Motorrad-Trends 2015 Profiteure des Lifestyle-Trends

Mit der S 1000 RR bringt BMW ein neues Superbike auf den Markt. Dabei sinkt die Nachfrage nach den straßenzugelassenen Rennmaschinen.

(Foto: Daniel Kraus; BMW)

Der klare Trend zum Motorrad ist auch eine Folge gesamtgesellschaftlicher Tendenzen. Branchenvertreter Brendicke: "Nicht nur bei den Motorrädern, sondern auch in vielen anderen Lebensbereichen ist der Lifestyle-Trend hin zu puristischen, authentischen und traditionellen Produkten ausgeprägt." Da kommt die geschichtsträchtige Motorradform mit offen zur Schau gestelltem Motor und dem damit verbundenen puren Fahrerlebnis gerade recht. Statistisch ist dies genau so belegbar wie die kalte Schulter, die viele Motorradfahrer inzwischen den Supersportlern zeigen: Während sich die Zahl der neu zugelassenen Puristik-Bikes auf 16 840 Stück praktisch verdoppelt hat, sind die Supersportler mit 4428 Exemplare um satte 23 Prozent weiter eingebrochen. Als Folge davon rangiert der bestverkaufte Supersportler, die BMW S 1000 RR, erst auf Platz 28 der Zulassungsliste.

BMW R 1200 RT Toller Tourer mit Schönheitsfehlern
Test BMW R 1200 RT

Toller Tourer mit Schönheitsfehlern

Mit einer umfassenden Modellpflege hat BMW aus der R 1200 RT ein völlig neues Motorrad gemacht. Der Tourer ist nun deutlich agiler als vorher. Aber es gibt auch Kritikpunkte - der Preis ist einer davon.   Von Thilo Kozik

Roadster, also unverkleidete Motorräder mit Sportcharakter, liegen eindeutig im Trend

Dazu passt, dass die meisten Neu-Biker zwischen 46 und 55 Jahre alt sind. Sie verfügen über ein höheres Einkommen und mehr Freizeit, brauchen sich nicht mehr tagtäglich zu beweisen und können mit gelassener Lebenserfahrung auf hitzige Ampelduelle verzichten. Von Vergreisung der Klientel zu sprechen, wäre jedoch verkehrt, denn der Nachwuchs steht schon bereit: Durch den Wegfall des praxisfremden 80-km/h-Limits Anfang 2013 haben die Leichtkrafträder mit 125 cm³ nicht nur bei den Fahrzeugverkäufen (2013 plus 30 Prozent, 2014 nochmals 7,5 Prozent mehr), sondern auch bei den entsprechenden Führerscheinen A1 (ebenfalls plus 30 Prozent in 2013) enorm zugelegt.

Unangefochtener Platzhirsch aller motorisierten Zweiräder ist seit Jahren die BMW R 1200 GS, die sich mit 7802 Modellen sogar noch einen Tick besser verkaufte als im Vorjahr. Wie groß die Übermacht der bayerischen Reiseenduro tatsächlich ist, verdeutlicht der Abstand zu Platz zwei: Kawasakis braver Allrounder ER-6n schafft mit 2718 verkauften Modellen lediglich ein gutes Drittel des Topsellers.

Roadster in allen Leistungsklassen

Die Motorräder auf den Plätzen drei bis sieben belegen den bereits im letzten Jahr eingeleiteten Trend zu unverkleideten Landstraßenmotorrädern mit Sportappeal, kurz Roadster genannt. Dabei sind die Hersteller der Nachfrage in allen Leistungsklassen entgegen gekommen: Vom potenten Neuling BMW S 1000 R mit 160 PS reicht die Bandbreite über die 113 PS starke Kawasaki Z800 bis zur KTM 390 Duke, die sich als 44-PS-Einsteigerbike 1457 Mal verkaufte (Platz sieben).

Elektromobilität Prädikat einzigartig
Fahrbericht E-Roller BMW C Evolution

Prädikat einzigartig

Der Markt für Roller boomt - doch der Absatz von BMW in dieser Sparte ist im vergangenen Jahr dramatisch eingebrochen. Der E-Scooter C Evolution wird diesen Trend nicht stoppen - setzt aber Maßstäbe in Sachen Elektromobilität.   Von Norbert Meiszies

Auf den Plätzen drei und vier finden sich mit den beiden Newcomern Yamaha MT-07 und MT-09 zwei Geschwister-Roadster einer Marke, die in diesem Jahr wie Phönix aus der Asche gestiegen ist: 9521 Neuzulassungen bedeuten eine Steigerung um satte 81 Prozent.

Auf in neue Leistungssphären

Für das kommende Jahr erwarten die Fachleute einen stabilen bis wachsenden Markt. Der IVM-Hauptgeschäftsführer geht davon aus, dass "puristische Motorräder mit viel Spielraum für das Individualisieren weiter gefragt sein werden, weil sie die fürs Motorrad wichtigen Emotionen auslösen".

Doch die Motorradindustrie selbst löst mit ihren neuen Kreationen Gefühle ganz anderer Art aus: Das Modelljahr 2015 läutet eine neue Supersport-Hochrüstungsphase ein, in der die 200-PS-Grenze fällt. Während BMW für die neue S 1000 RR noch etwas verschämt 199 PS Spitzenleistung angibt, stehen bei Yamahas YZF-R1 200 PS in den Daten, die Aprilia RSV4RF macht 201 PS locker und Ducati verspricht für die 1299 Panigale gar 205 PS. Den Vogel schießt Kawasaki mit der Ninja H2R ab: Das nur auf abgesperrten Rennstrecken einsetzbare Gefährt schafft mit Kompressoraufladung 310 PS, die Straßenversion Ninja H2 immerhin noch 200 PS. Ob diese Hochrüstung noch in die Zeit passt, ist freilich eine ganz andere Frage.