Mobileye:Es darf nichts passieren

Er konzentrierte sich nun auf BMW, wo man die Planungen längerfristig betreibt - es darf nichts passieren. Shashua rechnet so: "Gehen wir beispielsweise davon aus, dass 35 000 Menschen im amerikanischen Straßenverkehr durch menschliches Versagen getötet werden. Kein System ist perfekt und würden im Vergleich dazu 35 Menschen durch autonom fahrende Autos getötet, wäre das für die Gesellschaft vermutlich akzeptabel. 10 000 Opfer hingegen wären wohl nicht hinnehmbar - obwohl es immer noch 25 000 Tote weniger wären."

Shashua will also mehr Sicherheit, und die gibt es für ihn nicht, solange Menschen fahren, die einen schlechten Tag hatten, müde sind oder Alkohol im Blut haben. Es gibt sie aber auch nicht, wenn noch nicht ausgereifte Technologien zum autonomen Fahren genutzt werden. Null Fehler, bitte.

"Es wird auf einen einzigen Standard für alle hinauslaufen"

Wenn Shashua von den Autos der Zukunft spricht, die den Menschen ersetzen sollen, dann spricht er wie von Menschen. "Selbstfahrende Autos verhalten sich defensiv, weil ihre ,Verhandlungsfähigkeiten' nicht sehr ausgeprägt sind", sagt er. Das Auto als Verhandlungspartner - das wäre tatsächlich eine ganz neue Dimension im Straßenverkehr.

Shashua arbeitet seit Jahren daran, Autos und künstliche Intelligenz zusammenzubringen, es kommt ihm auf ein Jahr mehr oder weniger nicht an. Im zweiten Halbjahr 2017 sollen in den USA und in Europa erst einmal 40 autonome Autos aus der Kooperation mit Intel und BMW getestet werden. Der Professor will, dass seine Technologie zum neuen Standard der fahrerlosen Autos wird und weder von Google noch sonst wem kommt. Deswegen muss er mit Mobileye die Nummer eins sein. "Ich glaube, es wird auf einen einzigen Standard für alle hinauslaufen", sagt er. "Das werden schon die Gesetzgeber verlangen. Nutzt jeder seine eigene Technologie, könnte das viele Tote im Straßenverkehr bedeuten - ein Albtraum für die Politik."

"Wir sind klein, aber sehr pfiffig"

BMW, Mobileye, Intel, gemeinsam gegen Google und die anderen. Es ist wie bei allen Kooperationen, die am Ende Standards setzen sollen, auch eine Frage des Vertrauens. "Wir haben Mobileye bereits 2004 bei ihrem Einstieg in die Automobilindustrie unterstützt", sagt BMW-Vorstand Fröhlich. "Wir kennen uns daher schon eine lange Zeit."

Mobileye soll in den nächsten Jahren wachsen, aber nicht zu viel. Noch 300 oder 400 Menschen könnten zu den 700 von heute dazukommen. "Aber das ist es dann auch", sagt der Mobileye-Gründer. "Wir betreiben keine Fabriken, sondern entwickeln Software. Wir wollen kein zweites Facebook werden. Wir sind klein, aber sehr pfiffig!"

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