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Modelleisenbahn:Immer mehr Nachahmer

Ähnlich funktioniert das Loxx am Berliner Alexanderplatz, die zweitgrößte Modellanlage in Deutschland. Neben Szenen aus dem Zentrum der Hauptstadt gibt es ebenfalls einen Flughafen, vor allem aber das opulent gestaltete Regierungsviertel.

Nicht immer ist die kleine Welt auch eine heile Welt: Eine tolle Anlage im Einkaufszentrum Centro Oberhausen hielt sich dort nicht lange und ist umgezogen. In der Modellbahnwelt Odenwald steht jetzt die Industrielandschaft an der Ruhr. Und zwar gleich zweimal: Wie sie vor 50 Jahren aussah und wie es heute ausschaut. Die älteste Schauanlage eröffnete vor 40 Jahren im Allgäu. Jetzt ist die kleine Ausgabe von Deutschland zwischen Nordsee und Alpen als modernisiertes Miniland in einem Gewerbegebiet östlich von München anzuschauen.

Schauen statt selber bauen - das funktioniert

Die Beliebtheit der Großanlagen ist einigermaßen überraschend , wo doch die Hersteller von Modelleisenbahnen fast alle schon in ernsthaften Schwierigkeiten gesteckt haben - angesichts einer seit Jahren sinkenden Nachfrage nach ihren Produkten. Schauen statt selber bauen, das hingegen funktioniert: Es gibt bereits rund sechzig dieser öffentlichen Modellbahnanlagen und es werden immer mehr. Erst im Mai 2014 eröffnete das Miniversum in Budapest mit Motiven aus Ungarn und Österreich. Gerade gebaut wird eine 400 Quadratmeter große Modellbahn für den Auto-Erben Hans-Peter Porsche im Berchtesgadener Land. Er will sein "TraumWerk" bei Piding 2015 eröffnen.

Die Brüder Braun sind schon oft gefragt worden, ob sie nicht das Hamburger Wunderland woanders nachbauen wollen. Das wollen sie nicht, auch wenn eine Offerte aus Abu Dhabi kommt. Frederik Braun erklärt das in einem SZ-Interview so: "Natürlich ist niemand davor gewappnet, unruhig zu schlafen, wenn man solche Millionen-Angebote ablehnt. Aber bisher waren wir immer erleichtert - bei 300 Absagen."

Fast wie in der Disko

Die Hamburger setzen Maßstäbe, auch bei der Betreuung der Besucher. Für den Umgang mit Menschen haben die einstigen Disko-Wirte offenbar ein ganz besonderes Händchen. Erstens wird immer nur eine bestimmte Anzahl gleichzeitig eingelassen, damit jeder auch auf die Anlage schauen kann. Wer die Wartezeitprognose ignoriert, wird nicht einfach stehen gelassen. Für die Menschen in der Schlange gibt es Süßigkeiten, Getränke oder auch ein Eis.

Wer nicht warten mag, der kann sich im Internet eine VIP-Eintrittskarte kaufen und dann alle überholen. Dafür muss er sich für den Eintritt auf eine halbe Stunde genau festlegen. Das System ist ausgeklügelt: Für jedes Zeitfenster ist die Zahl der Karten limitiert. Zu den Sonderveranstaltungen "Nachts im Wunderland" dürfen nur 400 Gäste rein.

Der Besuch einer Modellbahn wird zum Event - es geht fast zu wie in der Disko.

© SZ vom 20.12.2014/harl
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