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Luftfahrt-Historie:Die alte Lady bekommt eine neue Haut

Beim Auseinanderbauen stellten die Mechaniker zudem fest, dass auch große Teile der Wellblech-Außenhaut des Flugzeugs ausgetauscht werden mussten. Wobei der Begriff Wellblech eigentlich falsch ist, wie Grütjen betont. Denn die Hülle der Ju 52 bestand schon in den Dreißigerjahren aus Gewichtsgründen vorwiegend aus Aluminium. Grütjen und seine Leute nahmen also große Teile der gewellten Aluminiumflächen ab und ersetzten diese durch neues Material.

Wer nach Hamburg fährt und die 110 Quadratmeter Flügelfläche bestaunt, die in der Halle hochkant stehen, um bearbeitet zu werden, der sieht große, grüne Flächen Wellblech. "Alles, was grün ist, ist neu", sagt Grütjen. Und musste ebenfalls von Hand gefertigt werden.

10 000 Flugstunden

hat die Junkers 52 der Deutschen Lufthansa Berlin-Stiftung in den vergangenen drei Jahrzehnten absolviert. Ausgeliefert wurde die Maschine 1936 an die damalige Lufthansa, dann nach Norwegen verkauft. Nach dem Krieg flog sie unter anderem in Amerika, bevor sie von Lufthansa-Piloten in schlechtem Zustand auf einem Flugfeld in den USA entdeckt wurde. 1984 kaufte sie die Lufthansa und ließ sie instand setzen. Zwei Jahre dauerte die Restaurierung. Seither absolvierten mehr als 200 000 Passagiere Flüge mit der Ju 52 mit der Kennung D-AQUI am Heck.

"Die Ausstattung ist der eines Airbus A380 ebenbürtig"

Fertigungsunterlagen von Junkers aus dem Jahr 1944 dienten den Technikern dabei als Grundlage. Aus den Papieren konnten sie auch Rückschlüsse auf alte Fertigungstechniken ziehen. Zum Teil aber kamen dann neue Werkstoffe, beispielsweise eine leicht veränderte Art Aluminium, zum Einsatz. "Wir standen immer wieder vor einer Frage", sagt Grütjen: "Wie hat der Herr Junkers das damals gemacht?" Um Antworten zu finden, schalteten die Techniker auch Fachleute aus diversen Lufthansa-Labors ein, um beispielsweise Zugfestigkeiten oder Steifigkeiten zu bewerten.

Hinzu kommt: Alles, was die Techniker machten, mussten sie mit dem Luftfahrtbundesamt abstimmen und entsprechende Nachweise vorlegen - etwa darüber, dass heutige Werkstoffe denen von 1936 in nichts nachstehen. Die Aufseher wollen schließlich sichergehen, dass da ein technisch einwandfreies Flugzeug abhebt. Zumal sich unter der gewellten Alu-Haut auch viel moderne Technik verbirgt. Damit sie auch auf großen Flughäfen wie Frankfurt, Wien oder München landen kann, hatten die Lufthansa-Techniker der Maschine schon vor Jahren Geräte für den Instrumentenflug verpasst.

"Tante Ju" soll ihren 100. Geburtstag im Flug erleben

Zudem verfügt die Junkers unter anderem über GPS-Navigation, Gewitter-Erkennung, ein Gerät zur Warnung vor Segelfliegern sowie einen Sender, der es den Vorfeldlotsen etwa in Wien erlaubt, das Flugzeug auf dem Bodenradar zu verfolgen. "Alles in allem ist die Ausstattung der eines modernen Passagierflugzeugs ebenbürtig", sagt Grütjen. Das zeigt auch ein Blick ins Cockpit: Dort dominieren nur scheinbar die Rundinstrumente aus der Anfangszeit der Verkehrsfliegerei. Tatsächlich sind viele Anzeigen digital; sie gaukeln die alte Optik nur vor.

Mehr als eine Million Euro flossen in die Überholung des Flugzeugs, 400 000 Euro schoss der Bund aus Denkmalschutzmitteln zu. Schließlich steht die alte Tante seit 2015 unter besonderem Schutz: Laut Lufthansa-Stiftung wurde es als erstes Passagierflugzeug der Welt als fliegendes Denkmal anerkannt. Die Maschine stehe "wie kaum ein anderes Flugzeug für die deutsche Luftfahrtgeschichte", sagt Hamburgs Kulturstaatsrat Carsten Brosda. "Die Tante Ju ist nicht irgendein Flugzeug", meint auch Matthias Panten, Technischer Betriebsleiter der Lufthansa-Stiftung. Er ist sich sicher: Nach der Behandlung auf der Intensivstation wird die betagte Dame ihren 100. Geburtstag "im Fluge" erleben.

Junkers Ju 52 Die Junkers Ju 52 in Bildern Bilder

Luftfahrt

Die Junkers Ju 52 in Bildern

Bereits seit 2015 wird die "Tante Ju" in der Hamburger Lufthansa-Werft aufwändig restauriert. Wie die Experten dabei vorgehen.