Nach tödlicher Pannenserie GM-Chefin verspricht absolute Transparenz

General Motors-Chefin Mary Barra verantwortete sich am Dienstagabend vor dem Kongress in Washington.

(Foto: Bloomberg)

Weil Zündschlösser nicht funktionierten, starben mindestens 13 Menschen. Deswegen muss sich General Motors-Chefin Mary Barra vor dem US-Kongress verantworten. Bei der Befragung gerät sie immer wieder ins Stocken.

Von Kathrin Werner

Die Stimmung ist eisig. Mary Barra sitzt alleine an einem großen Tisch, vor ihr thronen die 26 Mitglieder des Energie- und Wirtschaftsausschusses im Repräsentantenhaus auf einer Empore. Die Chefin des Opel-Mutterkonzerns General Motors muss zu den Abgeordneten im Kongress in Washington aufschauen.

Die Politiker sprechen von Moral und Verantwortung. Einer nach dem anderen fragt: Wie konnte es passieren, dass bei Unfällen mit GM-Wagen 13 Menschen starben oder noch mehr? Wie konnte es passieren, dass GM von einem technischen Fehler wusste, ihn aber nicht reparierte? Wie konnte es passieren, dass ein Jahrzehnt verging bis zu den Rückrufen?

Barra hat auf die Fragen keine Antwort. "Das weiß ich nicht", sagt sie immer wieder. "Um das herauszufinden, haben wir eine große Untersuchung eingeleitet." Fragen nach Details kann sie nicht beantworten, viele Unterlagen kennt sie nicht. Die Abgeordnete Diana DeGette seufzt frustriert. Immer wieder fällt ein Ausschussmitglied Barra ins Wort. Die gerät immer wieder ins Stocken. "Während ich hier heute sitze, kann ich Ihnen nicht sagen, warum es Jahre dauerte, bis ein Sicherheitsdefekt bekannt gemacht wurde", sagt sie. "Aber ich kann Ihnen sagen, dass wir es herausfinden werden."

Die erste Frau an der Spitze eines Autokonzerns

Es ist ein hartes Verhör. GM ist innerhalb von wenigen Wochen in eine beispiellose Krise gerutscht. Zum Jahreswechsel sah es noch so gut aus für den amerikanischen Autobauer. Die Konjunktur kam in Schwung, Amerikaner kauften wieder mehr Autos. GM hatte neue Modelle auf den Markt gebracht, vor allem große Pickup-Trucks, die gewinnträchtig sind. Die Finanzzahlen sahen gut aus. Nach langen Jahren als Großaktionär hat die US-Regierung endlich ihre letzten Aktien an GM verkauft, damit konnten die Konzernmanager wieder freie Entscheidungen treffen. Und mit Barra hatte der Konzern eine neue Chefin, die nach vorne blicken wollte und die Welt jubilierte: zum ersten Mal eine Frau an der Spitze eines Autokonzerns.

Doch statt nach vorne zu schauen ist Barra mit Geschichtsbewältigung beschäftigt. Der Kongress der Vereinigten Staaten hat sie in den mächtigen weißen Kuppelbau auf dem Capitol Hill in Washington zitiert. Am Dienstag hat sie im Repräsentantenhaus ausgesagt, am Mittwoch werden die Senatoren sie grillen.

Es geht um Fehler an der Zündung von mehreren Kleinwagen. Der Zündschlüssel konnte während der Fahrt plötzlich auf "Aus" springen, wodurch der Motor und alle elektrischen Systeme abgeschaltet wurden. Auch die Airbags waren dann blockiert. Das hat zu mindestens 32 Unfällen mit 13 Todesfällen geführt, es könnte sein, dass die Zahl im Laufe der Untersuchungen noch steigt. GM hatte schon 2001 erste Hinweise auf den Mangel, noch bevor die Autos auf den Markt kamen.