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Notrufsystem eCall:Die EU fährt mit

Arzt Thomas Neumann im Einsatz

2500 Leben sollen durch eCall pro Jahr in der EU gerettet werden.

(Foto: Robert Haas)

Das EU-Parlament stimmte jetzt mit großer Mehrheit für das Auto-Notrufsystem eCall. Dieses soll bei einem Unfall automatisch einen Notruf aussenden. Allerdings auch jederzeit den Standpunkt des Fahrzeugs übermitteln. Für Datenschützer ein Horror.

Eigentlich sollte eCall bereits 2009 auf freiwilliger Basis eingeführt wurden. Darauf hatten sich die EU-Kommission und Industrievertreter 2005 verständigt. Doch die Sache kam nicht voran. Das EU-Parlament forderte daraufhin im Sommer 2012 einen Gesetzesvorschlag für die verpflichtende Einführung von eCall. Diesen legte die Brüsseler Behörde ein Jahr später vor.

Jetzt ist es soweit: Das EU-Parlament stimmte am Mittwoch in Straßburg mit großer Mehrheit für das Sicherheitssystem, das ab 2015 verpflichtend zur Serienausstattung von Neuwagen gehören soll. Doch gerade die Pflicht zum Einbau bzw. zum Betrieb stößt auf Widerstand. Datenschützer sehen die Gefahr, dass Routen und Positionen von Autofahrern jederzeit geortet werden können und es so zu Missbrauch kommen könne.

eCall soll Jährlich 2500 Leben retten

Eigentlich liegt eCall ein hehrer Gedanke zu Grunde: Das System soll die Reaktionszeit der Helfer im Falle eines Unfalls verkürzen. Einer Studie der EU-Kommission zufolge könnten so jährlich 2500 Leben in der Europäischen Union gerettet werden. Das Warn- ist mit anderen Notsystemen des Autos gekoppelt, wie etwa Airbags und Gurtstraffern. Schlagen sie Alarm, sendet eCall Unfallzeitpunkt, Standort, Fahrtrichtung und Fahrzeugtyp an eine Zentrale, die den Rettungsdienst informiert. Das soll helfen, wenn die Insassen des Fahrzeugs bewusstlos sind. Gleichzeitig wählt das System die Notfallnummer 112 für eine Sprachverbindung.

Um das zu ermöglichen, muss jedes Fahrzeug mit einem GPS-Empfänger ausgestattet werden. Das sammelt wie eine Blackbox Informationen über Positionen, Routen, Geschwindigkeit und Fahrweise. Und genau da sehen Datenschützer das Problem. Zwar erklärte SPD-Abgeordnete Evelyne Gebhardt, "dass übermittelte Daten nur zur Rettung verwendet werden", doch denkbar ist viel mehr.

Überwachung durch ein Sicherheitssystem?

eCall sei "die technische Grundlage für eine flächendeckende Überwachungsstruktur", erklärte beispielweise der Automobilclub von Deutschland (AvD). Versicherungen könnten kontrollieren, wie viele Kilometer ein Fahrzeughalter wirklich zurücklegt sowie Bewegungsprofile erstellt oder sogar personalisierte Werbung eingespeist ("Billige Winterreifen gibt es in 200 Metern bei XY") werden. "Das sind hochwertvolle Informationen", gab Klaus-Jürgen Heitmann, Vorstand des größten Autoversicherers HUK-Coburg, erst kürzlich im Gespräch mit Autobild an.

Aus diesem Grund fordert der Datenschutzbeauftragte von Schleswig-Holstein Thilo Weichert etwa, dass das System abstellbar sein müsse, um den Autofahrern die Möglichkeit zu geben, selbst zu bestimmen, ob und wann sie eCall nutzen. Die Liberalen hatten genau das im EU-Parlament gefordert, doch der Vorschlag wurde abgelehnt.

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