Los Angeles Auto Show 2014:Prunk, Protz und Prestige

Bei der LA Auto Show spielen CO₂-Grenzwerte und Spritverbrauch kaum eine Rolle. Stattdessen geht es um Kraft, Design und Luxus im Überfluss. Nur Toyota stemmt sich gegen den Trend.

Von Thomas Harloff

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Der verhüllte Audi Prologue auf der Los Angeles Auto Show 2014

Quelle: Bloomberg

Es wirkt paradox. Kalifornien als der US-Bundesstaat, in dem in den Sechzigerjahren die ersten Abgasgrenzwerte überhaupt eingeführt wurden und der auch heute in dieser Hinsicht noch sehr strenge Regeln aufstellt, ist ein echtes Mekka der Sportwagen und Luxusautos. Wer einmal im Großraum Los Angeles unterwegs ist, wundert sich jedes Mal wieder über die Anhäufung von teuren Automobilen. Wer einen Bugatti, Rolls-Royce oder Bentley in freier Wildbahn sehen möchte, hat hier besonders große Chancen.

Kein Wunder, dass die Aussteller auf der Los Angeles Auto Show vor allem neue Topmodelle präsentieren. Mercedes, Porsche und Bentley ködern potenzielle kalifornische Kunden mit exklusiven Luxusvarianten ihrer Modelle. BMW, Ford, Jaguar und Volkswagen setzen auf leistungsstarke Dynamik. Über CO₂-Grenzwerte, Spritverbrauch und alternative Antriebe scheinen sich einzig die Japaner von Toyota ernsthafte Gedanken gemacht zu haben.

Süddeutsche.de stellt die Neuheiten der LA Auto Show auf den folgenden Bildern vor.

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Audi Prologue

Audi Prologue Concept auf der Los Angeles Auto Show 2014

Quelle: Bloomberg

Audis neuer Designchef Marc Lichte, der zuvor für VW zahlreiche Modelle zeichnete, kam im Februar mit viel Vorschusslorbeer nach Ingolstadt. In Los Angeles enthüllt der 45-Jährige seinen ersten Entwurf für seinen neuen Arbeitgeber: die Konzeptstudie Prologue. Das Showcar zeigt nicht nur, wie ein künftiges A9-Luxuscoupé aussehen könnte, sondern gilt als "Signature Car" für Audi. Es gibt also die Formensprache für die nächsten Jahre vor, weshalb sich Audi-Fans schon einmal an riesige Kühlergrills, grimmig gezackte und eng zusammengekniffene Scheinwerfer sowie schmale Fenster gewöhnen sollten.

Im Innenraum gibt es einen digitalen Butler, der die Insassen an ihren Smartphones erkennt, die Sitze und Klimaanlage nach deren Vorlieben einstellt und auch die Musikauswahl und Routenführung daran orientiert. Das Armaturenbrett treibt das virtuelle Cockpit des neuen Audi TT auf die Spitze. Die Instrumententafel ist über die gesamte Breite als Anzeigefläche gestaltet und beinhaltet drei Touscreens - zwei für den Fahrer und einen für den Beifahrer. Ein vierter tastempfindlicher Monitor befindet sich in der Mittelkonsole.

Auch beim Antrieb des Showcars hat Audi jegliche Zurückhaltung abgelegt. Ein Biturbo-V8 mit vier Litern Hubraum, 605 PS und maximal 750 Newtonmetern soll den fast zwei Tonnen schweren Zweitürer in 3,7 Sekunden von Null auf Hundert beschleunigen. Ein neuartiger Hybridantrieb soll den Durst trotz immenser Kraft auf durchschnittlich 8,6 Liter beschränken. Einen Wert, den in der Realität wohl nur Gaspedal-Streichler erreichen.

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Mercedes-Maybach S 600

Gorden Wagener mit dem Mercedes-Maybach S 600 auf der Los Angeles Auto Show 2014.

Quelle: AP

Auch am Mercedes-Stand hatte der Chefdesigner - Gordon Wagener - seinen großen Auftritt. Wobei "groß" das passende Stichwort ist. Der Mercedes-Maybach S 600 belebt nicht nur die gefloppte und 2012 vorübergehend eingestellte Luxusmarke wieder, sondern ist auch noch 20 Zentimeter länger als die Langversion der S-Klasse. Insgesamt misst die Limousine mehr als 5,45 Meter - wohl dem, der eine entsprechend bemessene Garage besitzt.

Da das Wachstum allein den Radstand betrifft, dürfen sich die Fondpassagiere über ausladende Platzverhältnisse freuen. Hinzu kommen Rücksitze, die sich auf Knopfdruck in eine Liege transformieren lassen, und ein System zur Sprachverstärkung, das die Kommunikation zwischen dem Chauffeur und den weiteren Insassen erleichtern soll. Dabei preist Mercedes sein neues Flaggschiff als leiseste Serienlimousine der Welt, denn der V12-Motor mit sechs Litern Hubraum, Biturboaufladung und einer Leistung von 530 PS sei besonders effektiv geräuschgedämmt.

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Porsche 911 und Cayenne GTS

Bernhard Maier und Patrick Dempsey mit dem Porsche 911 Carrera GTS auf der Los Angeles Auto Show 2014.

Quelle: AP

Eher an Selbstfahrer richten sich die LA-Neuheiten von einer anderen schwäbischen Nobelmarke. Mithilfe des US-Schauspielers, Hobby-Rennfahrers und Porsche-Testimonials Patrick Dempsey (r.) enthüllte Vertriebs- und Marketingchef Bernhard Maier die GTS-Versionen des 911 Carrera und Cayenne.

Beim Elfer entdeckte Porsche eine Lücke zwischen dem 400 PS starken Carrera S und dem GT3 mit 475 PS. Oder besser eine Möglichkeit, eine größere Rendite aus dem Klassiker herauszuschlagen. Der Sechszylinder-Boxer des GTS leistet 430 PS und soll den Sportwagen im Vergleich zum Standard-911 zu etwas besseren Fahrleistungen befähigen. Das Fahrwerk wurde um zehn Millimeter tiefergelegt und serienmäßig um ein aktives Dämpfersystem ergänzt. Die Preise für den 911 GTS, der als Coupé und Cabrio sowie mit Heck- und Allradantrieb erhältlich ist, starten bei 117 549 Euro.

Etwas günstiger ist die GTS-Variante des Cayenne, die bei 98 152 Euro startet. Als Antriebsquelle dient hier ein 3,6-Liter-V6-Biturbomotor mit 440 PS und maximal 600 Newtonmetern. Wie beim zweitürigen Bruder hat Porsche bei seinem SUV das Fahrwerk überarbeitet, die Karosserie akzentuiert und schwarze 20-Zoll-Räder aufgezogen. Ebenfalls neu und in Los Angeles zu sehen: das neue 300 PS starke Cayenne-Basismodell für mindestens 65 427 Euro.

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BMW X5 und X6 M

Dr. Ian Robertson mit dem BMW X5 M und X6 M bei der Los Angeles Auto Show 2014

Quelle: dpa

Wo mit Leistung geklotzt wird, darf BMWs Sport-Dependance, die M GmbH, natürlich nicht fehlen. Vorstandsmitglied Ian Robertson stellte in Los Angeles das SUV-Doppel X5 und X6 M vor, das nicht nur extrovertiert auftritt, sondern auch mit mächtigen Motoren bestückt ist. In beiden Fällen stellt ein mit zwei Turbos aufgeladener V8-Motor 575 PS und ein maximales Drehmoment von 750 Newtonmetern bereit. Von Null auf Hundert geht es bei Bedarf in 4,2 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei abgeregelten 250 km/h. Der Durchschnittsverbrauch soll bei 11,1 Litern liegen.

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VW Golf R Variant

VW Golf R Variant auf der Los Angeles Auto Show 2014.

Quelle: AP

Selbst VW lässt sich auf das Wettrüsten unter der Sonne Kaliforniens ein und zeigt ein neues Sportmodell - wenn auch dessen 300 PS in einem praktischen Kombikleid verpackt sind. Falls gewünscht, reisen 605 Liter Gepäck mit, wenn der turbogeladene Vierzylindermotor den Golf R Variant in 5,9 Sekunden von Null auf Hundert und auf maximal 250 km/h beschleunigt. Mit dem von VW versprochenen Durchschnittsverbrauch von sieben Litern wird es dann natürlich nichts.

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Bentley Grand Convertible

Bentley Grand Convertible auf der Los Angeles Auto Show 2014.

Quelle: AFP

Auch die Briten beteiligen sich an den Muskelspielen im LA Convention Center. Beispiel Bentley: Die Cabrio-Palette der VW-Tochter ist aktuell sehr überschaubar. Mehr als den offenen Continental in mehreren Leistungsvarianten bietet diese bisher nicht. Das soll sich bald ändern, weshalb die britische Nobelmarke in Los Angeles die Reaktionen auf ein viersitziges Luxus-Cabrio testen möchte. Das Grand Convertible könnte, ein wohlwollendes Publikum vorausgesetzt, danach in einer streng limitierten Kleinserie auf den Markt kommen. Als technische Basis dient die Mulsanne-Limousine, von der auch der Antrieb stammt: ein 6,75-Liter-V8 mit Doppelturboaufladung, einer Leistung von 537 PS und einem maximalen Drehmoment von 1.100 Nm.

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Jaguar F-Type mit Allradantrieb

Jaguar F-Type mit Allradantrieb auf der Los Angeles Auto Show 2014.

Quelle: REUTERS

Eine Servicekraft bringt den Jaguar F-Type mit Allradantrieb auf Hochglanz. Mit dem beheben die Briten ein Manko ihrer Sportwagen-Baureihe: dessen mangelnde Traktion. Mit zwei angetriebenen Achsen beschleunigt das 550 PS starke Topmodell mit V8-Kompressormotor in 4,1 Sekunden von Null auf Hundert. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 300 km/h angesiedelt. Für eine bessere Kurvendynamik soll eine überarbeitete Lenkung sorgen.

Neues auch bei den V6-Varianten des F-Type: Die Versionen mit 340 und 380 PS können nun auch mit einem manuellen Sechsgang-Getriebe kombiniert werden. Die bekannte Achtgang-Automatik bleibt aber als Option erhalten.

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Shelby Mustang GT350

Protz und reichlich Pferdestärken: Premieren auf der LA Auto Show

Quelle: dpa-tmn

Wenn die Industrie mit Pferdestärken um sich wirft, machen die US-Hersteller fröhlich mit. Zum Beispiel Ford, das den Shelby Mustang GT350 in den Mittelpunkt seines Auftritts rückt. Das Coupé verfügt über den stärksten V8-Saugmotor der Firmengeschichte: das 5,2-Liter-Aggregat leistet laut Ford "mehr als 500 PS". Wie viel genau, verraten die Amerikaner jetzt noch nicht. Ist in diesen Leistungsregionen aber auch fast schon egal.

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Cadillac ATS-V

Cadillac ATS-V auf der Los Angeles Auto Show 2014.

Quelle: dpa

Cadillac weiß dagegen sehr genau, was der Motor des neuen Topmodells seiner kleinen Limousinen-Baureihen zu leisten imstande ist. Die Luxusmarke des von Rückrufskandalen gebeutelten General-Motors-Konzerns betreibt mit dem ATS-V kraftvolle Imagepflege. Dessen doppelt turbogeladener 3,6-Liter-V6 leistet 462 PS und bringt es auf ein Drehmoment-Maximum von 603 Newtonmetern. Die Fahrleistungen: von Null auf Hundert in etwa vier Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 298 km/h. Verbrauch? Unbekannt. Interessiert den Fahrer aber bestimmt auch nur am Rande.

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Toyota Mirai

Toyota Mirai auf der Los Angeles Auto Show 2014

Quelle: dpa-tmn

Toyota lässt das PS-Wettrüsten kalt. Die Japaner setzen ihre Technik-Kompetenz lieber ein, um in Sachen alternative Antriebe voranzukommen. Mit dem Mirai feiert in Los Angeles die Serienversion des schon länger angekündigten Wasserstoffautos ihre Publikumspremiere. Die Brennstoffzelle des Viersitzers wandelt Wasserstoff in elektrische Energie um, die wiederum den 113 kW/154 PS starken Elektromotor antreibt. Die Reichweite soll der eines Autos mit Verbrennungsmotor ähneln, auch das Tanken soll genauso einfach funktionieren. Dafür gibt es keine Abgase - aus dem Auspuff tropft reines Wasser.

Am 15. Dezember findet in Japan die Markteinführung statt. In Europa soll es im September 2015 soweit sein, wenn auch vorerst nur per Leasing. Kalkulationsgrundlage dafür ist ein Verkaufspreis von 78 540 Euro.

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Audi A7 mit Wasserstoffantrieb

Ulrich Hackenberg mit dem Audi A7 Sportback h-tron quattro auf der Los Angeles Auto Show 2014.

Quelle: dpa

Von der Serienfertigung eines Wasserstoffautos ist Audi noch weit entfernt. "Sobald Markt und Infrastruktur es rechtfertigen, können wir in den Serienprozess einsteigen", sagt Ulrich Hackenberg, der in Los Angeles den A7 Sportback h-tron Quattro enthüllte. Die Technologie der Konzeptstudie entspricht in ihren Grundzügen der des Mirai, wenn auch mit zwei Elektromotoren, die jeweils eine Achse antreiben. Die Reichweite soll laut Audi bei 500 Kilometern liegen, die Leistung 170 kW / 232 PS betragen.

Großer Unterschied zum Mirai: Für etwa 50 Kilometer fährt der A7 h-tron auf Wunsch als reines batteriebetriebenes Elektroauto. Ein 8,8-Kilowattstunden-Akku, der extern aufgeladen werden kann oder beim Bremsen elektrische Energie zurückgewinnt, macht den Audi zum Plug-In-Hybriden.

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VW Golf Variant HyMotion

VW Golf Variant HyMotion auf der Los Angeles Auto Show 2014.

Quelle: AP

Und wenn die Technik im Konzern schon mal vorhanden ist, dann soll auch die Kernmarke davon profitieren. Der Golf Variant HyMotion ist laut VW ein Forschungsfahrzeug mit Wasserstoffantrieb und Brennstoffzelle, dessen Elektromotor die Vorderräder antreibt. Wie der Audi soll der Golf-Kombi in drei Minuten vollgetankt werden können und mit einer Tankfüllung 500 Kilometer weit kommen. Hier leistet der Antrieb 100 kW / 136 PS und beschleunigt den Fünftürer in zehn Sekunden von Null auf Hundert. Auch Volkswagen nennt kein konkretes Datum für die Markteinführung. Erst "sobald die Forschungs- und Entwicklungsarbeit abgeschlossen ist und dabei eine für Neuwagenkäufer preislich akzeptable Lösung realisiert wurde", sei mit einer Serienfertigung zu rechnen. Auch infrastrukturelle Fragen seien zu klären, was sowohl für das Tankstellennetz als auch für die Herstellung des Energieträgers gilt.

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Mazda CX-3

Mazda CX-3 auf der LA Auto Show 2014.

Quelle: dpa-tmn

Keine Automesse ohne neue SUVs. Weltpremiere feiert der Mazda CX-3, der angesichts des derzeitigen Booms kleiner und kompakter Möchtegern-Geländewagen zum neuen Bestseller der Japaner avancieren dürfte. Er tritt in Konkurrenz zu Autos wie dem Opel Mokka oder dem Honda HR-V, dessen neue Generation ebenfalls in LA Premiere feiert, versucht aber, mit einem filigraneren und limousinenhafteren Design zu punkten. Ein 1,5-Liter-Turbodiesel und ein Zweiliter-Benzinmotor, der in zwei Leistungsstufen angeboten wird, dienen als Antriebsquelle. Die Motoren übertragen ihre Kraft entweder auf die Vorderräder oder beide Antriebsachsen. Als Getriebeoptionen stehen eine manuelle Sechsgangschaltung oder eine Sechsstufen-Automatik zur Wahl. Die Markteinführung in Deutschland ist im Juni 2015 geplant.

Schon im Frühjahr 2015 kommen die überarbeiteten Versionen des CX-5 und Mazda 6 auf den Markt, die ebenfalls in Los Angeles debütieren.

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Volvo V60 Cross Country

Volvo V60 Cross Country

Quelle: dpa-tmn

Volvo präsentiert sich in Los Angeles eher kernig. Neben dem neuen XC90, der in Kalifornien seine US-Premiere feiert, geht im Convention Center der Vorhang für den V60 Cross Country auf. Der bekannte Mittelklasse-Kombi wirft sich also in sein Offroad-Outfit und erlangt dank eines um 65 Millimeter höhergelegten Fahrwerks mehr Bodenfreiheit. Grobstollige Reifen sollen den Geländewagencharakter unterstreichen, doch Allradantrieb gibt es nur in Kombination mit dem 181 PS starken Fünfzylinder-Diesel. Die ebenfalls erhältlichen Vierzylinder-Diesel und -benziner übertragen ihre Kraft auf die Vorderräder. Zur Jahresmitte 2015 ist die neue V60-Variante auch in Europa erhältlich.

© SZ.de/harl
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