Neuvorstellung Volvo XC90:Groß´ Ding will Weile haben

Volvo hat sich 13 Jahre Zeit genommen, um einen Nachfolger für den XC90 vorzustellen. Nun ist er da, eine gar mächtige Erscheinung und laut Hersteller eines der sichersten Autos der Welt.

Von Thomas Harloff

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Der neue Volvo XC90

Quelle: dpa-tmn

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Es wirkt, als wolle er alle anderen einschüchtern. Selten blickte ein Auto, das nicht dem Sportwagen-Segment angehört, so grimmig drein wie der neue Volvo XC90. An Thors Hammer, das Werkzeug des nordischen Donnergotts, sollen die Tagfahrleuchten erinnern, sagt Thomas Ingenlath, Volvos Designchef. Wir werden uns an diesen Anblick gewöhnen müssen, denn das SUV ist der erste Volvo, der das neue Familiengesicht des Autokonzerns präsentiert - einige weitere werden folgen.

Dank seiner Ausmaße lässt das schwedische Fahrzeug alles um sich herum winzig wirken - sogar seinen gewiss nicht grazilen Vorgänger. Mit einer Länge von 4,95 Meter toppt er diesen um gleich 15 Zentimeter, auch in Breite und Höhe legt er deutlich zu. Es scheint, als wolle er keinen Zweifel daran lassen, dass er in die SUV-Oberliga gehört. Der in Sachen Platzangebot, Geländetauglichkeit und Fahrkomfort limitierte Vorgänger konnte das nicht von sich behaupten.

Der neue Volvo XC90

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Aus anderer Perspektive stellt sich das Design eher nüchtern dar. Geradezu schwedisch unterkühlt, wenn auch die Chromleiste um die Fensterflächen Ausdruck der neuen Hochwertigkeit sein soll. Ein typisches Volvo-Designmerkmal sind die bis unter das Dach gezogenen Rückleuchten mit einem Knick auf Höhe der Schulterlinie, die man vom Vorgänger, dem kleineren XC60 und diversen Kombis kennt. Wie groß der neue XC90 ist, zeigen auch die 21-Zoll-Felgen - üppig dimensionierte Räder, die aber keineswegs zu groß wirken.

Der Innenraum des neuen Volvo XC90.

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Für Volvo ist die schiere Größe Mittel zum Zweck. Mit dem neuen XC90 haben die Schweden einen echten Siebensitzer erschaffen. In der dritten Sitzreihe finden Passagiere bis 1,70 Meter Körpergröße ausreichend Platz, was sonst nur in amerikanischen XXL-SUVs oder ausgewachsenen Vans der Fall ist. Sind die beiden hinteren Sitzreihen eingeklappt, ergibt sich ein 1868 Liter großer Kofferraum. Auf das Wesentliche reduziertes nordisches Design sorgt zusammen mit Leder und Holz sowie Bedienelementen aus Glas und Diamantschnitt für Behaglichkeit.

Der Touchscreen des neuen Volvo XC90

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Von einem Extrem ins andere geht Volvo beim Bedienkonzept. Wo der Fahrer im Vorgänger die Funktionen seines Autos mithilfe unzähliger Tasten steuerte, dient nun ein in zentral angeordneter 9,2-Zoll-Touchscreen als Kommandozentrale. Der ist ähnlich groß und lässt sich genauso bedienen wie ein Tablet, fasst den Großteil aller Funktionen zusammen und sorgt dafür, dass kaum noch Knöpfe auf der Mittelkonsole vorhanden sind.

Zudem hat Volvo erstmals in eines seiner Fahrzeuge die Betriebssysteme Apple Carplay und Android Auto integriert. Damit kann das Auto mit den Smartphones oder Tablets der Insassen vernetzt werden. So lassen sich deren Funktionen über den Touchscreen, die Lenkradtasten oder die Sprachsteuerung bedienen. Darüber hinaus erhalten die Passagiere Zugang zu allen möglichen Google-Angeboten oder diversen Apps, zum Beispiel Musik-Streamingdiensten.

Der D5-Dieselmotor des neuen Volvo XC90 leistet 225 PS.

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Die Motoren scheinen oberflächlich betrachtet nicht zu einem so großen Auto wie dem XC90 zu passen, handelt es sich dabei doch ausschließlich um aufgeladene Vierzylindermotoren mit zwei Litern Hubraum. Spannend wird sein, wie die hubraumverwöhnte Kundschaft in den Hauptmärkten USA und China darauf reagieren wird. Erstaunlich ist, welche Leistungswerte Volvo aus den vergleichsweise kleinen Triebwerken herausholt. Die beiden Turbodiesel leisten 190 PS beziehungsweise 225 PS. Noch stärker sind die 245 PS und 320 PS starken Benziner, die jeweils per Turbolader und Kompressor aufgeladen werden. Ihre Kraft geben die Motoren wahlweise an die Vorderachse (schwächerer Diesel) oder an alle vier Räder ab.

Der neue Volvo XC90 T8 Twin Engine

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Das Topmodell vertraut nicht nur auf eine doppelte Aufladung, sondern auf die Kraft der zwei Herzen. In der stärksten Variante XC90 T8 kommt neben dem auf die Vorderachse wirkenden Benzin-Triebwerk ein 60 kW (82 PS) starker Elektromotor zum Einsatz, der seine Kraft an die Hinterräder abgibt. Die Systemleistung des Antriebs beträgt 294 kW (400 PS), das maximale Drehmoment liegt bei 640 Newtonmetern. Die an Steckdose oder Ladesäule aufladbare Batterie liefert laut Volvo genug Energie, um im entsprechenden Fahrmodus bis zu 43 Kilometer rein elektrisch zurücklegen zu können. Per Knopfdruck kann jederzeit wieder in den Hybrid-Modus geschalten werden. Und ist die Batterie einmal leer, schaltet sich der Verbrennungsmotor eigenständig dazu. Auf dem Papier eine saubere Sache, denn laut Volvo liegt der CO2-Ausstoß dieses Modells bei nur gut 60 g/km, was einem Durchschnittsverbrauch von etwa 2,7 Litern entspricht. Es ist allerdings kaum denkbar, dass das mehr als zwei Tonnen schwere SUV diesen Wert in der Realität bestätigen kann.

Der Kreuzungsassistent des Volvo XC90.

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Beim Thema Sicherheit, seit Jahrzehnten eine Volvo-Domäne, soll das SUV Standards setzen. Deshalb strotzt es nur so vor elektronischen Assistenten, die Auto und Passagiere vor schweren Unfällen und deren Folgen schützen sollen. Besonders stolz sind die Schweden auf den Kreuzungsassistenten, der das Auto eigenständig abbremst, falls es droht, beim Linksabbiegen in den Gegenverkehr zu steuern. Ein anderes System erkennt, wenn das SUV unfreiwillig von der Straße abkommt. Während des Unfalls strafft es so lange die Sicherheitsgurte, bis sich das Auto nicht mehr bewegt, um die Verletzungsgefahr für die Passagiere zu minimieren. Droht eine Kollision mit Fußgängern, Radfahrern oder anderen Autos, leitet die "City-Safety"-Funktion automatisch eine Notbremsung ein.

Eine Einparkautomatik lenkt den großen Schweden eigenständig in jede Art von Parklücke, während der Fahrer nur noch Gas geben und bremsen muss. Ein weiterer Assistent lässt den XC90 im Stop-and-Go-Verkehr dem Vordermann folgen, der Fahrer muss weder lenken noch bremsen oder beschleunigen - der nächste Schritt hin zum autonomen Fahren. Ob der große Volvo tatsächlich eines der sichersten Autos ist, das je gebaut wurde, wie der Hersteller behauptet, sei dahingestellt. Aber die Bemühungen, die großen Worte mit Inhalt zu füllen, sind anerkennenswert groß.

Die SPA-Plattform des neuen Volvo XC90.

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Der neue XC90 ist der erste Volvo, der komplett unter dem Regiment des chinesischen Eigners Geely entwickelt wurde und der auf der neuen skalierbaren Produkt-Architektur (SPA) basiert. Ähnlich wie Volkswagens Modularer Querbaukasten MQB wird er künftig die technische Basis für zahlreiche verschiedene Modelle sein - egal ob SUV, Limousine oder Coupé. Die Plattform erlaubt zudem, die Batterien und Elektromotoren eines Hybrid- oder reinen Stromantriebs besonders tief im Chassis anzuordnen, sodass die Platzverhältnisse nicht beeinträchtigt werden.

Volvo XC90 First Edition

Quelle: Volvo

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Der neue XC90 kommt am 13. Juni auf den Markt. Der Basispreis für den 190 PS starken Diesel mit Frontantrieb liegt bei 49 400 Euro. Bereits seit 3. September 2014 können sich Kunden ein Exemplar der "First Edition" sichern. Die Autos dieser Einführungs-Serie sind mit 225 PS starkem Dieselmotor, einem Achtgang-Automatikgetriebe und Allradantrieb ausgerüstet. Trotz Limitierung auf 1927 Exemplare - eine Anspielung auf Volvos Gründungsjahr -, umfangreicher Serienausstattung und automatischer Spende von 2500 Euro pro Auto an "Ein Herz für Kinder" erscheint der Preis von 90 200 Euro sehr hoch gegriffen.

Wer seinen XC90 nach eigenen Wünschen konfiguriert, kann seinem Auto je nach Styling-Kit einen eher eleganten oder robusten Charakter verpassen. Ein Sonderangebot ist der Schwede aber grundsätzlich nicht. Aber Selbstbewusstsein drückt sich nicht nur durch das Design, sondern auch durch die Preisgestaltung aus.

© SZ.de/harl/reek/leja
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