Ölkonzerne und der Wettbewerb:Relativ starker Wettbewerb

Der Ökonom Manuel Frondel geht schon länger dem Verdacht nach, dass die Entwicklungen am Ölmarkt nicht bei den Kunden an der Tankstelle ankommen. Die Hypothese, dass es doch so ist, konnte er allerdings noch nie zurückweisen. "Wie wir es auch betrachten, bislang finden wir nur Evidenz dafür, dass die Ölpreisentwicklung eins zu eins an die Kunden weitergegeben wird", sagt der Leiter des Fachbereichs Umwelt und Ressourcen beim Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsforschungsinstitut in Essen. Aus den Daten gehe hervor, dass es einen relativ starken Wettbewerb unter Tankstellenbetreibern gebe.

Verbraucherschützer sind skeptischer. Es könne nicht sein, dass die Unternehmen bei steigenden Rohstoffkosten ihre Preise erhöhten, im umgekehrten Fall aber die zusätzlichen Gewinne einstrichen, schimpft Klaus Müller, Vorstand des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, der sich auf eine eigene Studie beruft. Die zeige deutlich, dass nur ein Teil der Kostenersparnis beim Öl bei den Kunden ankommt.

Viele Autofahrer vergleichen die Preise

Beim Bundeskartellamt sieht man keinen Zusammenhang zwischen der Einführung der Transparenzstelle und der Entwicklung der Benzinpreise. "Die Konzerne wussten schon vor Einführung der Markttransparenzstelle stets genauestens über sämtliche Preise und Preisänderungen der Konkurrenz Bescheid", sagt dessen Chef Andreas Mundt. Der große Vorteil sei, dass jetzt auch die Verbraucher ein Instrument hätten, um die Preise zu vergleichen.

Gut 50 Dienstleister bieten inzwischen Preisvergleiche für Autofahrer an, über Internetprogramme, Apps oder Navigationssysteme. Allein die App des ADAC wurde nach Angaben des Verbands weit mehr als zwei Millionen Mal abgerufen. Der im Vergleich zum Öl hohe Benzinpreis könne auch andere Gründe haben, sagt Mundt. "Wir wissen, dass der Benzinpreis von vielen Faktoren beeinflusst wird, die man nicht ausblenden kann. Die Markttransparenzstelle ist ja letztlich nur ein Baustein."

Hoher Steueranteil, große Nachfrage

Tatsächlich hängt der Benzinpreis von verschiedenen Faktoren ab. Christian Küchen vom Mineralölwirtschaftsverband (MWV) weist darauf hin, dass beim Benzin etwa zwei Drittel des Preises durch Energie- und Mehrwertsteuer bedingt seien. "Insofern kann auch schon aus diesem Grund eine Rohölpreissenkung nicht in gleichem Umfang bei den Tankstellenpreisen niederschlagen." Wichtig für den Benzinpreis seien zudem die Raffineriepreise und die Nachfrage. Vor allem aus den USA sei die Nachfrage in den vergangenen Monaten gestiegen. "Das hat dazu geführt, dass erstmals seit vielen Jahren wieder erhebliche Mengen Benzin aus Westeuropa nach Nordamerika exportiert wurden", so Küchen.

Diese Begründung stellt den ADAC-Experten Albrecht nicht zufrieden. "Der Wettbewerb funktioniert insgesamt nach wie vor nicht wie gewünscht, die Musik spielt nicht allein an der Tankstelle, eine wichtige Rolle spielen auch die Raffinerien", argumentiert er. Das Problem sei, dass die oft mehrere Konzerne zusammen betreiben. "Da muss von Seiten des Kartellamtes noch mehr geschehen." Dort ist bereits eine Sektoruntersuchung in Arbeit, sie soll den Wettbewerb unter den Raffinerien überprüfen. Auf einen Veröffentlichungstermin will sich Kartellamtschef Mundt nicht festlegen: "Ich kann derzeit leider noch nicht sagen, wann wir hier erste Ergebnisse vorlegen können."

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