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Morgan Motor Company:Mit Holzrahmen und E-Motor

Seit 1968 ist der Morgan Plus 8 auf dem Markt. Derzeit debütiert auf dem Genfer Autosalon eine Sonderserie zum 50-Jahres-Jubiläum.

(Foto: AP)

Seit 1909 produziert Morgan Sportwagen auf eine spezielle Weise, die heute als antiquiert gilt. Die Firma fühlt sich ihrer Tradition verpflichtet - und baut trotzdem bald Elektroautos.

Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern. Hinter den flachen Fabrikhallen aus rotem Backstein erheben sich die Malvern Hills, eine bei Wanderern beliebte Hügelkette im Westen Englands. Auf einmal stört Knattern und Bollern die friedliche Stimmung. Ein Dreirad rollt heran, eine Mischung aus Rennwagen und Motorrad mit vorne zwei Rädern und hinten einem Rad. Die Auspuffe an den Seiten vibrieren. Der Fahrer zieht den Helm über und biegt vom Werksgelände auf die Straße am Rande der Kleinstadt Malvern. Dieser "Morgan 3 Wheeler" ist eines der Modelle, die hier gebaut werden. Ein Mitarbeiter testet die nostalgische Rennzigarre nun bei einer Probefahrt.

Der Hersteller Morgan Motor ist eine der ungewöhnlichsten Autofirmen der Welt. Henry F. S. Morgan gründete das Unternehmen 1909 in Malvern, um solche Dreiräder zu fertigen. Fünf Jahre später zog er auf das Gelände, wo der Betrieb noch heute sitzt. Morgan Motor gehört komplett seinen Nachfahren und ist damit einer der wenigen Autobauer in Familienbesitz. Und er ist winzig: Die 205 Beschäftigten stellten im vergangenen Jahr gerade mal 770 Fahrzeuge her, und das in Handarbeit. Roboter gibt es keine.

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Neben dem Dreirad produzieren die exzentrischen Engländer leichte - und dadurch rasante - Zweisitzer-Sportwagen. Die sehen aus wie Oldtimer, nutzen aber moderne Technik und schaffen mit BMW- und Ford-Motoren bis zu 273 Kilometer pro Stunde. Das Modell Morgan 4/4 existiert seit 1936 und war das erste Auto der Firma, die zuvor nur Dreiräder konstruiert hatte. Der 4/4 ist somit das weltweit älteste weiterhin gebaute Automodell. "Es ist unser Einstiegsmodell", sagt Steve Morris, der vor fünf Jahren einen Enkel des Gründers als Chef ablöste. Das Fahrzeug kostet 42 000 Pfund, etwa 47 500 Euro. Für den schnellsten und teuersten Wagen, den Aero GT, ist das Dreieinhalbfache fällig.

Fast drei Viertel der Drei- und Vierräder werden exportiert, Deutschland ist der wichtigste Auslandsmarkt. "In Deutschland waren wir immer stark. Wir gelten dort als typisch britisch", sagt der 51-Jährige, der 1983 als Auszubildender in Malvern anfing. Kunden müssen sich gedulden: Die Wartezeit beträgt sechs Monate, die Fertigung beginnt erst, wenn die Bestellung mit allen Sonderwünschen eingegangen ist. "Bei uns sehen keine zwei Autos gleich aus. Wir stimmen, wenn nötig, den Lack auf die Anzugfarbe des Käufers ab", sagt der Chef.

Für Morgan beginnt das Elektro-Zeitalter

Unter den Abnehmern seien viele Männer in den Fünfzigern, in der Regel würden Morgans als Zweitwagen für die Freizeit genutzt, sagt Morris. Die Dreiräder, die 2011 nach fast 60 Jahren Unterbrechung neu aufgelegt wurden, sprächen auch Motorradfahrer an. Der Umsatz wuchs im vorigen Jahr um ein Fünftel - so schnell wie nie zuvor - auf umgerechnet 41 Millionen Euro. Vor Steuern blieben 2,3 Millionen Euro als Gewinn hängen.

Ende des Jahres beginnt bei der Nostalgiker-Firma eine neue Epoche: das Elektro-Zeitalter. In der Fabrik wird dann erstmals ein Fahrzeug mit Stromantrieb gebaut, ein Dreirad namens EV3. Und im Jahr 2020 wolle er für alle Modelle eine Hybridvariante anbieten, sagt Morris, also Autos mit Elektro- und Verbrennungsmotor. Beim EV3 und den Hybridfahrzeugen arbeitet das Unternehmen mit Frazer-Nash Energy Systems zusammen, einem britischen Spezialisten für Stromantriebe.