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Mallorca: Öffentlicher Nahverkehr:Mit der Tram zum Ballermann

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Die Trambahn fährt seit 1927 durch Sóller - und begeistert mittlerweile vor allem Touristen.

(Foto: Sascha Baumann/Getty Images)

Seit Jahren wird eine Straßenbahn in Palma de Mallorca geplant. Nun könnte ausgerechnet die Corona-Krise dem Projekt auf die Sprünge helfen.

Mallorca-Urlauber kennen das Problem: Einmal auf dem Flughafen der Insel angekommen, ist es gar nicht so einfach, von dort aus die letzten Kilometer bis zum Feriendomizil zu schaffen. Die Taxis auf der Insel sind nicht gerade günstig, der Bus fährt selten.

Die Regionalregierung arbeitet nun an einer Alternative: Palma soll endlich eine Straßenbahn bekommen, die das Stadtzentrum mit dem Flughafen und der bei deutschen Touristen beliebten Playa de Palma verbindet. Das Projekt ist nicht neu. Schon vor zehn Jahren gab es entsprechende Pläne, die aber wegen eines Regierungswechsels und der fehlenden Finanzierung bald wieder in der Schublade verschwanden. "Nun haben wir sie wieder hervorgekramt und überarbeitet", sagt Jaume Mateu, verantwortlich für den öffentlichen Nahverkehr auf der vor allem bei Gästen aus Deutschland und Großbritannien beliebten Ferieninsel.

Auf der Trasse des "Roten Blitz"

In einem ersten Schritt soll das Krankenhaus Son Espases mit der Plaça d'Espanya verbunden werden. Vorgesehen ist, dass die neue Straßenbahn die Trasse des Urlauber-Bummelzugs "Roter Blitz" nutzt. Den Namen erhielt der Zug von deutschen Urlaubern - vermutlich wegen der rötlich-braunen Lackierung der Waggons. Eigentlich heißt die Schmalspurbahn "Tren de Sóller" und wurde bereits im April 1912 eröffnet. Im Jahr 1927 wurde die 27 Kilometer lange Strecke elektrifiziert, die von Palma nach Sóller führt. Wurde die Trasse früher vor allem dazu genutzt, landwirtschaftliche Güter aus Sóller in die Inselhauptstadt zu bringen, so ist die Bahn heute vor allem ein Anziehungspunkt für Touristen. Diese steigen dann in Sóller gerne um in die "Tramvia de Sóller", eine fünf Kilometer lange Straßenbahnverbindung zum Port de Sóller. Mallorca hat also bereits eine, wenn auch überschaubare, Eisen- und Straßenbahnhistorie.

Diese könnte fortgesetzt werden. Der Baubeginn für die neue Straßenbahn könnte den Planungen zufolge 2023 sein. In einem zweiten Schritt ist geplant, dass die Strecke zum Flughafen und weiter über die Playa bis nach Arenal führen wird. "Hier müssen wir noch ausarbeiten, ob das unterschiedliche Linien werden oder alles von einer Linie abgefahren wird", sagt Mateu. Die Tram soll einen Häuserblock vom Strand entfernt durch den vor allem bei deutschen Urlaubern beliebten Ort fahren. Eine Haltestelle am "Ballermann" genannten Abschnitt selbst ist zwar noch nicht festgelegt, aber mehr als wahrscheinlich.

"Mit 13 Millionen Fahrgästen jährlich sind die Busse zum Flughafen und an die Playa de Palma das meistgenutzte öffentliche Verkehrsmittel der Balearen", erklärt Verkehrsexperte Mateu. Daher erhofft sich die Regierung, dass die Straßenbahn dann auch tatsächlich genutzt wird. Das ist bei Palmas Metro, die 2007 eröffnet wurde und von der Innenstadt bis zur Universität führt, eher weniger der Fall: "Die ist für Mallorcas Verhältnisse ehrlich gesagt eine Nummer zu groß gewesen", sagt Mateu.

Das Straßenbahn-Projekt soll zwischen 380 und 400 Millionen Euro kosten. Viel Geld für die Insel, die derzeit wegen der Corona-Pandemie finanziell angeschlagen ist. Viele Urlauber bleiben aus, zahlreiche Hotels, Cafés und Restaurants sind geschlossen. Zuletzt gingen viele Beschäftigte und Unternehmer auf die Straße und protestierten gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Doch die Regierung der Balearen verschärfte diese erst Mitte Januar drastisch. Die Balearen hatten die Pandemie lange Zeit relativ gut im Griff. Seit Dezember wird die Lage aber immer besorgniserregender: Zeitweise hatten die Inseln die höchsten Zahlen ganz Spaniens.

Wegen Covid-19 stehen Mittel bereit

Doch gerade die Pandemie ist es, die das bereits als Luftschloss verschriene Projekt möglich macht. Von den Geldmitteln, welche die EU-Kommission zur Bekämpfung der Krise aufgelegt hat, erhofft sich Mallorca etwa 300 Millionen Euro in den nächsten beiden Jahren. "Die Gelder sind für drei Dinge gedacht: Sie sollen die sozialen Auswirkungen der Krise bekämpfen. Den Klimawandel stoppen. Und die Wirtschaft wieder ankurbeln", sagt Mateu. Ein großer Teil könnte daher in die Straßenbahn investiert werden, argumentiert er.

Ein weiterer möglicher Geldgeber ist die Zentralregierung in Madrid. "Da die Balearen von den staatlichen Bahnlinien auf dem Festland nicht profitieren, stehen uns da noch Mittel zu", rechnet Mateu vor. Einem Abkommen mit der Zentralregierung von 2007 zufolge bekommen die Balearen zudem 431 Millionen Euro für den Straßenausbau. Von diesem Betrag stehen noch 225 Millionen Euro aus. Hier ist es jedoch Verhandlungssache, ob die Gelder nur für neue Straßen oder auch für eine neue Straßenbahn verwendet werden dürfen.

Klar indes ist: Bis das Projekt umgesetzt werden kann, dürfte - ähnlich wie bei großen Verkehrsprojekten in Deutschland - noch viel Zeit vergehen. In den kommenden Ferien werden Touristen, sofern sie wegen der Pandemie überhaupt nach Mallorca reisen dürfen, wohl auch weiterhin mit dem Taxi oder dem Bus fahren müssen.

© SZ/dpa/mvö
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