Macht Bio überhaupt noch Sinn?:Die Klimarechnung geht nicht auf

Darüber hinaus trüben weitere Faktoren die Umweltbilanz der Biokraftstoffe ein. Beim Rapsanbau bildet sich Distickstoffoxid N20 - das sogenannte Lachgas, das ebenso wie CO2 in der Reihe der klimaschädigenden Gase steht. Zudem setzen die Pflanzen Kohlenwasserstoffe frei, und auch die wurden von der Forschung längst als Klimakiller geoutet.

"Flächenkonkurrenz" ist das andere große Thema, das die vehemente Kritik der Biospritgegner auf den Plan gerufen hat. Denn wo der Anbau von Treibstoffpflanzen die Nutzpflanzen für die Lebensmittelproduktion verdrängt, verknappen sich Grundnahrungsmittel und die Preise ziehen an.

Schon deshalb sei der Anbau von Pflanzen für den Antrieb von Autos nicht zu rechtfertigen, argumentieren Kritiker, zu denen unter anderem die Umweltschutzorganisation Greenpeace gehört. Völlig kontraproduktiv werde Biokraftstoff zudem, wenn Wälder für den Anbau von Rohstoffen abgeholzt werden.

Die Verkehrsexperten vom Umweltbundesamt (UBA) bewerten den Einsatz von Biodiesel und Bioethanol ebenfalls kritisch. Diese sogenannten Biokraftstoffe der ersten Generation seien viel zu ineffizient, weil nur Teile der Pflanzen genutzt werden könnten, sagt UBA-Verkehrsexperte Andreas Ostermeier. In Ländern wie Deutschland stünden zudem nicht genügend Anbauflächen zur Verfügung, um den Kraftstoffbedarf der Autos auch nur annähernd mit "Bio" zu decken. Die Markteinführungsförderung dieser Biokraftstoffe sollte deshalb "korrigiert werden", empfahl die Behörde schon 2007.

Die Zahl der Autos, die mit reinem Biodiesel "B100" gefahren werden können, sinkt ohnehin. Moderne Antriebe ab Euro 4 bekommen in aller Regel keine Hersteller-Freigabe für reinen Biodiesel. Denn der Pflanzenstoff, der eine andere Konsistenz als mineralölhaltiger Diesel hat, schädigt vor allem bei neueren Antriebssystemen Dichtungen und andere Kunststoffteile.

Von den rund 1900 Tankstellen, die vor einigen Jahren B100 noch im Angebot hatten, sind inzwischen nicht einmal 200 übrig geblieben. Doch die Politik, die sich ehrgeizige Klimaziele gesetzt hat, will an den Biokraftstoffen festhalten. Weil der reine Biostoff nicht bekommt, muss "Bio" zu normalem Benzin und Diesel beigemischt werden.

Angesichts der vielschichtigen Kritik ruderte der Gesetzgeber ein bisschen zurück, fror die verordneten Beimischungsquoten für die nächsten Jahre erst einmal auf 6,25 Prozent ein - anstatt sie wie ursprünglich geplant in kleinen Schritten anzuheben.

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