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Mercedes A-Klasse im Fahrbericht:Intelligenter als die S-Klasse

Mercedes A-Klasse Innenraum Interieur Cockpit

Die neue Mercedes A-Klasse wartet mit einem revolutionären Innenraum auf. Aber gelingt damit wirklich ein Fortschritt?

(Foto: Daimler AG)

In der neuen Mercedes A-Klasse kämpfen bis zu drei bunte Bildschirme um die Aufmerksamkeit des Fahrers. Dermaßen überfrachtet lenkt dieses Auto einen ständig ab.

A wie ambitioniert - so lässt sich die über 20-jährige Geschichte der A-Klasse zusammenfassen. Das erste Kompaktauto unter diesem Namen war als Elektroauto konzipiert, doch das Hochbodenkonzept war seiner Zeit zu weit voraus. Über die gesamte Laufzeit wollten sich weder Akku noch Brennstoffzelle in dem riesigen Hohlraum unter den Sitzen einnisten. Genau wie beim Nachfolger, der ganz ähnlich konzipiert war. Die nächste A-Klasse war ein harter und mutiger Bruch mit fast allen für die Marke typischen Konventionen. Insbesondere das freche Design, die knackigen Proportionen und die fetzigen Fahreigenschaften waren auf Anhieb ein Hit beim immer jüngeren Publikum. Im vergangenen Jahr war mehr als jeder vierte verkaufte Mercedes ein Kompaktwagen. Mit bisher mehr als sechs Millionen verkauften Exemplaren hat sich Mercedes die Führung im Premium-Segment vor BMW und Audi erkämpft.

Jetzt steht wieder eine neue A-Klasse am Start - eher evolutionär vom Erscheinungsbild, aber in vieler Hinsicht ausgewogener als der Vorgänger und mit einem fortschrittlich-hochwertigen Interieur gesegnet, an dem sich die Konkurrenz die Zähne ausbeißen wird.

Die neue A-Klasse Kroatien 2018; W177

Das Fahren wird in der ab 30 232 Euro erhältlichen A-Klasse fast zur Nebensache.

(Foto: Daimler AG)

Doch auch Mercedes kann nicht zaubern. Um den Einstieg in Reihe zwei zu erleichtern, die Kopffreiheit zu erhöhen, mehr Platz für breite Schultern zu schaffen und den Gepäckraum um 29 Liter zu vergrößern, musste der Wagen zwölf Zentimeter länger werden. Erfreulich, dass es gleichzeitig gelang, das Leergewicht um 20 Kilogramm zu senken und die Rundumsicht deutlich zu verbessern. Trotzdem geht es im Fond immer noch vergleichsweise eng zu, und nicht nur Hutträger kollidieren wiederholt mit der Dachkante. Der Experte aus dem Produktmanagement verweist freundlich lächelnd auf die nächste B-Klasse, die zum Jahresende auch eingefleischte Höhersitzer und ältere Semester glücklich machen soll. Die A-Klasse huldigt dagegen nicht nur im AMG-Trimm dem Diktat der Dynamik. 2019 will ein auf über 400 PS gepimpter Verbrenner ein weiteres Ausrufezeichen setzen.

Die zum Start verfügbaren Triebwerke sind eher Hausmannskost. Der 85 kW (116PS) starke Diesel und der 1,3 Liter-Benziner mit 120 kW (163 PS) entstanden in Kooperation mit Renault. Der 2,0 Liter-Vierzylinder, der im A 250 mit 165 kW (224 PS) die Vorderräder auf Trab hält, ist ein Eigengewächs. Alle Aggregate erfüllen die strengen Euro-6d-Temp-Abgasstandards. Der 180d schluckt im Schnitt maximal 4,5 Liter, der A 200 braucht rund einen Liter mehr, das Gegenstück zum Golf GTI soll mit 6,5 Litern auskommen.

Fast so synthetisch wie bei einer Computerspiele-Konsole

Zwischen dem kleinen Benziner mit Schaltgetriebe (30 232 Euro) und dem A 250 mit Siebengang-Doppelkuppler (36 420 Euro) liegen Welten in Sachen Freude am Fahren. Der A-Klassen-Primus eilt nämlich in nur 6,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h. Ein Unding, dass selbst dieser Überflieger serienmäßig mit billigen Stahlfelgen und Plastik-Radkappen vom Band rollt.

Alles, was nett aussieht und besonders gut funktioniert, geht bei Mercedes eben ins Geld. Auf jeden Fall gönnen sollte man sich die Verstelldämpfer, in deren Aufpreis von 1178 Euro die unbedingt empfehlenswerte hintere Einzelradaufhängung enthalten ist. Die serienmäßige Verbundlenkerachse federt spröder, beginnt früher zu poltern und führt die Räder weniger präzise. Die elektrisch unterstützte Servolenkung arbeitet beim Einparken jetzt deutlich leichtgängiger, kann unter bestimmten Bedingungen die Spur halten und in kritischen Situationen korrigierend eingreifen. Die Bremse hat das Auto zwar stets im Griff, aber Pedalweg, Rückmeldung und Dosierung wirken fast so synthetisch wie bei einer Computerspiele-Konsole.