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Navigationssysteme:Stau-Warnung aus der Westentasche

Staumeldungen gelten bislang als notorisch unzuverlässig, dank neuer Methoden und Navgiationslösungen soll sich das nun ändern.

Das Experiment war simpel. Forscher der Universität von Nagoya, Japan, baten 20 Autofahrer, auf einem großen Parkplatz einen Rundkurs zu fahren, schön hintereinander und langsam. Das klappte anfangs gut. Dann aber richtete sich ein Testteilnehmer die Haare im Rückspiegel, ein anderer fummelte am Radio herum. Und da war er plötzlich: ein Stau, geboren aus dem Nichts, ausgelöst von kleinen Schwankungen der Geschwindigkeit.

Schneller zu erfahren, wenn nichts mehr geht - daran arbeiten die Hersteller von Navigationslösungen genauso wie der ADAC. Immer wichtiger werden dabei Live-Daten aus den Autos auf der Straße.

(Foto: Foto: oh)

Zwar werden auf den wichtigsten Verkehrswegen immer mehr Induktionszählschleifen eingebaut, überwachen Kameras den Verkehr und berichten Staumelder an ihre Zentralen. Bisher reicht dies in vielen Fällen aber nicht, den Verkehrsfluss so detailliert zu erfassen, dass sich daraus schnell und zuverlässig Informationen über Staus gewinnen ließen, die so spontan entstehen wie der im Versuch der japanischen Forscher. Doch das beginnt sich zu ändern.

Seit mehr als einem Jahr bereits nutzt beispielsweise der niederländische Navigationsanbieter TomTom Daten des Mobilfunkproviders Vodafone. Aus ihnen lässt sich errechnen, wann es Staus gibt und wann sie sich wieder auflösen.

Das funktioniert so: Wann immer ein Handy im Vodafone-Netz sendet oder empfängt, registrieren Vodafone-Rechner, wann ein Handy sich von einer Funkzelle in die nächste bewegt. Diese Daten werden anonymisiert und an TomTom weitergereicht. Dort wird mit einem Rechnerverbund versucht, den Einzeldaten einen Sinn zu geben, wie Frank Marks von TomTom berichtet: "Wenn auf einer Autobahn nur wenige Autos fahren, die aber recht langsam, kann das ein Hinweis auf glatte Straßen sein."

Die Techniker müssen aber auch das, was sie über Straßen wissen, in die Rechenregeln, sogenannte Algorithmen, einbauen. So verwirrte anfangs ein Streckenabschnitt in Amsterdam ständig die Computer, weil ein Stau sich in regelmäßigen Abständen aufzulösen schien, sich aber nach einer Minute wieder genauso präsentierte wie vorher. Des Rätsels Lösung: Auf dem Mittelstreifen befindet sich eine Zugstrecke. Immer wenn ein Zug fuhr, schien der Stau wie weggezaubert zu sein, weil die Handys im Zug sich mit hoher Geschwindigkeit bewegten - am Stau auf der Straße vorbei.

Im TomTom-Verkehrszentrum unweit des Amsterdamer Hauptbahnhofs laufen aber nicht bloß Handydaten ein. Dort werden auch die schon länger bekannten und benutzten Daten von Sensoren an Brücken und aus im Boden eingelassenen Induktionsschleifen empfangen und natürlich auch die Informationen, die in Deutschland von Radiosendern der ARD über den Traffic Message Channel (TMC) verschickt werden. Am interessantesten sind die Verkehrsinformationen, die Benutzer internetfähiger TomTom-Geräte liefern. Mit dem genauen Zeitstempel und den exakten geographischen Daten, die der Satellitendienst GPS mit sich bringt, sind sie sehr verlässlich.

Die Kosten eines Staus

13.850 Kilometer Blechlawine

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