Nahverkehr Zweites Leben auf fremdem Gleis

Immer mal wieder geben deutsche Verkehrsbetriebe ausrangierte Straßenbahnen an Städte im Ausland ab, vor allem in Osteuropa. Dort sind diese in der Regel noch viele Jahre im Einsatz - zur Freude der Trambahn-Fans.

Von Marco Völklein

Was sich so mancher Autofahrer überhaupt nicht vorstellen kann, ist für die Fans von Schienenfahrzeugen überhaupt keine Überraschung: Züge, Lokomotiven oder Straßenbahnen können mehrere Jahrzehnte alt werden - und das auch unter widrigsten Umständen, also im täglichen Fahrbetrieb. Schienenfahrzeuge halten - sofern sie entsprechend gepflegt und gewartet werden - in der Regel deutlich länger durch als so manches Automobil.

Schafften sich Nahverkehrsbetriebe in Deutschland in den vergangenen Jahren neue Fahrzeuge an, wurden die meisten davon nicht verschrottet, sondern gingen als Gebrauchtwagen meist nach Osteuropa. Vor allem Städte in Rumänien, Polen, Ungarn, in der Ukraine und in Russland zeigten großes Interesse an den hierzulande ausrangierten Zügen. Wer zum Beispiel mal nach Botoșani oder Craivoa in Rumänien reist, kann dort noch Straßenbahnen vom Typ Tatra T4D antreffen, die einstmals in Dresden im Einsatz waren. Bevor diese dort fahren konnten, mussten Techniker die Spurweite anpassen: In Dresden fuhren die Trambahnen auf Schienen mit 1450 Millimeter Spurweite, in den meisten Abnehmerstädten liegen Gleise mit Regelspur, also mit 1435 Millimeter Spurweite.

Gerade Liebhaber alter Hochflur-Straßenbahnen kommen fast schon ins Schwärmen, wenn sie davon berichten, wo sie überall auf solche Fahrzeuge treffen. Die Ulmer Verkehrsbetriebe zum Beispiel verschenkten im Jahr 2003 nach eigenen Angaben insgesamt 13 Gelenktriebwagen des Typs GT 4 an die Stadt Arad im westlichen Teil Rumäniens. Dabei hatten die Ulmer die Fahrzeuge selbst mal auf dem Gebrauchtmarkt angeschafft: Die in den Sechzigerjahren in Esslingen gebauten GT 4-Bahnen fuhren zunächst in Stuttgart im Linienbetrieb und gingen dann in den Achtzigerjahren nach Ulm. Aktuell verfrachtet die Nahverkehrsgesellschaft Bogestra mit Sitz in Bochum Trambahnen nach Łódź, 13 Fahrzeuge vom Typ NF6D wurden bereits geliefert. Insgesamt wollen die Polen 34 Straßenbahnen übernehmen.

Aber nicht nur Trambahnen wurden und werden abgegeben, auch U-Bahnen landen, wenn sie in Deutschland ausrangiert werden, nicht in der Schrottpresse. So fahren im Untergrund von Pjöngjang noch Doppeltriebwagen der Berliner BVG, die von den Nordkoreanern aufgehübscht wurden. An zahlreichen Details allerdings lässt sich noch immer die Berliner Abstammung erkennen.