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Mitsubishi Outlander Plug-in-Hybrid im Test:Er piepst und piepst und piepst

Mitsubishi Outlander Plug-In-Hybrid an der Ladesäule

Der Mitsubishi Outlander Plug-In-Hybrid kostet mindestens 39 990 Euro.

(Foto: Mitsubishi Motors)

Ein Plug-in-Hybrid soll den automobilen Alltag weitgehend elektrisch bewältigen. Im Gegensatz zu vielen anderen gelingt das dem Mitsubishi Outlander sogar beinahe. Dafür hat er andere Schwächen.

Von Thomas Harloff

Der Mitsubishi Outlander ist nicht gerade ein Erfolgsmodell. Mit 1234 verkauften Exemplaren zwischen Januar und März 2015 liegt er bei den SUVs im hinteren Mittelfeld. Und doch ist der Japaner ein Vorbild für die Konkurrenz, denn im gleichen Zeitraum orderten 483 Outlander-Kunden ihr Auto mit einem Plug-in-Hybridantrieb. Ein Anteil von 39 Prozent - davon können andere Anbieter von Hybridautos mit extern aufladbarer Batterie nur träumen.

Mitsubishi ködert seine Kunden mit einem Normverbrauch von 1,9 Litern sowie einem CO₂-Ausstoß von 44 g/km. Die beiden Elektromotoren und das Zweiliter-Benzintriebwerk leisten 203 PS und erreichen eine theoretische Gesamtreichweite von 827 Kilometern. Die Batterie soll genug Energie für 52 Kilometer rein elektrische Kilometer liefern.

Das sollte laut Statistik für 73,9 Prozent der deutschen Berufstätigen reichen, um zum Arbeitsplatz und wieder zurück zu kommen. Im Alltag ist das jedoch utopisch. Lässt sich die Strecke ohne Autobahnanteil bewältigen, schafft der Mitsubishi bei gezügeltem Gasfuß etwa 40 Kilometer. Wer Schnellstraßen nutzt oder mehrfach stark beschleunigt, nimmt naturgemäß einen höheren Energieverbrauch und somit eine geringere elektrische Reichweite in Kauf. Fährt man schneller als 120 km/h, verbraucht man zwangsläufig Benzin, denn bei diesem Tempo schaltet sich der Benziner hinzu.

3,8 statt 1,9 Liter Durchschnittsverbrauch

Obwohl der Outlander Mitsubishis Reichweiten-Versprechen nicht halten kann, hat er anderen Plug-in-Hybriden hier einiges voraus. Weder der kürzlich getestete BMW i8 noch der Porsche Cayenne S E-Hybrid oder der Toyota Prius Plug-In-Hybrid kommen mit einer Akkuladung 40 Kilometer weit. Auch aus den versprochenen 1,9 Litern Durchschnittsverbrauch des Outlander wird nichts. Im Alltag liegt der Spritkonsum doppelt so hoch. Das ist dennoch sparsam. 3,8 Liter auf 100 Kilometer, darunter schnelle Autobahnetappen und Stop-and-Go im Berufsverkehr - welches andere Mittelklasse-SUV mit konventionellem Antrieb schafft das schon?

Die Drei-Motoren-Lösung hat noch andere Vorteile. Der Mitsubishi beschleunigt vehement. Sowohl beim Losfahren aus dem Stand - von null auf hundert km/h geht es bei Bedarf in elf Sekunden - als auch bei Überholmanövern, wenn es auf die Durchzugsstärke ankommt, geht es flott voran. Die Elektromotoren unterstützen den Benziner beim Beschleunigen nach Kräften, schalten nach ihrer Anschubhilfe aber ab, weshalb die Höchstgeschwindigkeit schon bei 170 km/h erreicht ist. Doch schneller will man eh nicht fahren, weil der Outlander Plug-in-Hybrid bei Autobahntempo laut wird.

Passende Modi für jede Gelegenheit

Ein cleverer Antriebsbaustein sind die verschiedenen Hybrid-Modi, die sich jeweils per Tastendruck anwählen lassen. Der wichtigste ist der EV-Modus, der den E-Motoren Vorrang gewährt und den Benziner erst hinzu schaltet, wenn die Batterie leer ist. In einer anderen Einstellung wird der Benzinmotor nicht nur als Antrieb, sondern auch als Generator genutzt, der die Batterie wieder auflädt. Eine weitere Funktion hält den Ladezustand auf dem Niveau, das er zum Zeitpunkt der Aktivierung hat. Das ist sinnvoll, wenn man nach einer längeren Strecke elektrische Energie zurückhalten möchte, um beispielsweise geräusch- und emissionslos zur Innenstadtwohnung zu fahren.

Der Grad der Bremsenergierrückgewinnung lässt sich über den Wählhebel auf der Mittelkonsole oder die Lenkradwippen variieren. Wählt man die höchste Stufe, muss man praktisch nie bremsen, um zum Stehen zu kommen. Das veranlasst nicht nur zu einer gelasseneren Fahrweise, sondern schont auch die Bremsanlage, die deshalb langsamer verschleißt. Geladen wird an der Haushaltssteckdose per altbekanntem SchuKo-Stecker oder mit einem Typ-2-Anschluss. Ersteres dauert maximal fünf Stunden, Letzteres ungefähr halb so lang. Besonders schnelles Laden mit dem japanischen CHAdeMO-Standard ist ebenfalls möglich, nur gibt es dafür in Deutschland kaum passende Ladesäulen.

Die Assistenzsysteme funktionieren - und nerven

Mitsubishi Outlander Plug-In-Hybrid

39 Prozent der zwischen Januar und März 2015 verkauften Outlander waren Plug-In-Hybride.

(Foto: Mitsubishi Motors)

Als Elektroauto, das dank seines Verbrennungsmotors auch für die Langstrecke geeignet ist, überzeugt der Mitsubishi also. Dafür leistet er sich auf vielen anderen Gebieten Schwächen. Etwa bei den elektronischen Fahrassistenten, einem Paket aus Abstandregeltempomat, Auffahrwarnsystem und Spurhalteassistent. Nicht, dass die Technologien nicht gut funktionieren würden. Aber sie nerven mit ständigem Piepsen. Der Mitsubishi piepst, wenn er droht, die Spur zu verlassen. Wenn er meint, dass ihm das vorausfahrende Auto zu nahe kommt. Wenn der Fahrer im Tempomaten eine andere Geschwindigkeit einstellt. Wenn er diese erreicht hat. Auch dann, wenn die elektrische Heckklappe öffnet und schließt. Und in Momenten, in denen sich dem Fahrer nicht erschließt, warum das Auto piepst. Nur beim Einparken, da piepst er nicht. Wo akustische Hinweise angebracht wären, muss sich der Fahrer auf seine Augen verlassen. Dafür ist das scharfe Bild der optionalen Rückfahrkamera eine große Hilfe.

Innen hinterlässt der Outlander Plug-in-Hybrid einen zwiespältigen Eindruck. Die verwendeten Kunststoffe sehen ordentlich aus, sondern aber einen eigenwilligen Geruch ab. Das Platzangebot ist gut, die Rundumsicht stimmt und er lässt sich einfach bedienen, weil es Mitsubishi gelungen ist, die Funktionen in wenigen Tasten und im zentralen Touchscreen zu bündeln. Der wiederum kann nicht überzeugen. Zu klein sind die Bedienfelder, zu unlogisch die Menüführung, zu trist die Grafik.

Viel teurer als der Benziner und Diesel

Mittelmäßig ist auch das Fahrwerk. Manchmal rumpelt der Outlander unbeholfen über Unebenheiten, aber er ist nicht völlig unkomfortabel. Er ist auch gewiss nicht sportlich, in Kurven für ein Auto mit hohem Schwerpunkt und 1,9 Tonnen Gewicht aber auch nicht völlig frei von fahrdynamischem Talent. Die Lenkung ist leichtgängig und gefühllos ausgelegt, navigiert den Japaner aber zielgenau in die richtige Richtung.

Ein Elektroauto für etwa 40 Kilometer, ein Langstreckenauto noch dazu, und das im Kleid eines geräumigen SUVs: Der Mitsubishi Outlander Plug-in-Hybrid ist für vieles gerüstet. Dafür verlangt Mitsubishi mindestens 39 990 Euro - 17 000 beziehungsweise 9200 Euro mehr als für die jeweils 150 PS starken Benzin- und Dieselversionen.

Viel Geld, das man aber in Relation setzen muss. Denn der Markt gibt kaum günstigere Plug-In-Hybriden her - schon gar nicht in dieser Größenklasse oder mit einer vergleichbaren elektrischen Reichweite. Zumal die Grundausstattung ordentlich ist. Wer unbedingt Navigationssystem, Rückfahrkamera und Xenon-Scheinwerfer (Plus-Ausstattung für 44 990 Euro) oder Fahrassistenz-Paket, Schiebedach oder Kunstlederausstattung (Top-Linie für 49 990 Euro) haben möchte, zahlt hohe Aufpreise. Ein wirklich gutes Auto ist der Outlander freilich nicht, zur Spitze des Mittelklasse-SUV-Segments fehlt einiges. Er ist ein Hybrid-Vorbild - aber eines, das Zugeständnisse erfordert.

Technische Daten Mitsubishi Outlander Plug-In-Hybrid:

R4-Benzinmotor mit 2,0 Litern Hubraum sowie 2 Elektromotoren; Gesamtleistung: 149 kW (203 PS); max. Drehmoment Gesamtsystem: 332 Nm; Leergewicht: 1885 kg; Kofferraum: 463 - 1472 l; 0 - 100 km/h: 11,0 s; Vmax: 170 km/h (abgeregelt); Testverbrauch: 3,8 l / 100 km (lt. Werk: 1,9; CO₂-Ausstoß: 44 g/km); Euro 5; Grundpreis: 39 990 Euro

Das Testfahrzeug wurde vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

© SZ.de/harl/reek
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