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Elektromobilität:Öko kann auch ziemlich schnell sein

Schon einmal hat die Bundesregierung den Autoherstellern massiv geholfen, ihre Autos an den Mann zu bringen. Das war vor einigen Jahren mitten in der Finanzkrise, als sich die Konzerne mit Abwrackprämie und einem Kurzarbeiter-Programm durch das Tal manövrieren konnten. Das hatte Milliarden gekostet. Diesmal liegen die Dinge anders, diesmal wären Firmenkunden die Profiteure eines solchen Programms und keine Privatkäufer.

Marktübersicht Plug-In-Hybride

Sie haben alle das gleiche Manko

Warum tun sich auch die Hersteller so schwer? BMW ist ein Autokonzern, an dem man das alles sehr schön zeigen kann. Die Bayerischen Motorenwerke, groß geworden mit sportlichen Autos und Premium-Limousinen, haben nicht nur irgendwann auf sportliche Geländewagen (SUV) gesetzt, um damit viel Geld zu verdienen. Die Münchner haben schon vor Jahren eine große Elektroauto-Kampagne angeschoben. Die Bedingung der Planer: Premium sollten die neuen Autos sein, wie ein BMW sollten sie aussehen - ja nicht an die kleinen Elektrovehikel von früher erinnern. Heraus kamen der Elektrokleinwagen i3 und der Hybrid-Bolide i8 mit 362 PS.

Öko kann eben auch ziemlich schnell sein.

Verkauft haben die Münchner im vergangenen Jahr an die 16 000 i3, bei über zwei Millionen verkaufter Autos weltweit. Und: Ein Großteil davon wurde nicht einmal in Deutschland, sondern in den USA verkauft.

Liegt es an den Autos oder an der Politik?

BMW geht es wie den anderen auch: Elektroautos sind in Deutschland keine Selbstläufer. An die 25 000 E-Autos soll es in Deutschland geben, reine Batterieautos und sogenannte Plug-in-Hybride zusammengerechnet. Zwischen Januar und Februar wurden in Deutschland an die 6200 Elektroautos neu angemeldet. Anteil am Gesamtmarkt: 0,6 Prozent. Zum Vergleich: In den USA waren es immerhin schon über 31 000, in Norwegen 10 600. Dort liegt der Anteil von Elektroautos inzwischen schon bei 22 Prozent.

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BMW i8 im Alltagstest

Mission null Liter

Der i8 ist ein aufregendes Coupé. Aber auch ein Elektroauto für bis zu 37 Kilometer, verspricht BMW. Wie funktioniert der Spagat zwischen Sportwagen und Ökomobil im Alltag? Ein Test in Tagebuchform.   Von Thomas Harloff

Was ist es also? Liegt es an den Autos? Die Modelle der großen Konzerne sind mehr oder weniger überall dieselben. Es liegt, sagen die Hersteller, an der Politik. An einer Politik, die die neuen Autos zu wenig unterstütze.

Es ist der Mittwochabend vergangener Woche, als BMW-Vertriebsvorstand Ian Robertson in der Münchner BMW-Welt sitzt und über seine Elektroautos nachdenkt. Gerade eben wurde der neue 7er vorgestellt, das große Flaggschiff des Konzerns. Eine Luxuslimousine, die es alleine kaum schafft, die C0₂-Auflagen aus Brüssel zu erfüllen. Robertson braucht also seine Elektroautos, um alles miteinander zu verrechnen und die C0₂-Grenzen so zu unterschreiten. Deshalb hätten er und seine Kollegen aus der Autoindustrie ja gerne mehr davon in ihren Auftragsbüchern. "In anderen Ländern werden Elektroautos mehr gefördert", klagt Robertson.

© SZ vom 15.06.2015/harl
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