Neuer 1.5 TSI-Vierzylinder-Turbo:Besserer Wirkungsgrad als andere Benziner

Stattdessen setzt der neue VW 1,5 TSI (wie der neue Audi 2.0 TFSI) auf Entspannung mit mehr Hubraum: Der Benziner kann relativ frei atmen, weil die Einlassventile die Luftmenge steuern. Das frühe Einlassschließen beim Miller-Brennverfahren hat eine Reihe von Vorteilen. Durch die Abwärtsbewegung des Kolbens dehnt sich das Gemisch aus und kühlt den Brennraum. Da die Temperaturen im normalen Fahrbetrieb auf Diesel-Niveau (unter 900 Grad Celsius) bleiben, können die Entwickler das Verdichtungsverhältnis erhöhen. Lag es bei Turbo-Benzinern früher unter 10 : 1, nähert es sich nun dem Diesel an, ohne gefährliches Klopfen (die Selbstzündung des Benzins) zu riskieren.

Zum besseren Wirkungsgrad kommt der Fahrspaß durch einen Turbolader mit verstellbaren Schaufeln. Diese Porsche-Spezialität setzt teure Materialien voraus, die bei Volllast einem Gluthauch von über 1000 Grad Celsius standhalten.

Benziner müssen die Dieselverluste ausgleichen

Dass solche Technik-Schmankerl plötzlich konzernweit eingesetzt werden, zeigt die Not der Volumenmarken beim CO₂-Sparen: Selbst die aufwendigste konventionelle Technik scheint noch günstiger zu sein als eine Mikro-Hybridisierung mit 48-Volt. Trotzdem rückt der Universal-Benziner auch mit dem beinahe doppelt so hohen Einspritzdruck von 350 bar (bisher 200 bar) kostenseitig an den Diesel heran.

Da die Selbstzünder durch den Abgas-Skandal weltweit in der Kritik stehen, wird sich ihr Verkauf eher rückläufig entwickeln. Um die europäischen CO₂-Ziele von 95 Gramm pro Kilometer bis 2021 trotzdem zu erreichen, müssen VW, Škoda und Seat auf die Errungenschaften der Premiummarken zurückgreifen.

Die CO₂-Zielmarke ist nur durch Hybridisierung zu erreichen

Eine Verbrauchssenkung um zehn Prozent reicht nach der eingangs genannten Rechnung von Friedrich Eichler aber nur für die nächsten beiden Jahre. Dann dürfte auch in Volumenmodellen die Grenze bei den konventionellen Antrieben erreicht sein. Ohne 48-Volt-Hybridisierung wird es kaum möglich sein, mit Ottomotoren im VW Passat oder Tiguan die europäische CO₂-Zielmarke zu erreichen.

Der neue 1,5-Liter-Benziner bringt alles Nötige für eine kommende Elektrifizierung mit. Bis zum Jahr 2020 ist die Produktion des Motors an insgesamt elf Werksstandorten auf allen Kontinenten geplant. Schon der bisherige 1,4 TSI wurde mit einer Auflage von 8,7 Millionen Einheiten seit 2005 zum Bestseller. Nach dem Dieselskandal ist der Nachfolger erst recht zum Erfolg verdammt.

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