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Oldtimer als Geldanlage:Ferrari hängt alle ab

Der teuerste Oldtimer der Welt: der Ferrari 250 GTO

Dieser Ferrari 250 GTO von 1962 wurde in Pebble Beach für eine Rekordsumme versteigert: Der Hammer fiel bei 38,1 Millionen Dollar - das sind umgerechnet rund 28,5 Millionen Euro.

(Foto: dpa-tmn)

Auf einer Auktion in Kalifornien wechselte ein Ferrari 250 GTO für fast 30 Millionen Euro den Besitzer - neuer Weltrekord. Kenner der Oldtimer-Szene hatten noch mehr erwartet.

Es musste so kommen: Die drei großen Automobil-Auktionshäuser Bonhams, Gooding and Company und RM Auctions setzten in ihren Klassiker-Auktionen Mitte August im Rahmen des Concours d'Elegance im kalifornischen Pebble Beach in Carmel ganz auf Ferrari. Und fuhren damit gleich mehrfach neue Rekorde ein. Den höchsten Auktionspreis erzielte ein Ferrari 250 GTO aus dem Jahr 1962, eine absolute Markenikone und Inbegriff des frühen italienischen Supersportwagens. Der Hammer fiel beim Auktionator Bonhams im Rahmen des mit Spannung erwarteten "Quail Lodge Sale" bei sagenhaften 38,1 Millionen US-Dollar, inklusive Aufgeld. Das sind umgerechnet rund 28,6 Millionen Euro. Für ein Fahrzeug, keinen Picasso, wohlgemerkt.

Damit ist dieser rote Ferrari 250 GTO ganz offiziell das teuerste Automobil der Welt, welches bislang auf einer Auktion versteigert wurde. "Wir sind über dieses Ergebnis hocherfreut, gingen bei diesem Lot allerdings auch schon zuvor fest von einem neuen Preisrekord aus", gab sich Robert Brooks von Bonhams nach dem Zuschlag überzeugt.

Bis dato hielt ein Mercedes W196 den Auktionsrekord

Bis dato hielt den Auktionsrekord des teuersten Automobils noch der ehemalige Mercedes-Benz Silberpfeil, Typ W196, von Juan Manuel Fangio, der in 2013 im englischen Goodwood - ebenfalls von Bonhams - für 22,7 Millionen Euro zugeschlagen wurde. Mercedes gegen Ferrari - das einstige Duell der Rennstrecken flammt im Sammler- und Spekulantenmarkt somit neu auf. In Kalifornien spielte Mercedes diesmal allerdings kaum eine Rolle. Stattdessen: tutto Ferrari. Das Auktionsergebnis des 250 GTO eilte am Donnerstag, den 14. August 2014 binnen Sekunden um den Globus. Doch erstaunlicherweise fiel die Resonanz auf den frischen Ferrari-Rekord in Spekulantenkreisen überraschend verhalten aus. Vermeintliche Kenner des absoluten Hochpreis-Segments rechneten nämlich noch kurz vor der Auktion mit einem offiziellen Ergebnis jenseits der Marke von 50 Millionen US-Dollar.

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Am Auto kann es kaum gelegen haben, denn der Ferrari erfüllte die wichtigen Kriterien Authentizität und Originalität durch und durch: Der rote GTO wurde bereits 1962 von den Franzosen Jo Schlesser und Henri Oreiller bei der Tour de France Automobile pilotiert und erlebte danach noch zahlreiche gut dokumentierte Renneinsätze. Das wiederum zahlte auf eine wichtige Auktionsregel im Klassikermarkt ein: Historie wird honoriert.

Allerdings hält sich bis heute auch hartnäckig ein Gerücht. Danach soll - ebenfalls im Jahr 2013 - ein vergleichbarer Ferrari 250 GTO bei einem nicht öffentlichen Verkauf bereits 52 Millionen US-Dollar erzielt haben. Das relativiert den Ruhm des aktuellen Rekords. Doch wer meint, dass dem Markt mit Automobilikonen nun langsam die Luft ausgeht, dürfte sich dennoch gewaltig irren. Denn weniger der Blick auf die absolute Preisspitze, als vielmehr auf die übrigen Verkäufe in Kalifornien zeigt, in welch robuster Verfassung der Sammlermarkt weiterhin ist: Bonhams veräußerte weitere zehn Automobillegenden aus der Maranello Rosso Collection für insgesamt 65 Millionen US-Dollar. Ein 1953er-Ferrari 250 Mille Miglia Berlinetta beispielsweise erzielte 7,3 Millionen Dollar. Ein sehr delikater Ferrari 250 GT Short-Wheelbase Speciale Aerodinamica von 1962 spielte 6,875 Millionen Dollar ein. Und selbst ein vergleichsweise junger 365 GTS/4 Daytona Spider brachte es immerhin noch auf rund 2,6 Millionen.

Was aus heutiger Sicht teuer ist, kann morgen schon günstig sein

Fahrzeuge der zweiten Reihe ziehen nach. Auch Konkurrent RM Auctions erzielte Spitzenergebnisse - vor allen Dingen mit Sportwagen von Ferrari. Bemerkenswert hier ein 1964er-Ferrari 275 GTB/C Speciale, der enorme 26,4 Millionen US-Dollar erlöste. Auch ein Ferrari 250 LM bestätigte mit 11,5 Millionen Dollar die robuste Nachfrage. RM hatte hier selbst mit maximal 12,5 Millionen gerechnet. Ein ehemaliger 275 GTB/4 aus dem Vorbesitz von Filmheld Steve McQueen katapultierte den Preis für dieses Fahrzeug sogar auf mehr als 10 Millionen Dollar und damit auf das Dreifache des üblichen Wertes. Eine solche Performance dürfte am Aktienmarkt nur mit sehr viel Fortune zu erzielen sein. Insgesamt brachten die 160 Automobile von RM Auctions über 140 Millionen US-Dollar ein. Gooding & Company verkaufte Automobile für über 106 Millionen. Kaum etwas blieb stehen. Oft wurde das obere Ende der Taxen erreicht.

Doch was aus heutiger Sicht teuer ist, kann angesichts dieser Entwicklung in ein oder zwei Jahren schon als Schnäppchen gelten. "Weil echte Fahrzeugikonen alleine schon aufgrund ihrer Stückzahl limitiert sind, tun sich bei Autos der zweiten und dritten Reihe Chancen auf", meinen denn auch die Experten des internationalen Fahrzeugmagazins Classic Driver. Wer somit auf besondere Sportwagen großer Marken setzt und dabei auf Originalität und Historie achtet, dürfte somit auch zukünftig beim Klassikerkauf richtig liegen.