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Neue Flugzeugsitze:Drinnen sitzen stehend Leute

Wie viele Menschen passen in einen Flieger? Ein italienischer Hersteller präsentierte jetzt einen aufsehenerregenden Sitzentwurf für die Jets von morgen.

Eigentlich liebt Gaetano Perugini das Üppige. Im Mai präsentierte der Ingenieur auf der weltgrößten Messe für Flugzeug-Kabineneinrichtungen in Hamburg ausladende Business-Class-Sitze, deren knallrotes Kunststoff-Chassis nicht zufällig an Ferrari erinnerte.

'Stehplätze' fürs Flugzeug entwickelt

Halb sitzen, halb stehen: So sehen die Entwürfe für den Flugzeugsitz aus.

(Foto: picture alliance / dpa)

Jetzt sorgte der technische Direktor des italienischen Sitzherstellers Aviointeriors auf dem Herbstableger der Messe im kalifornischen Long Beach mit Minimalismus für deutlich mehr Aufsehen: Sechs schmale Sitze, auf eine Holzplatte montiert, lösten in Messehallen und Medien tagelange Diskussionen aus.

Dies also sollte der sagenumwobene Stehsitz sein, den Ryanair-Chef Michael O'Leary immer wieder gern ins Gespräch bringt, wenn es um Kostensenkungen bei dem irischen Billigflieger geht?

Bisher gab es allenfalls Zeichnungen und vage Projektstudien, die abwechselnd der Bestuhlung im Kino mit Klappsitzen ähnelte oder einer Art Steh-Wartebank für Bushaltestellen. Kein Wunder, dass niemand O'Learys Vorschlag ernst nahm, zumal er sich regelmäßig mit absurden Ideen zu produzieren weiß.

Doch nun gingen mit Perugini und seinen Leuten erstmals renommierte Sitzdesigner und -hersteller ans Werk. "Auch wenn der Abstand zwischen den Sitzen extrem eng ist", wie Perugini betont, "wir reden hier von einem Sitz, nicht über Passagiere, die stehen müssen. Sie sitzen auf einem speziellen Sitz, aber es ist ein Sitz."

Offiziell heißt das Modell Skyrider, "aber man könnte ihn auch John-Wayne-Sitz nennen", fügt Dominique Menoud hinzu, Direktor von Aviointeriors. Denn die Sitzfläche ähnelt einem Sattel, der hier allerdings so schmal wie auf einem Fahrrad ausfällt. "Für Flüge von einer bis vielleicht drei Stunden wäre dies ein komfortabler Sitz", findet Menoud, "Cowboys reiten ja auch acht Stunden am Tag und fühlen sich immer noch wohl im Sattel", doziert der Italiener.

In Long Beach zwängten sich viele Besucher in das ungewöhnliche Arrangement. "Ich habe schon viele Pferde geritten, aber das Gefühl im Skyrider ist absolut nicht wie im Sattel, das war eher wie mit verspannten Beinen auf einem Trimmfahrrad eingezwängt zu werden", findet ein Reporter der New York Times.

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