Microlino Die Isetta kehrt zurück - als Elektroauto

6500 Reservierungen liegen bereits für den Microlino vor - obwohl noch keine Probefahrten möglich waren.

(Foto: Micro Mobility Systems)

Nicht BMW, sondern ein Vater-Sohn-Trio lässt den Kleinstwagen auferstehen. Die Geschichte des Microlino beginnt dramatisch, doch dank Enthusiasmus und Improvisationskunst geht er nun in Serie.

Von Thomas Harloff

Gute Geschichten beginnen oft als Drama. So auch die des Microlino. Ein Wägelchen im Isetta-Stil, mit dem ein Vater und seine beiden Söhne aus Küsnacht bei Zürich nicht nur ein neues Elektromobil bauen, sondern städtische Mobilität neu gestalten will. Im Februar 2016 war diese Vision noch weit weg. Es existierte zwar ein Prototyp. Aber im Kopf von Wim Ouboter existierte er nur als Werbeträger für sein eigentliches Geschäft: Tretroller mit Elektromotor.

Das Drama nahm auf der langen Reise von China, wo der Prototyp entstand, bis zur Spielwarenmesse in Nürnberg seinen Lauf: Beim Umladen in Zürich fiel der Microlino vom Gabelstapler. Und zwar derart heftig, dass die Front auf der Fahrerseite zerstört war. Unmittelbar vor dem Start der Messe. Eine kurzfristige Reparatur war unmöglich, und wenige Wochen später stand der Genfer Autosalon bevor, bei dem der Microlino einen richtig großen Auftritt haben sollte.

Das E-Auto im Isetta-Stil in Bildern

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Wie Wim und seine Söhne Oliver und Merlin mit dem Malheur umgingen, erzählt viel darüber, wie die Ouboters ihr Herzensprojekt umsetzen, wie sie mit Rückschlägen und Herausforderungen umgehen. "Wir haben unseren Stand umgebaut und das Auto mit der kaputten Seite an die Wand gestellt", erzählt Wim. Wenn doch ein Messebesucher die beschädigte Stelle in Augenschein nahm, dann hing da ein Zettel mit dem Titel Shit happens, auf der sie die Geschichte erklärten. "Das ist super angekommen."

Für den Autosalon in der Heimat sollte der Microlino aber wieder in Form sein. Also ließ Ouboter den Prototypen in der Schweiz aufwendig herrichten. "Das hat mehr gekostet, als den kompletten Prototypen in China bauen zu lassen.". Doch der Aufwand lohnte sich. Obwohl für den Microlino nur ein kleines Podest im E-Mobility-Bereich vorgesehen war, kam er beim Publikum so gut an, dass die Familie mit 500 Reservierungen in der Tasche nach Hause reiste. Damit wurde das Ganze ernst, ein Werbeartikel machte den Schritt zum Produkt. Zum Fortbewegungsmittel. Zum kleinen Auto mit Elektroantrieb, das nun fertig entwickelt und für eine Serienproduktion fit gemacht werden musste.

Das Projekt war fast schon gestorben

Wim Ouboter wollte das nicht selbst machen. Er wusste aus seiner Zeit als Rollerfabrikant, wie komplex so etwas ist. Ihm war klar, dass die Konstruktion eines kleinen Fahrzeugs mit vier Rädern und Karosserie weit aufwendiger sein würde. Das hatte er schon beim Prototypen gemerkt. Das Projekt startete mit dem Umbau einer originalen Iso Isetta (jene von BMW war ein Lizenzbau des italienischen Kleinwagens) zum Elektroauto bei einem Auftragsentwickler und setzte sich dann an einer Hochschule fort. Überwacht vom jüngeren Sohn Merlin entstand in China der Prototyp.

Es lief zwar alles gut, zumindest bis der Microlino vom Stapler fiel. Dennoch hatte Wim Ouboter riesigen Respekt vor den kommenden Aufgaben: "Ich hatte ein gutes Geschäft mit den Rollern. Aber wollte ich jetzt alles auf die Karte Auto setzen? Nein, da war ich viel zu konservativ." Dann erhielt er eine Einladung von Erik Tazzari. Der Italiener baut in der Motorsportstadt Imola seit fast zehn Jahren Kleinstautos mit E-Antrieb und wollte die Ouboters von einer Zusammenarbeit überzeugen. Doch Wims erster Eindruck hätte das Projekt fast platzen lassen: "Oh Gott, braucht es wirklich so viele Kabel? Eigentlich habe ich dort entschieden: Nein, das bleibt einfach unser Marketing-Ding."

Doch dann bat Tazzari den Schweizer zu einem Gespräch und machte ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen konnte: Der Italiener wollte die restliche Entwicklung übernehmen, den Microlino dann auch fertigen und sich dafür zur Hälfte an dem Projekt beteiligen. Das lag nahe, schließlich kann er viel Technik seiner Autos im Microlino wiederverwenden. Ouboter willigte ein und steht nun, zwei Jahre später, unmittelbar vor dem Start der Serienproduktion.