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Luftverkehr:Wasserfälle in der Luft

Transparente Außenwände, virtuelle Kabineneinrichtung, Energiegewinnung durch die Körperwärme der Gäste: So stellt sich Airbus den Passagierflug im Jahr 2050 vor.

Visionen machen sich immer gut - besonders für Technologieunternehmen, die sich auf diese Weise zukunftsorientiert zeigen und gleichzeitig die Phantasie des Publikums beflügeln können. Der europäische Flugzeughersteller Airbus ist dabei besonders aktiv und versprach vor gut zehn Jahren den Flugreisenden Großartiges: Wasserfälle, Bowlingbahnen, Restaurants, Fitness-Räume und schicke Bars sollten das Fliegen im Riesen-Airbus A380 revolutionieren. Entsprechend hoch waren die Erwartungen.

Mobiles Leben

Schöne, neue Welt: Bequeme Sitze aus nachwachsenden Rohstoffen, eine Flugzeugkabine mit selbsttragender, fachwerkähnlicher Struktur.

Die Realität aber sieht anders aus. 53 der doppelstöckigen Jets sind inzwischen an weltweit sechs Airlines ausgeliefert - und nahezu nichts von den Verheißungen findet sich an Bord der A380-Flotten. Stattdessen bis zu 538 Sitze bei Air France, die französische Air Austral will den Riesen in naher Zukunft sogar mit 840 Plätzen in einer puren Economy-Version betreiben.

Einzig Emirates sticht mit zwei Duschen in der First Class und einer großzügigen Bar auf dem Oberdeck heraus. "Ich glaube nicht, dass bei den weiteren A380-Kunden noch revolutionäre Einrichtungen dazukommen werden", sagt Richard Carcaillet, Chef des A380-Produktmarketings. Deshalb wirft der Hersteller jetzt einen Blick in die ganz ferne Zukunft - und lässt Passagiere damit erneut von einem gänzlich neuen Fluggefühl träumen.

Im Jahr 2050 werden Flugzeuge nach bionischen Prinzipien gebaut, davon gehen die Airbus-Ingenieure heute aus."Dabei wird sich die Struktur an Vogelknochen orientieren, die sowohl leicht als auch hochfest sind", sagt Ingo Wuggetzer, Leiter Kabineninnovation und Design. "Wie ein Fachwerk werden nur an tragenden Stellen Strukturteile sein; wir müssen wegkommen von der heutigen Bauweise mit Platten aus Aluminium oder Verbundwerkstoffen."

Die neue Struktur ließe sich nutzen für große Öffnungen - möglich würden dadurch größere Türen für leichteres Ein- und Aussteigen oder aber ausladende Fenster für bislang unbekannte Panoramablicke. Dann hätten die herkömmlichen Gucklöcher im Stil von Bullaugen ausgedient. Stattdessen könnte auf Knopfdruck die gesamte Außenhaut transparent werden.

"Die bionische Kabinenstruktur wird mit einer Biopolymermembran beschichtet, das die natürliche Lichtmenge, Feuchtigkeit und Temperatur steuert", erklärt Ingo Wuggetzer, "diese intelligente Struktur macht das Flugzeug leichter und kann den Passagieren eine 360-Grad-Aussicht bieten."

Luftverkehr

Fliegen in der Zukunft