Patina echt ist und nicht aufgetragen, ist daran nichts zu bemängeln - eher im Gegenteil: Das ist für die Branche eine Respektsbekundung gegenüber dem automobilen Kulturgut." Zugleich schätzt der Experte, dass Hochglanzautos weiterhin beliebt bleiben: "Das Auto ist und bleibt größtenteils ein Statussymbol. Menschen wollen sich mit dem Perfekten, dem Schönen umgeben."

Das abgegriffene Lenkrad eines Oldtimers

Gebrauchsspuren wie diese erzählen von einem langen Autoleben und gehören zur erhaltenswerten Patina.

(Foto: dpa-tmn)

Auch bei Prüforganisationen wie dem TÜV wird das Thema Patina derzeit heiß diskutiert. "Es gibt mittlerweile Kontroversen bei der H-Zulassung", klagt Matthias Gerst, Oldtimer-Spezialist des TÜV Süd. "Immer wieder kommen schlecht oder gar nicht restaurierte Fahrzeuge zur Begutachtung. Leider meinen ein paar Zeitgenossen, dass auch ein verbeultes, verrostetes und vergammeltes Fahrzeug ja nur seine Patina zeigt."

Interpretationsspielraum ist erwünscht

Ein Anforderungskatalog des TÜV legt die Arbeitsanweisungen bei der Zuteilung eines H-Kennzeichens fest. Darin heißt es, dass "nur leichte, für kraftfahrzeugtechnisches Kulturgut angemessene Gebrauchsspuren vorliegen dürfen". Das äußere Gesamterscheinungsbild des Fahrzeugs habe dem einstigen Originalzustand zu entsprechen. Laut Matthias Gerst ist der Interpretationsspielraum durchaus erwünscht. In der Regel sind die kontroversen Standpunkte oberflächlicher Natur. "Ein 30 Jahre alter Lack kann original und gepflegt sein, aber durchaus ein wenig verblasst oder gar etwas stumpf aussehen", beschreibt Mathias Gerst ein häufiges Beispiel. "Ich würde dann zwar keine Neulackierung empfehlen, jedoch ein behutsames Aufbereiten der Originalsubstanz."

Opel Olympic Caravan von 1956

Der TÜV beklagt, dass immer wieder Besitzer von schlecht gepflegten Fahrzeugen zur Begutachtung vorfahren, um ein H-Kennzeichen zu erhalten. Dieser zugelassene Opel Olympia Caravan von 1956 würde wohl keins bekommen.

(Foto: dpa-tmn)

Er selbst würde in einem solchen Fall das H-Kennzeichen nicht verweigern. "Es spielen natürlich die zusätzlichen Faktoren im Anforderungskatalog eine Rolle", erläutert der TÜV Süd-Ingenieur weiter. "Das A und O jedoch sind die funktionstüchtige Technik, sachgemäße Instandsetzung von verschlissenen Teilen, und der Eindruck, dass das Fahrzeug gepflegt wird."