Nachbau einer Flugzeug-Legende:Dornier "Wal" kehrt nach Friedrichshafen zurück

Rekordversuche, Schicksale und Legenden: Der "Wal" von Dornier ist das Flugboot, mit dem die Pioniere und Abenteurer im frühen 20. Jahrhundert die Ära der Transatlantikflüge einläuteten. Nun erhält das Dornier-Museum in Friedrichshafen einen Nachbau.

Klaus C. Koch

11 Bilder

Roald Amundsen, 1926

Quelle: SCHERL

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Rekordversuche, Schicksale und Legenden: Der "Wal" von Dornier ist das Flugboot, mit dem die Pioniere und Abenteurer im frühen 20. Jahrhundert die Ära der Transatlantikflüge einläuteten. Nun erhält das Dornier-Museum in Friedrichshafen einen Nachbau.

Roald Amundsen nahm das Flugzeug, mit dem er 1925 zum Nordpol wollte, gründlich unter die Lupe: Rumpf, Leitwerk, Tragflächen, Flossenstummel und Propeller zeugten von solider Handarbeit. Die Tragflächen mit ihrer Spannweite von gut 22 Metern mit 90 Quadratmetern Stoff bespannt, die Einzelteile des Flugkörpers sauber vernietet. In dem wasserfesten Hochdecker mit seinen in einer Tandemgondel oberhalb der Flügel angeordneten Motoren saßen die Piloten wie in einem Cabrio - abgeschirmt nur von zwei kleinen Windschutzscheiben. Und dann traf der Polarforscher seine Entscheidung: Ja, er würde mit dem von Claude Dornier entwickelten Flugboot, dem "Wal", ins Ungewisse starten. Jetzt steht ein Nachbau des legendären Fluggeräts im Dornier-Museum in Friedrichshafen.

Dornier Wal

Quelle: DORNIER MUSEUM FRIEDRICHSHAFEN

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Amundsen war nur einer von vielen, die damals mit dem "Wal" die Grenzen des technisch Machbaren ausloteten. Mit 3000 Litern Benzin, 140 Litern Öl und 350 Kilogramm an Zelten, Schlitten, Waffen und Lebensmitteln an Bord erreichte er nach einem neunstündigen Flug sein Ziel letztlich nicht, sondern nur 87 Grad und 43 Minuten nördlicher Breite.

Dornier Wal

Quelle: DORNIER MUSEUM FRIEDRICHSHAFEN

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Nach der Landung wurden die beiden Wasserflugzeuge von Eis eingeschlossen. Weil es ihre Flugboote zu zerquetschen drohte, arbeiteten die Besatzungen mit Skistöcken, Eisankern, Messern und Schaufeln 24 Tage lang wie die Verrückten daran, eine Strecke freizubekommen, die zum Abheben reichen würde. Eines der zwei Flugzeuge mussten sie zurücklassen. Aber immerhin: Amundsen und seine Expeditionsteilnehmer überlebten.

Maschine von Wolfgang von Gronau auf dem Bodensee, 1932

Quelle: SCHERL

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Um den "Wal" ranken sich noch Dutzende anderer Rekordversuche, Schicksale und Legenden. Auf dem Bild die Maschine von Wolfgang von Gronau auf dem Bodensee.1932 landete der deutsche Luftfahrtpionier und seine Mannschaft dort mit ihrem Dornier "Wal" nach einem Flug um die Welt.

Flugboot von Wolfgang von Gronau kurz vor der Landung, 1931

Quelle: SCHERL

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Bereits 1926 überquerte Ramón mit einer Langstrecken-Version, die den Typenzusatz "Plus Ultra" bekam, den Südatlantik. Die Pioniertat, die als bedeutendste in der Geschichte der Fliegerei in Spanien gilt, hält das Interesse wach an der wechselhaften Geschichte des jüngeren, politisch ganz anders als der Caudillo verorteten Bruders. Ramón Franco war der Erste, der die Überquerung des Südatlantiks über eine Strecke von 10.270 Kilometern in West-Ost-Richtung schaffte. Am 26. Februar kam er nach 59 Stunden und 39 Minuten reiner Flugzeit in Buenos Aires an und überreichte den Wal als Geschenk des spanischen Königs an den argentinischen Präsidenten. Im Bild eine Aufnahme einer Wal aus dem Jahr 1931.

Ramon Franco mit seiner Ehefrau

Quelle: DORNIER MUSEUM FRIEDRICHSHAFEN

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Sein eigenes Schicksal verlief unstet. 1931 wurde er für die Katalanische Linke ins Parlament gewählt und unterstützte die Frente Popular, ein Bündnis aus Linken und Liberalen, das bis zum Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs 1936 regierte. Von vielen als Held verehrt, aber in den Wirren des Spanischen Bürgerkrieges auch vielen im Wege, kam Ramón Franco 1938 beim Absturz eines dreimotorigen Wasserflugzeugs vom Typ CANT Z.506 Airone ums Leben. Nie konnte bewiesen werden, ob es sich um einen Sabotageakt handelte, der sowohl von republikanischer Seite, als auch von Franco-freundlichen Putschisten ausgeführt worden sein könnte. Die familiären Bande des wiederholt rehabilitierten Linken waren reaktionären Kräften, aber auch Volksfront-Anhängern, die Verrat witterten, stets ein Dorn im Auge. Im Bild ist Ramon Franco mit seiner Ehefrau zu sehen.

Dornier Wal

Quelle: DORNIER MUSEUM FRIEDRICHSHAFEN

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Francos "Wal" (im Bild) ist heute das einzige noch existierende Original-Flugboot der ursprünglichen Baureihe, als eines der besten Stücke im Transportmuseum von Lujàn in Argentinien jedoch unabkömmlich. Schließlich leiteten die Flugboote die Ära der Transatlantikflüge ein.

Eine Dornier Do J-Wal 31 "Taifun" der Lufthansa bei einem Katapultstart, 1937

Quelle: KNORR + HIRTH

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Katapultschiffe wurden auf dem offenen Meer als Zwischenstopps zum Auftanken genutzt. Im Bild startet eine Dornier "Wal Taifun" der Lufthansa von einem Katapult des Schiffes "Friesenland" im Nordatlantik.

Originalgetreuer Nachbau des Flugbootes 'Dornier-Wal'

Quelle: dapd

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Der "Wal", der nun in Friedrichshafen ausgestellt wird, ist kein Original. In einem kleinen Dorf namens Hereg westlich von Budapest arbeiteten seit Juli 2010 Restaurator Karl Birczak und ein Team der International Aviation Museum Foundation, die auch eine bereits in Friedrichshafen ausgestellte Dornier Merkur schufen, am originalgetreuen Nachbau des Rekordfliegers.

Originalgetreuer Nachbau des Flugbootes 'Dornier-Wal'

Quelle: dapd

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Birczak schwärmt von der robusten Bauweise des "Wals" mit der Kennung N 25, der Amundsen bei seiner Expedition begleitete. Der Nachbau sollte nicht einfach nur eine Attrappe sein, sagt Birczak, sondern - bis auf die je 690 PS starken BMW-VI-Motoren, die tatsächlich nur Attrappe sind - eine komplette Rekonstruktion. In Kisten verpackt ging es dieser Tage schließlich per Tieflader nach Friedrichshafen, um als Teil der Pionierleistungen des genialen Konstrukteurs Dornier Platz im gleichnamigen Museum zu finden.

Orginalgetreuer Nachbau des Flugbootes 'Dornier-Wal'

Quelle: dapd

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Um Raum für den Wal zu schaffen, musste dort die berühmte Do 31 erneut einen Umzug - wenn auch nur ins Freigelände - überstehen. Lange Zeit war der Senkrechtstarter Do 31 als besonderes Schmuckstück im Deutschen Museum in München und Oberschleißheim zu sehen, bevor er kürzlich an den Bodensee gebracht wurde. Jetzt steht der Vertikalstarter in Sichtweite einer anderen Legende aus Friedrichshafen, dem Zeppelin (mit neuer Technologie) und dessen Hangar auf der anderen Seite des Flughafenrollfelds gegenüber.

© SZ vom 23.07.2012/goro
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