Luxus-Autohersteller Aston Martin will jetzt auch mal Geld verdienen

In "Skyfall" fährt Daniel Craig als James Bond noch den alten DB5. In "Spectre" steigt er auf den hochexklusiven DB10 um.

(Foto: United Artists Corporation, Columbia Pictures Industries)

Die Sportwagenmarke war schon sieben Mal pleite und verkauft derzeit kaum Autos. Nun soll sie endlich profitabel werden - mit Luxuslimousinen, SUVs und Handtaschen aus Krokodilleder.

Von Björn Finke, Gaydon

Dieser Sportwagen ist eine Rarität. Eine Rarität, die zig Millionen Menschen gesehen haben: Aston Martin, Fabrikant ebenso teurer wie schneller Autos, entwickelte für den jüngsten James-Bond-Streifen "Spectre" eigens ein Modell. Nur zehn dieser Flitzer namens DB10 wurden gebaut, Bond-Darsteller Daniel Craig raste mit ihnen nachts durch Rom. Schon seit "Goldfinger", also seit gut fünfzig Jahren, vertraut der Geheimagent Ihrer Majestät in seinen Filmen auf Aston Martin. In der Zentrale des Autoherstellers, im Dorf Gaydon in der Nähe von Birmingham, ist einer der zehn Bond-Boliden aus "Spectre" ausgestellt. Neben der Tür, die vom Bürogebäude in die Fabrik führt, funkelt er in Silber metallic vor sich hin.

Die Fabrik ist das einzige Autowerk der englischen Traditionsmarke. Auf der einen Produktionsstraße wird seit September der DB11 gefertigt - das neue Modell, das dem Bond-Flitzer durchaus ähnelt -, die andere ist für ältere Fahrzeugtypen reserviert. 40 Stationen durchläuft der DB11, damit aus einer nackten Karosserie ein 204 900 Euro teurer Sportwagen wird.

Aston Martin V8 Vantage Eine Affäre - aber nichts Festes
Test
Aston Martin V8 Vantage N430 im Test

Eine Affäre - aber nichts Festes

Dieser Aston Martin sieht hinreißend aus, klingt toll und macht Spaß in Kurven. Doch er gönnt sich Macken - und eine davon verhagelt alles.   Von Thomas Harloff

Die Rennflunder, die 322 Kilometer pro Stunde schafft, ist das erste einer ganzen Reihe neuer Modelle, mit denen Aston Martin eine rasante Wende hinlegen will: Der kleine Hersteller soll endlich dauerhaft Gewinne schreiben, vielleicht sogar den Schritt an die Börse wagen. Profitabel zu sein, gelang ihm zuletzt 2010. Dafür ging das Unternehmen in seiner 104-jährigen Geschichte sieben Mal Pleite.

An einer Station der Produktionsstraße zwängt sich ein Arbeiter in den Fußraum eines DB11 und friemelt am lederbezogenen Armaturenbrett herum. Am Rande der Halle sitzen Frauen vor Nähmaschinen und nähen Sitzbezüge aus schottischem Rindsleder zusammen. Gerade liegt knallrotes Leder auf dem Tisch einer der Frauen. In dieser Fabrik ist das meiste Handarbeit, Roboter gibt es wenige.

Die Verkäufe haben sich seit 2004 halbiert

"Jedes Auto auf der Produktionsstraße ist unterschiedlich, wegen der Ausstattungswünsche der Kunden", sagt Firmenchef Andy Palmer. "Dafür sind hoch qualifizierte Mitarbeiter besser geeignet als Roboter." Palmer empfängt in seinem Büro, trägt aber statt Anzug eine Arbeitsjacke mit Aston-Martin-Logo. "Ich habe gerade fertige Autos inspiziert", sagt der 53-jährige Ingenieur und promovierte Betriebswirt, der auch privat Aston Martin fährt.

Der Vorgänger des DB11, der DB9, kam schon 2004 auf den Markt - eine Ewigkeit in der Branche. Zu der Zeit gehörte Aston Martin zum US-Konzern Ford, doch drei Jahre später verkauften die Amerikaner die Sportwagen-Marke an kuwaitische Investoren. Damals setzten die Engländer 7300 Autos ab, 2015 waren es nur noch 3615. "Das Unternehmen brachte kaum neue Modelle heraus und geriet darum langsam in Vergessenheit", sagt Palmer. Der frühere Nissan-Manager fing 2014 in Gaydon an. Bereits zwei Jahre vorher hatte ein italienischer Finanzinvestor 150 Millionen Pfund in die sieche Firma gesteckt und dafür gut ein Drittel der Anteile erhalten. 2013 übernahm Daimler fünf Prozent der Anteile. Als Gegenleistung darf Aston Martin Technik der Stuttgarter nutzen.

Sechs weitere Modelle bis 2022

Frisches Kapital aus Italien, Technik aus Deutschland, ein anderer Chef: Der Hersteller, gegründet 1913 von Lionel Martin und seinem Geschäftspartner, war bereit für den Neustart. Palmers Plan sieht vor, 2018 wieder Gewinn zu erzielen. In dem Jahr soll auch die Autofabrik eröffnen, die Aston Martin im Süden von Wales hochzieht. Das Werk wird mit 750 Beschäftigten 7000 Fahrzeuge im Jahr produzieren können, genau so viele wie die Fabrik in Gaydon. In Gaydon, wo bisher 2100 Angestellte arbeiten, sollen 250 Jobs entstehen. Denn Palmer will bis 2022 sechs weitere Modelle einführen und die Verkaufszahlen drastisch erhöhen.

"Ferrari stellt im Moment gut 7000 Sportwagen im Jahr her", sagt der Manager. "Wir wollen 7000 klassische Sportwagen im Jahr produzieren und darüber hinaus mehrere Tausend andere Fahrzeuge."

Gaydon soll sich auf die klassischen Flitzer wie den DB11 konzentrieren. In Wales dagegen wird Palmer einen rasanten Pseudo-Geländewagen fertigen lassen. Die Nachfrage nach diesen SUVs, also Sport-Utility-Vehicles oder Sport- und Nutzfahrzeugen, boomt seit Jahren. Das lockt auch Luxushersteller: Die englische Edelmarke Bentley brachte so einen klobigen Wagen 2016 auf den Markt. Rolls-Royce und Lamborghini folgen 2018. Ein Jahr später ist dann Aston Martin dran.