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Luftrettung:Im Notfall besser

Ein Rettungshubschrauber hat alles an Bord, was Notfallmediziner benötigen.

(Foto: DRF Luftrettung)

Die DRF Luftrettung setzt einen neuen Airbus-Helikopter mit Fünfblattrotor ein. Der bietet einige Vorteile - nicht nur im Kampf gegen die Corona-Pandemie.

Von Marco Völklein

Dietmar Gehr freut sich schon auf den ersten Flug mit der neuen Maschine. Der Rotor und insbesondere die neue Rotornabe am Mast des Hubschraubers seien "das zentrale System eines Helikopters", erklärt der Leiter Koordination Technik der DRF Luftrettung. Kommen diese Komponenten nun komplett neu und völlig anders daher als bislang, dann sei das "auf jeden Fall etwas Besonderes", sagt Gehr.

Die Maschine vom Typ Airbus H145 mit dem neuen Fünfblattrotor lasse sich zwar trotz der erheblichen Veränderungen am Hauptrotor prinzipiell ähnlich steuern wie die bisherigen Helikopter, bei denen sich lediglich vier Blätter über der Kabine drehen. Dennoch schwärmt der ausgebildete Hubschrauberpilot von einem "deutlich direkteren Ansprechverhalten auf Steuereingaben", spricht von einer "wesentlich verbesserten Laufkultur" und damit weniger Vibrationen. Zudem biete die Maschine weitere Vorteile, unter anderem eine höhere Nutzlast. "Das eröffnet uns im Einsatz neue Möglichkeiten", sagt Gehr.

Gefragte Luftretter

Kurz vor Weihnachten holten Piloten und Techniker der DRF Luftrettung im Airbus-Werk in Donauwörth die H145 mit dem neuen Fünfblattrotor ab. Es war zwar nicht die erste Maschine dieses Typs überhaupt; die ging bereits Ende September an die Norwegian Air Ambulance Foundation, die in Norwegen die Notfallrettung aus der Luft betreibt. Aber die von der DRF Luftrettung nun abgeholte und nach Rheinmünster in Baden überführte Maschine war die erste, die für den deutschen Luftraum vorgesehen ist. Noch allerdings sei offen, auf welcher der bundesweit etwa 30 von der DRF betriebenen Luftrettungsstationen in Deutschland die neue Maschine eingesetzt wird, sagt DRF-Vorstandsvorsitzender Krystian Pracz.

Klar ist aber: Die Maschine wird dringend gebraucht. Denn die Luftretter haben aktuell viel zu tun, nicht nur die der DRF, sondern auch die Piloten, Notärzte und Notfallsanitäter der gemeinnützigen ADAC Luftrettung, die neben der DRF der zweite große und wichtige Betreiber von Luftrettungsstationen in Deutschland ist.

Vor allem die Covid-19-Pandemie beschäftigt die fliegenden Retter aktuell stark: So stellte die DRF Luftrettung erst kurz vor Weihnachten an ihrer Station in Bautzen in Sachsen einen zusätzlichen Rettungshubschrauber vom Typ Airbus EC135 in Dienst. Der soll die bereits dort eingesetzte Maschine vom Typ H145 (allerdings noch mit Vierblattrotor) und deren Crew vor allem bei Notfalleinsätzen entlasten - und so freie Kapazitäten schaffen, damit Covid-19-Patienten in andere Kliniken verlegt werden können. Für zunächst drei Monate wird der zusätzliche Helikopter im von der Pandemie arg gebeutelten Ostsachsen eingesetzt werden.

Fünf Rotorblätter lassen den neuen Hubschrauber abheben.

(Foto: DRF Luftrettung)

DRF-Vorstandschef Pracz rechnet - wie auch sein Kollege Frédéric Bruder von der ADAC Luftrettung - ohnehin fest damit, dass die Nothilfe aus der Luft in vielen Bundesländern künftig weiter ausgebaut wird. Denn vielerorts werden Krankenhäuser - insbesondere in ländlichen Gebieten - auf kurz oder lang gesehen dichtmachen oder ihr medizinisches Versorgungsangebot zumindest begrenzen, glauben Bruder und Pracz.

Rasche Hilfe in abgelegenen Regionen

Überführungsflüge für Patienten mit schwereren und komplizierteren Fällen in andere (besser ausgestattete) Kliniken werden dann zunehmen; ebenso werden Rettungshelikopter vermutlich öfter zum Einsatz kommen, um medizinisches Fachpersonal beispielsweise zu Unfallopfern oder Notfallpatienten in abgelegenen Regionen zu bringen.

Umso wichtiger sei es, stets mit dem aktuellsten Material in die Luft zu gehen, betont DRF-Technikleiter Timo Demeter. Dank des neuen Fünfblattrotors und der neuen Rotornabe sei es den Airbus-Technikern gelungen, das Eigengewicht des Hubschraubers um 50 Kilogramm zu reduzieren; zudem konnten die Entwickler die Aerodynamik des Hubschraubers verbessern und so das maximale Abfluggewicht um etwa 100 Kilo steigern. Unterm Strich ergebe das eine um 150 Kilogramm höhere Nutzlast - in der Welt der Helikopter sei das ein extremer Sprung, sagt Pilot Gehr: "Normalerweise bewegt man sich bei der Hubschrauber-Entwicklung in Ein-Kilo-Schritten."

Mehr Sprit für längere Flüge

Die höhere Nutzlast wiederum gibt den Luftrettern nun zusätzliche Spielräume. So könnten die Piloten künftig mehr Sprit an Bord nehmen und damit zum Beispiel die Reichweite erhöhen - was insbesondere bei Überführungsflügen zwischen zwei Kliniken eine Rolle spielt. Möglich ist es aber auch, dass die Crews zusätzliches medizinisches Gerät mit an Bord nehmen oder Blutkonserven, um einem Unfallopfer direkt am Ort des Geschehens helfen zu können.

Zunächst allerdings haben die DRF-Retter ihre erste Maschine mit Fünfblattrotor in ihre Helikopterwerft nach Rheinmünster geflogen, knapp 50 Kilometer südlich von Karlsruhe gelegen. Dort wird das medizinische Equipment eingebaut - unter anderem montieren Techniker Halterungen für die diversen Medizingeräte und installieren ein Sauerstoffsystem sowie eine elektrische Beleuchtung im Heck des Helikopters. Bei weiteren Maschinen wird es ähnlich laufen. Denn die DRF Luftrettung hat nach eigenen Angaben einen Rahmenliefervertrag mit Airbus über 15 neue Fünfblattrotor-Hubschrauber mit einer Laufzeit bis zum Jahr 2028 abgeschlossen. Der Stückpreis pro Helikopter liegt inklusive medizinischem Equipment bei neun Millionen Euro.

© SZ
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