Nachbau der Junkers F13:Das Cockpit ist spartanisch ausgestattet

Schon vor 97 Jahren leistete der Antrieb der F13 Beeindruckendes: Am 13. September 1919 erreichte der Tiefdecker den zur damaligen Zeit unglaublichen Höhenweltrekord von 6750 Metern, und das lediglich mit einem 185-PS-Motor und sogar acht Menschen an Bord.

Solche Extreme mutet die Test-Crew ihrem neu erbauten Veteranen noch nicht zu, auch weil sie sich erst an das sehr spartanisch ausgestattete Cockpit gewöhnen muss. "Da gibt es nur sehr wenige Instrumente, ich hätte gern noch einige mehr, um genauer und präziser fliegen zu können," sagt Oliver Bachmann. "Etwa ein Variometer, das mir die Steig- und Sinkrate anzeigt, oder ein GPS zur Positionsangabe, das fehlt alles, aber es passt eben nicht in ein so altes Flugzeug."

Die F13 muss man nach Gefühl fliegen

Immerhin gibt es zwei Dinge, die heute in der Luft gänzlich unverzichtbar sind: Ein Funkgerät und einen Transponder. Aber statt eine Fülle an Instrumenten abzulesen, verließen sich Piloten vor rund hundert Jahren eher auf ihre eigene Sinneswahrnehmung: "Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, man hört die Geschwindigkeit und man spürt sie in der F13. Das ist schon sehr ungewohnt, aber wir hatten bisher immer gutes Wetter, und daher war das kein schlechtes Gefühl. Ein bisschen wie beim Autofahren im Cabriolet", so der Testpilot. Das offene Cockpit war damals Teil der Philosophie - "vermutlich um eine größere Verbindung der Piloten mit der Natur herzustellen. Sie konnten den Wind spüren und wussten daher, wie schnell sie etwa waren, wegen der Geräuschkulisse. Dieses Flugzeug wurde viel mehr nach Gefühl geflogen als nach Instrumenten", weiß Oliver Bachmann.

Die Passagiere dagegen haben es sehr kommod, inklusive Schiebefenster nach vorn, durch das sie mit den Piloten kommunizieren können - wenn der Lärm es zulässt: "Hinten ist es ein wenig wie Reisen in der Kutsche - man sitzt drinnen mit großem Komfort, während die Piloten vorn draußen arbeiten. Die Kabine ist mit gepolsterten, cognacfarbenen Ledersitzen ausgestattet und sogar beheizbar - ein Luxus, den wir vorn im Cockpit nicht haben", sagt Testpilot Bachmann.

Die F13 ist ein Schönwetter-Flugzeug

Immerhin bis zu dreieinhalb Stunden kann ein Flug in der F13 dauern, während sie mit 170 km /h in niedriger Höhe dahinbrummt, bis zu 600 Kilometer weit am Stück. Bei Regen oder Schnee geht nichts, die F13 ist ein Schönwetter-Flugzeug, das nur nach Sichtflugregeln geflogen werden kann.

Reiseflug ist allerdings auch nicht vorgesehen. Nach etwa 30 Flugstunden hoffen die Betreiber bis Mitte 2017 auf die Zulassung durch das schweizerische Bundesamt für Zivilluftfahrt und die europäische Flugsicherheitsbehörde EASA. Die derzeit fliegende F13 ist ein Unikat, das vor allem auf Flugschauen gezeigt werden soll, auch mit Passagieren an Bord. Wer allerdings unbedingt gern seine eigene F13 hätte - für die Kleinigkeit von 2,5 Millionen Dollar pro Exemplar soll sie in Kleinserie produziert werden. Einen gebrauchten Privatjet bekommt man schon für die Hälfte. Aber es war ja bekanntlich immer schon etwas teurer, einen besonderen Geschmack zu haben und ein historisches Sammlerstück zu besitzen.

© SZ vom 24.09.2016/harl
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