Maserati Bora Wenn die Stunde schlägt

Gasförmige Zustände

Der Spagat zwischen Sport und Komfort gelang auch innen ohne Beinbruch. Vorherrschendes Material war Leder, von den veritablen Schalensitzen über Türverkleidungen, Instrumententräger und Mittelkonsole bis hin zum - natürlich - Volant.

Ansonsten herrschte anheimelnd-hochwertiger Teppichstoff vor, damals wohltönend "Moquette" geheißen, der den Boden und auch das rückwärtige Querschott zum Motor hin bedeckte. Wärmeisolation und Schalldämmung galten übrigens seinerzeit als herausragend.

Die getönten Scheiben wurden selbstverständlich elektrisch geöffnet und geschlossen, das Cassettenradio war nur vom Fahrer erreichbar, und die Klimaanlage gilt auch heute noch als durchaus leistungsfähig.

Das muss sie allerdings auch sein, denn einem langjährigen Bora-Fahrer (und trotzdem -Fan!) zufolge machen sich bei geöffnetem Fenster zwei äußerst unangenehme Phänomene bemerkbar: Zum einen wird merkwürdigerweise dann die Mittelkonsole (die unter anderem die Wasserzuleitungen vom Frontkühler zum Mittelmotor abdeckt) schnell sehr warm, und zum anderen dringen Auspuffabgase ins Wageninnere!

Das, so der "Zeuge", hängt wohl damit zusammen, dass die Auspuff-Endrohre nicht über die Hinterkante des Wagens hinausreichen - wie es bei anderen Sportwagen aus jenen Tagen durchaus an der Ordnung war (andere Modelle, zum Beispiel der Mercedes SL der 70er, hatten nach unten gekrümmte Auspuffmündungen, die den Dreck Richtung Boden drückten). Aber mit aktiver Air Condition sei alles in bester Ordnung...

Rechnung aufgegangen

Komfort und Luxus unterfütterten den Sportanspruch natürlich mit Pfunden. Das Leergewicht betrug rund 1500 Kilogramm. Damit war der Bora deutlich schwerer als der 1974 erschienene Lamborghini-Schocker Countach (1375 kg), aber ebenso spürbar leichter als etwa der Frontmotor-Gran-Turismo 365 GTB/4 von Ferrari, bekannt als "Daytona" (1625 Kilogramm).

Das Handling jedenfalls - so vermitteln es sowohl zeitgenössische Testberichte, als auch laute Lobeshymnen aktueller Besitzer und Lenker - ist wohl hervorragend. Demzufolge macht der Bora sogar auf dem Rennkurs eine nach wie vor gute Figur, und auch richtig lange Reisestrecken seien keineswegs eine Tortur. (Beifahrer sind da allerdings bisweilen anderer Meinung und klagen über zu niedrige Sitzposition und ungenügenden Fußraum.)

Fazit: Der Maserati Bora, von dem zwischen 1971 und 1978 offensichtlich nur 524 Exemplare ausgeliefert wurden (und der in bescheidenem Umfang auch Sportehren erfuhr), konnnte sich von Anfang an als das etablieren, wozu er konzipiert war: ein hochwertiger und sehr exklusiver Gran-Turismo, der ererbte Kultiviertheit mit unbestritten sportlichem Auftritt verband - ein Bulle mit Hang zur Dezenz.

Absolut undezent war hingegen der Verkaufspreis. In einem auto-motor-und sport-Autokatalog von 1972/1973 schlug der Bora mit 85.000 DM zu Buche - und damit die gesamte Konkurrenz von Ferrari über De Tomaso bis Lamborghini. Nur der Schweizer Peter Monteverdi ließ sich seine Sportwagen damals zum Teil nocht teurer löhnen.

Wir danken folgenden Personen für die hilfreiche Zuwendung in Form von hard facts, Insider-Informationen und Bildmaterial: Rolf Deichmann, Renate und Bernd Vieweg und einem weiteren Helfer (alle vom Maserati-Club Deutschland)