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Neues Crafter-Modell:VW hat große Ziele mit kleinen Lastern

Volkswagen AG - Werkseröffnung Crafter-Fabrik in Wrzesnia

Ein neuer Crafter steht im sogenannten Lichttunnel des Volkswagen-Nutzfahrzeugwerks im polnischen Września.

(Foto: Rainer Jensen/dpa)

Mit dem technisch aufgemotzten neuen Crafter greift VW die Konkurrenten im Markt der leichten Nutzfahrzeuge an. Wie die darauf reagieren werden, ist derzeit noch völlig offen.

Wenn an diesem Samstag die Campingmesse CMT in Stuttgart die Türen öffnet, werden viele Besucher beim Stand von Bimobil vorbeischauen und die geländegängige Reisemobil-Neuheit EX 435 auf Unimog-Fahrgestell bestaunen. Oder beim Ausbauer Vantourer den nur 5,40 Meter kurzen Kastenwagen auf Peugeot Boxer inspizieren. Besonders viel los sein dürfte aber an den Ständen von Knaus-Tabbert und Schwabenmobil. Die beiden Firmen präsentieren erstmals zwei Wohnmobile auf Basis des neuen VW Crafter.

Und das, obwohl die Nutzfahrzeugtochter des Konzerns mit der Auslieferung ihres neuen Vorzeigelastesels noch gar nicht richtig begonnen hat. Vorgestellt bei der Nutzfahrzeug-IAA in Hannover im September, können die Kunden den Transporter erst seit Anfang November ordern. Bei den Händlern wird der neue Crafter von März an stehen.

Fachmagazine loben den Transporter dennoch schon kräftig. Drei verschiedene Fahrzeuglängen bietet VW, drei Dachhöhen, mehrere Motor-, Antriebs- und Aufbauvarianten. Zu den drei Dieselmotoren mit Euro-6-Norm zum Marktstart soll im Laufe des Jahres eine Version mit Elektromotor für innerstädtische Lieferverkehre kommen. Zudem verspricht der Konzern mit 28 300 Euro einen um 2400 Euro günstigeren Einstiegspreis zum vergleichbaren Vorgängermodell.

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Vor allem aber erlaubt es die laut VW erstmals in der Klasse eingesetzte elektromechanische Lenkung, zahlreiche Sicherheitsfeatures anzubieten, die es bei der Konkurrenz bislang kaum gibt. Dazu zählen beispielsweise der mitlenkende Spurhalteassistent "Lane Assist", eine automatische Distanzregelung, ein Notbremssystem sowie Ein- und Ausparkassistenten, die etwa beim Rückwärtsfahren querenden Verkehr erkennen und notfalls bremsen. Selbst Konkurrenten räumen ein, dass der Crafter damit im Transportersegment neue Technikmaßstäbe setze.

Hatte VW den Vorgänger noch zusammen mit Mercedes entwickelt und in den Sprinter-Werken in Ludwigsfelde und Düsseldorf bauen lassen, läuft die neue Crafter-Generation nun im neu errichteten Werk in Września (Polen) mit einer Jahreskapazität von 100 000 Autos vom Band. Zudem steigt die Konzernschwester MAN mit dem weitgehend baugleichen TGE erstmals in den Markt der Lieferwagen ab drei Tonnen Gesamtgewicht ein. So will der Konzern "dem Transporter ganz neue Kundengruppen erschließen", wie MAN-Chef Joachim Drees sagt. Die Wolfsburger haben also Großes vor mit dem kleinen Laster.

Und das nicht zuletzt, weil der Markt für leichte Nutzfahrzeuge seit Jahren boomt. Nach Angaben des Automobilherstellerverbands VDA wurden 2016 bundesweit 264 000 Nutzfahrzeuge in der Klasse bis sechs Tonnen zugelassen. Das war gegenüber dem Vorjahr ein Zuwachs um acht Prozent. 2015 hatte das Plus vier Prozent betragen. Dass Fahrzeuge wie Mercedes Sprinter, Ford Transit oder Fiat Ducato sowie dessen weitgehend identische Zwillingsbrüder Peugeot Boxer und Citroën Jumper so gefragt sind, führt der VDA unter anderem auf die vielen Zustell- und Paketdienste zurück. Diese profitieren vom ebenfalls stark wachsenden Internethandel und lassen immer mehr Lieferwagen ausschwärmen. Auch viele Handwerksbetriebe nutzten die aktuell gut laufende Konjunktur, um ihren Fuhrpark aufzufrischen, ergänzt ein Fiat-Sprecher. Aber auch die Reisemobilbranche trägt zu dem Wachstum bei: 2016 hatte sie nach einer Schätzung ihres Verbands CIVD mit 35 000 verkauften Wohnmobilen schon wieder einen Rekord erzielt.

Bleibt die Frage, wie die Konkurrenz auf den Angriff aus Wolfsburg reagiert. Noch ist Fiat mit dem preisgünstigen Ducato Marktführer unter den Reisemobilen. Auch Mercedes mischt mit dem Sprinter bei Wohnmobilen mit, der Crafter spielt eine eher untergeordnete Rolle. Das soll sich ändern, hoffen die VW-Strategen. So hat Ausbauer Knaus weitere Mobile auf Crafter-Basis angekündigt; denkbar ist, dass auch VW selbst ein Reisemobil auf Crafter bringt. Nachfolger für Sprinter oder Ducato sind indes (noch) nicht in Sicht. "Über den nächsten Sprinter reden wir derzeit nicht", heißt es bei Mercedes. Und wann kommt der nächste Ducato? Der Fiat-Sprecher sagt nur: "2017 sicher nicht."

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