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Nach ADAC-Skandal:Hausdurchsuchung bei Ramstetter

Michael Ramstetter, ADAC

Die Staatsanwaltschaft München hat das Haus von Michael Ramstetter in Starnberg durchsucht.

(Foto: ADAC)

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt schon länger gegen den ehemaligen ADAC-Pressechef. Bei einer Hausdurchsuchung beschlagnahmte sie nun mögliche Beweismittel. Die Manipulationen beim Autopreis "Gelber Engel" könnten für Ramstetter unerwartete strafrechtliche Folgen haben.

  • Die Staatsanwaltschaft durchsucht Ramstetters Haus in Starnberg und ermittelt wegen des Anfangsverdachts, gegen das Gesetz des unlauteren Wettbewerbs verstoßen zu haben.
  • Die geänderte Reihenfolge beim "Lieblingsauto der Deutschen" könnte strafrechtliche Folgen haben.
  • Ramstetter klagt derzeit gegen den ADAC wegen seiner fristlosen Entlassung.

Hausdurchsuchung bei Michael Ramstetter

Wie erst heute bekannt wurde, hat die Staatsanwaltschaft München I am Mittwoch das Haus von Michael Ramstetter durchsucht. Dabei sei Material aus seinem Haus in Starnberg bei München beschlagnahmt worden. Um was genau es sich dabei handelte, wollte die Behörde nicht sagen.

Was Ramstetter vorgeworfen wird

Gegen den ehemaligen ADAC-Kommunikationschef und Chefredakteur der Mitgliederzeitschrift Motorwelt gebe es einen Anfangsverdacht, gegen das Gesetz des unlauteren Wettbewerbs verstoßen zu haben. Einen entsprechenden Bericht des Bayerischen Rundfunks bestätigte Thomas Steinkraus-Koch, Sprecher der Staatsanwaltschaft München, am Freitag.

Der Anfangsverdacht ergab sich durch die Medienberichterstattung über die Manipulationen beim ADAC-Preis "Gelber Engel". Nach den ersten Berichten habe die Staatsanwaltschaft den Fall geprüft und danach von Amts wegen ein Ermittlungsverfahren gegen Ramstetter eingeleitet, das nun schon länger laufe. Auch habe es Anzeigen gegeben. Derzeit ist allerdings noch offen, ob und wann es es zu einer Anklage kommen wird.

Die Tricksereien bei dem Autopreis, bei denen Ramstetter einem Prüfbericht zufolge nicht nur die Teilnehmerzahlen korrigiert, sondern mehrfach auch die Reihenfolge der Automodelle geändert hat, könnten nun also strafrechtliche Folgen für ihn haben. Denn das Gesetz verbiete es, verzerrende Informationen über Produkte zu veröffentlichen, die im Wettbewerb stehen, sagte Steinkraus-Koch.

Die Chronologie des Skandals

Mitte Januar deckte die Süddeutsche Zeitung auf, dass der ADAC die Teilnehmerzahlen zur Wahl des "Lieblingsautos der Deutschen" manipulierte. Mit den Worten "Ich habe Scheiße gebaut" gab Ramstetter daraufhin zu, verantwortlich für den Skandal zu sein und legte alle Ämter nieder. Als ein interner Prüfbericht die Schummeleien bestätigte, entließ der ADAC seinen ehemaligen Kommunikationschef fristlos, wogegen Ramstetter derzeit vor dem Arbeitsgericht klagt.

Laut ADAC ist Ramstetter der Alleinschuldige für den Skandal bei der Abstimmung zum "Gelben Engel". Das sieht die Staatsanwaltschaft bisher ähnlich. Es gebe derzeit keine Hinweise darauf, dass Ramstetter Mittäter gehabt habe, sagte der Sprecher.

Die Fälschungen und weitere Enthüllungen haben den Autoclub in eine tiefe Krise gestürzt, die letztlich auch zur Abdankung des ehemaligen Präsidenten Peter Meyer und des Ex-Geschäftsführers Karl Obermair geführt haben.

© SZ.de/dpa/afp/harl/reek
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