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Luftfahrt:Schöner Fliegen

Der Innenraum eines Airbus A350.

Bei Airbus in Hamburg haben die Kunden die freie Wahl, was die Bestuhlung, die Seitenwände, die Farbe des Lichts und vieles mehr angeht.

(Foto: Airbus)

Polarlicht in der Kabine? Geräumigere Toiletten? Bei Airbus in Hamburg suchen Fluglinien-Manager die Inneneinrichtung für ihre Maschinen aus. Kleinste Details machen für Passagiere große Unterschiede.

So ein Rinderfilet auf ihrem Teller ist für viele Menschen ein beglückender Anblick. "Aber wenn wir das jetzt grün anstrahlen, isst das niemand mehr." Jörg Schuler steht im hinteren Teil der Flugzeugkabine, Steak hat er keines dabei, aber eine Schüssel voller Obst. "Schauen Sie mal", sagt er, "sieht grauenhaft aus. Das Licht beeinflusst das Aussehen des Essens."

Wer sich in Hamburg einmal durch den Elbtunnel staut, landet im Stadtteil Finkenwerder. Dort fertigt Airbus Teile für verschiedene Flugzeuge - und dort ist auch das Kundendefinitionszentrum, kurz CDC. Hierher kommen die Airline-Manager, um die Innenausstattung ihrer Flugzeuge auszusuchen. Das betrifft die Bestuhlung, die Seitenwände, die Farbe der Vorhänge, die Gestaltung der Waschräume. Und das Licht. "Das Licht gehört zu den wichtigsten Entscheidungen überhaupt", sagt Schuler. "Es entscheidet, wie sich die Passagiere während des Aufenthalts an Bord fühlen."

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Das Innenraum-Design eines Flugzeugs ist eine komplexe Angelegenheit - und für Fluglinien wettbewerbsentscheidend, sagt Schuler. "Die Geschäftsmodelle der Airlines sind heute sehr unterschiedlich." Einige setzen auf viele verschiedene Reiseklassen innerhalb des Flugzeugs, um sowohl kostenbewusste als auch zahlungsfreudige Klientel anzusprechen. Andere positionieren sich eindeutiger. All das hat Einfluss auf das Design. "Die Gestaltung der Passagierkabine ist für die Airlines ein Aspekt, um sich von der Konkurrenz abzugrenzen", sagt Schuler. "Deshalb sind die Entscheidungen, die hier getroffen werden, mitentscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens."

Im Durchschnitt kommen jeden Tag Vertreter von zwei verschiedenen Fluggesellschaften nach Finkenwerder. An diesem Vormittag sind Abordnungen von Japan Airlines und von Singapore Airlines auf dem Gelände. Bis ein Flugzeug vollständig konfiguriert ist, stehen eine Menge Besuche auf dem Plan. Bis zu 15 Mal schicken die Gesellschaften Leute vorbei, um zwischen vielen Millionen unterschiedlichen Gestaltungsvarianten auszuwählen. Allein die Erstellung des Lichtkonzepts dauert gut eine Woche - "kein Grün beim Essen" als Parameter reicht nicht. Das Lichtkonzept bei modernen Flugzeugen umfasst normalerweise mehrere Szenarien: Es gibt Licht für die Zeit des Einsteigens, Licht während des Essens, Licht vor dem Einschlafen und zum Aufwachen. Bei Langstreckenflügen soll das Lichtkonzept zudem helfen, den Jetlag zu verringern.

Manche Fluglinien nehmen es ganz genau

Rücken Airline-Manager zur Lichtauswahl an, wird eine der zahlreichen Testkabinen auf dem Gelände zu einem genauen Abbild des bestellten Flugzeugs umgebaut: Die Vorhänge entsprechen dann jenen, die die Airline nutzt, ebenso die Teppiche, das Logo der Fluglinie ist zu sehen, die Flugzeugsitze sind richtig bezogen und angeordnet. Die Kunden sollen einen realistischen Eindruck von dem Reiseerlebnis bekommen, das sie für ihre Passagiere bestellen. Schließlich geht es um einen Menge Geld - zwischen 300 und 400 Millionen Euro kostet ein Airbus A350, abhängig von der gewählten Ausstattung.

Manche Fluglinien nehmen deshalb die Sache mit dem Alleinstellungsmerkmal auch ganz genau: Finnair etwa wollte in seinen Kabinen das Polarlicht nachahmen. Es habe Wochen gedauert, die Lichtanlage richtig zu programmieren, erzählen die Airbus-Leute. Am Ende habe es sich ausgezahlt. Die Passagiere der skandinavischen Airline können sich nun an einzigartigem Licht erfreuen - auch in den Toiletten. "Das Design muss zum Markenauftritt des Unternehmens passen, und der beinhaltet auch die Waschräume", sagt der CDC-Manager Alexander Jürs.

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