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Mini und die Zukunft:Weniger soll mehr sein

Mini-Konzeptstudie Superleggera.

Die Roadsterstudie von Mini könnte 2017 auf den Markt kommen, mit einer Kombination aus Elektro- und Benzinmotor.

(Foto: dpa-tmn)

Vor nicht allzu langer Zeit standen bei Mini alle Zeichen auf Expansion und Wachstum. Damit ist jetzt Schluss. Weniger grell, aber dafür nachhaltiger will die Lifestyle-Marke werden. Und anstatt vieler Modelle sollen es "Superheroes" richten.

Die Mini-Absatzzahlen für 2014 sind im Vergleich zum Vorjahr nicht berühmt, aber das ist kein Grund zur Sorge, denn jeder Modellwechsel hat eine flache Anlaufkurve für den Nachfolger und eine gewisse Kaufzurückhaltung für jene Varianten zur Folge, die zeitnah abgelöst werden. In den nächsten Monaten präsentiert die BMW-Tochter den formal nur bedingt überzeugenden Viertürer und die zweite Auflage des Clubman, die mit vier Türen und deutlich mehr Platz auf Kundenfang geht.

Vor nicht allzu langer Zeit standen bei Mini alle Zeichen auf Expansion und Wachstum. Dreizehn verschiedene Kandidaten buhlten um die Gunst der Entscheider: Zweitürer, Viertürer, Clubman, Countryman, Cabrio, Coupé, Roadster, Limousine, Paceman, Rocketman, SUV, Minivan, Traveller. "Eine derart extreme Spreizung ist Nonsense", befand der Vorstandsvorsitzende Norbert Reithofer, und damit war klar, dass er Mini anders zu positionieren gedachte. "Weniger grell, aber dafür nachhaltiger. Und nicht per se als Vollsortimenter, sondern als sinnvolle Ergänzung zum Project-i-Portfolio und zu den UKL-Modellen von BMW."

Auf Vorstandsebene betreut Peter Schwarzenbauer seit gut einem Jahr die Marke Mini. Der auch für Rolls-Royce und die Zweiradsparte zuständige Topmanager hat klare Vorstellungen, wo die Reise hingeht. "Ich sehe wenig Sinn in einer großen Variantenvielfalt. Stattdessen würde ich mich lieber auf einige wenige Kernmodelle konzentrieren, für die wir den Begriff Superheroes geprägt haben. Jeder Superheld besitzt einen starken und eigenständigen Charakter. Diesen Anspruch erfüllen das Steilheck, der Countryman, zumindest eine offene Version und eine oder zwei weitere Spielarten." Hat auch das Superleggera Concept, das die SZ kürzlich im Rahmen des Concorso d'Eleganza gefahren hat, das Zeug zum Superhero? "Absolut - dieses Auto könnte der Marke noch mehr Schärfe verleihen. Es ist noch zu früh, um das Projekt abschließend zu beurteilen, aber schon das technische Konzept sprengt den Rahmen einer gewöhnlichen Designstudie."

Mittler zwischen den Welten

Worin besteht der Reiz des blauen offenen Zweisitzers, den Mini-Chefdesigner Anders Warming gemeinsam mit Louis de Fabribeckers, Chefgestalter des italienischen Karosseriebauers Touring, auf schwarz lackierte 19-Zoll-Räder gestellt hat? Zum einen funktioniert die Mini-Vision als Mittler zwischen zwei Welten - der englischen Roadster-Tradition nach dem Vorbild von MGA, Sprite und Spitfire, und der italienischen Schönwetter-Barchetta mit Notverdeck, minimalistischer Ergonomie und handgedengelter Alukarosse. Zum anderen stimmt an diesem Auto einfach alles, vom gekonnt verfremdeten Marken-Make-up über die gar nicht kleinwagenmäßigen Proportionen bis zu Details wie der neu interpretierten Heckfinne. Besonders gut gefallen können das kommode Interieur, das moderne und trotzdem Mini-typische Instrumentarium sowie das luftige Cockpit ohne Seitenscheiben. Auch der Fahreindruck ist positiv: knackige Lenkung, aufmerksame Bremsen, satte Straßenlage. Nur leistungsmäßig macht die Studie wenig her. Sie bewegt sich rein elektrisch, und das nur mit maximal 20 km/h.

Weil mit diesem provisorischen Antriebskonzept kein Blumenstrauß zu gewinnen wäre, plant BMW für das Serienmodell, das 2017 auf den Markt kommen könnte, eine Koalition aus E-Maschine und Verbrenner mit einer Systemleistung von rund 200 PS. Nach dem Vorbild des i8 würden die Vorderräder elektrisch und die Hinterräder von einem Benzinmotor angetrieben werden. Vorläufig erste Wahl sind ein etwa 120 PS starkes Zweizylinder-Aggregat der Motorradsparte und ein Stromer mit 80 PS. Im Prinzip sind der Antriebs-Kombinatorik kaum Grenzen gesetzt. "Wir können skalieren", erklärt Peter Schwarzenbauer, "Zweizylinder, Dreizylinder oder Vierzylinder - alles ist möglich." Dass die geplanten BMW Plug-in-Hybride auf der gleichen UKL-Plattform, der Zweier Active Tourer und der Nachfolger des X1, anders ausgelegt sind, unterstreicht nur die Variabilität des Modulbaukastens. Obwohl die gemeinsam mit Toyota in Angriff genommene Neuauflage des Z4 bereits relativ weit gediehen ist, hat der Entwicklungsvorstand Herbert Diess dem Vernehmen nach auch auf den Mini Superleggera ein Auge geworfen. Schließlich ließe sich auf gleicher Basis mit vergleichsweise wenig Aufwand ein stärker motorisierter Z2 realisieren, dessen Skaleneffekte die Controller freundlich stimmen müssten.