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Neue Fahrdienste:Die App-Fahrt verzögert sich

Unsere Autorin war in Hamburg unterwegs und wollte einen der vielen neuen Fahrdienste nutzen. Die App aufs Handy zu laden ging zunächst ganz einfach - doch dann fingen die Probleme an.

Die Vision wird ja gerne beschworen: Wenn es erst mal bequeme, bezahlbare und zuverlässige Alternativen gibt, werden sich mehr und mehr Menschen vom eigenen Auto verabschieden. Schon jetzt kann man sein Smartphone vollpacken mit Apps, die smarte innerstädtische Mobilität versprechen. Doch was hilft es, wenn man sich nicht darauf verlassen kann?

Ein verregneter Nachmittag in Hamburg: An einer Ampel steht ein Kleinbus des VW-Fahrdienstes Moia. Das Sammeltaxi soll Menschen günstig und bequem durch die Stadt fahren. Klingt nach einer guten Idee, günstig zum Flughafen zu kommen. Die App ist schnell aufs Smartphone geladen, der Flughafen als Ziel eingegeben. Der Preis, den die App nennt, ist tatsächlich ein Superangebot: nur fünf Euro für die etwa halbstündige Fahrt. Klar, das bestätigt man gern sofort. Nur Moia bestätigt leider gar nichts. Kein Shuttle verfügbar, meldet die App. Mehrere Versuche, gleiches Ergebnis. Ob das die Folge des Gerichtsurteils ist, das Moia zuletzt dazu zwang, seine Flotte vorerst auf 200 Autos zu begrenzen?

Nächster Ridesharing-Dienstleister, nächste App: Die Deutsche-Bahn-Tochter Clevershuttle soll es richten. Wieder Daten eingeben, Ziel auswählen, hoffen. 10,81 Euro sind das Angebot - immer noch ein guter Preis. Aber wieder bestätigt Clevershuttle das Angebot nicht. Auch dort heißt es: leider kein Shuttle verfügbar. "Versuchen Sie es später noch einmal." Danke, nein.

Da es Uber in Hamburg nicht gibt, führt der nächste Versuch zu Mytaxi. Auch dort kann man sich Fahrten mit anderen Gästen teilen. Die App gibt nur einen Schätzpreis für die Strecke an: 20 bis 22 Euro. Tatsächlich findet sie eine Fahrt. Doch darauf müsste man 28 Minuten warten. Ein Blick auf die Uhr sagt: zu riskant. So ist es am Ende das gute alte Taxi, das nach der Bestellung per App innerhalb von zwei Minuten vor der Tür steht. Was es kostet, kann man vorher nur ungefähr schätzen. Am Ende sind es 35,70 Euro. Natürlich totaler Irrsinn im Vergleich zum öffentlichen Nahverkehr oder den Ridesharing-Diensten. Aber was nützen deren Offerten, wenn sie in der Praxis nicht funktionieren?

Als dann in München am Airport auch noch die S-Bahn streikt, ist kurz nach Mitternacht Uber die letzte Option, um nicht für ein Taxi mehr zu bezahlen, als die gesamte Reise von München nach Hamburg und zurück gekostet hat. Buchung und Fahrt klappen reibungslos und versöhnen etwas mit der smarten Mobilität der Zukunft. Über die Arbeitsbedingungen des Fahrers sollte man dabei aber besser nicht weiter nachdenken.