Mein Flugzeug im Vorgarten Dem Himmel so nah

Die Airparks in den USA und Frankreich sind für Hobbypiloten Traumadressen. Auch in Deutschland wird es demnächst Villen mit eigener Startbahn geben - direkt am Meer.

Von Dirk Engelhardt

Hobbypilot Troy Branning ist rundum zufrieden. Schließlich nennt er eine Villa in Spruce Creek sein eigen - eine kleine, gepflegte Siedlung, sieben Meilen von Daytona Beach (Florida) entfernt, und der Traum eines jeden Fliegers. Denn Spruce Creek ist ein Airpark: Mehr als 600 Flugzeuge stehen in den Vorgärten links und rechts des Cessna-Boulevards, die Garagen dienen als privater Hangar, Taxiways führen an den Grundstücken entlang direkt zur Startbahn. Keine Warteschlangen, keine Fluglotsen.

Schöner wohnen: Für Bruce Williams und Ehefrau Ann ist der beste Platz im Airpark Spruce Creek die Sofaecke im eigenen Hangar. Vor hier aus geht es direkt zur Startbahn, vorbei an ...

(Foto: Markus Altmann)

"Man kauft hier kein Haus, man kauft Lifestyle" - so werben Makler für die Häuser im Airpark. "Wer nur ein Auto hat, fährt manchmal zehn oder 15 Meilen zum Essen. Ich fliege manchmal mehrere 100 Meilen, nur um woanders zu frühstücken", brüstet sich Spruce-Creek-Bewohner Lenny Olson und macht deutlich, welche Standards hier gelten. Denn Geld spielt eine eher untergeordnete Rolle - natürlich haben alle Zugang zum Country-Club-Golfplatz und rund um die Uhr sorgt der Sicherheitsdienst für die nötige Abschirmung.

Geräumige, weißgetünchte Villen stehen in gebührendem Abstand voneinander auf sattgrünen, makellos gestutzten Rasenflächen, Palmen und Swimmingpools setzen farbliche Akzente. Eine Brise Urlaubsstimmung weht über das Gelände. Branning erzählt von den Formationsflügen, die verschiedene Pilotenclubs der Gemeinschaft regelmäßig veranstalten. Und die täglich für die Bewohner ein Spektakel darstellen, für das sie keinen Eintritt zahlen müssen. "Ich bin in einer Gruppe von Piloten, die alle Beechcraft fliegen. Jeden Mittwoch treffen wir uns, um zusammen irgendwohin zum Essen zu fliegen", erzählt Troy. Neben seiner Beechcraft Baron steht in seinem Hangar noch ein Leichtsportflugzeug der Marke Jabiru.

Dass Airparks in den USA, rund 600 gibt es, wesentlich populärer sind als in Europa, hat neben der unterschiedlichen Geografie auch mit den anfallenden Kosten zu tun. In Deutschland ist die Privatfliegerei ein relativ teures Hobby und ist dementsprechend nicht auf breiter Front machbar. In den USA hingegen ist es nicht außergewöhnlich, weite Strecken mit einem Privatflugzeug statt mit dem Auto zurückzulegen.

Von Miami nach Kalifornien? Kein Problem

"Die Leute wollen mit ihren Flugzeugen leben, weil es bequem ist und es sich rechnet", erklärt Dave Sclair, der die in der Fliegerszene populäre Webseite www.livingwithyourplane.com betreibt. Die lästigen Prozeduren beim Ein- und Auschecken an Flughäfen, die immer zeitintensiver werden, und die An- und Abfahrtswege vom Flughafen zum eigenen Wohnort entfallen für die Bewohner der Airparks. Und statt sich für teures Geld einen Hangar an einem Flughafen zu mieten, steckt man das Geld lieber in die XXL-Garage neben der Villa.

"Um einen Flug von Miami nach, sagen wir, Kalifornien zu unternehmen, brauchen wir einfach nur volltanken, uns in unser Flugzeug setzen und starten", schwärmt Branning. So etwas sei in Europa eben nicht so einfach möglich; in den USA müsse man nur gewisse Bereiche, in denen viel Flugverkehr herrscht, umgehen. Und in Flughöhen zwischen 5000 und 12000 Fuß sei auch kein extra Sauerstoff nötig. Zudem sind in den USA auch die Regelungen für jugendliche Piloten weniger streng. Kinder können bereits mit 14 Jahren einen Glider steuern. Und die Lizenz zum Steuern von einmotorigen Flugzeugen gibt es mit 16 Jahren.

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