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Neue Kompaktmodelle:Besser als der Klassenprimus

Mazda 3 und Kia Ceed sind attraktive Alternativen zum Marktführer VW Golf. Im Vergleich schneidet einer besonders gut ab.

In der Kompaktklasse gibt es nur ein Auto, an dem sich alle anderen messen müssen: der VW Golf. 1974 begründete er dieses Segment, seit Jahren ist er mit weitem Abstand das meistverkaufte Auto Deutschlands. 212 000 waren es allein im letzten Jahr. Es scheint fast, als wäre der VW Golf konkurrenzlos. Doch das ist ein Irrglaube. Gerade aus Asien kommen seit Jahren Kompaktwagen, die es mit dem deutschen Klassiker aufnehmen können. Und weniger kosten.

Doch wie besteht man gegen den scheinbar allmächtigen VW Golf? Der Kia Ceed und der Mazda 3 haben sich für zwei unterschiedliche Wege entschieden: Der Koreaner kopiert das Erfolgsmodell, der Japaner will möglichst viel anders machen. Die Unterschiede beim Mazda 3 beginnen mit dem Design. Die Silhouette des aktuellen Modells ist deutlich schärfer gezeichnet als beim Vorgänger. Generell wirkt das kompakte Automobil mehr wie ein Coupé oder ein Sportwagen.

Die Nachteile dieser Konstruktion werden beim Ausparken überdeutlich. Die Sicht nach hinten ist im Mazda 3 sensationell schlecht. Die Seitenfenster und das Heckfenster sind zu klein geraten, die C-Säulen dafür umso breiter. Rückwärts fahren gleicht einem Blindflug. Mazda löst dieses Problem mit einer 360-Grad-Kamera, die per Sensoren das Auto rundum permanent überwacht. Wer rückwärts fährt, sieht den kompakten 3er in einer Aufsicht, so dass der Fahrer zentimetergenau jedes Hindernis umschiffen kann. Das ist insofern herausragend, als dass diese Technik aus Kostengründen bisher kaum in der Kompaktklasse eingesetzt wird.

Generell ist auffällig, wie viel neue Technologien Mazda bereits in seinem Kompakten untergebracht hat. Eine Infrarotkamera beobachtet beispielsweise den Fahrer und misst, wie weit die Augenlider geschlossen sind oder wie oft er blinzelt. Zeitgleich analysiert das System die Blickrichtung und Augenbewegung. Daraus kann die Software schließen, ob der Fahrer müde ist. Droht er am Steuer einzuschlafen, warnt der Mazda 3 erst akustisch und bremst im nächsten Schritt das Auto ab. Weitere Optionen sind ein Querverkehrs-Assistent und ein Staupilot, der im Autobahnverkehr selbständig beschleunigt, bremst und lenkt. Wirklich autonom fährt der Mazda natürlich nicht - der Fahrer muss immer die Hände am Lenkrad lassen. Das gepaart mit dem sportlichen Fahrwerk, der straßennahen Sitzposition und einem ganz auf den Fahrer zugeschnittenen Cockpit, sorgt für ein Gleiten über die Straßen, wie man es so eigentlich nur von BMW, Audi und Mercedes kennt. Kostenpunkt: 23 290 Euro. Das ist knapp unter Golf-Niveau.

Der Kia Ceed geht es da pragmatischer an. Er sieht nüchterner aus als der Mazda 3, dafür lässt er sich ohne Kamera einparken. Zweiter Pluspunkt: Im Ceed können auf der Rückbank auch große Menschen halbwegs bequem sitzen. Zum Vergleich: Das Heck des Mazda 3 fühlt sich wie der Abstieg in eine dunkle Höhle an. Wer über 1,80 Meter groß ist, hält es hier nicht lange aus, ohne einen Termin beim Chiropraktiker zu vereinbaren.

Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Absatz des Ceed im ersten Halbjahr fast verdoppelt

Der Ceed, der mittlerweile seinen Apostroph im Namen verloren hat, leistet sich keine Schwächen. Das Cockpit ist übersichtlich und gut verarbeitet, es gibt Leder, ein wenig Chrom, Klavierlack. Die Sitze bieten guten Halt, das Fahrwerk ist straff, aber nicht zu hart. Die Lenkung reagiert direkt, verleiht dem Ceed fast schon einen Gokart-Charakter. Der Kia ist mit seinen 1,4-Liter-Vierzylinder und 140 PS mehr als ausreichend motorisiert. Preislich ist er mit 22 090 Euro sowohl günstiger als der Mazda 3, als auch ein vergleichbares Modell des VW Golf (1.5 TSI ACT OPF BlueMotion, 25 260 Euro). Hinzu kommen eine Ausstattung, die bereits in der Basisvariante (ab 15 990 Euro) konkurrenzlos ist: Spurhalteassistent, Berganfahrhilfe, Bremsassistent, Frontkollisionswarner und Müdigkeitserkennung sind serienmäßig enthalten, zusätzlich gewährt Kia eine Garantie von sieben Jahren oder 150 000 Kilometern.

Der Mazda 3 kann da nicht mithalten. Er mag schicker aussehen und sich ein wenig eleganter fahren, mehr fürs Geld bekommt der Käufer bei Kia. Selbst der Klassenprimus VW Golf muss um seine Vormachtstellung bangen. Der Ceed kann eigentlich alles, was der deutsche Konkurrent kann, vieles sogar besser. Das merken mittlerweile offensichtlich auch die Käufer. Im Vergleich zum Vorjahr hat zwischen Januar und Mai der Absatz des Ceed um 97 Prozent zugelegt. Wenn man die aktuelle Generation des Ceed betrachtet, vollkommen zurecht.