Londoner Taxi TX4 in Gefahr

Die klobigen, schwarzen Taxis gehören zu London, doch sie werden von Importen aus Deutschland und Frankreich bedroht.

Von Andreas Oldag

Fans der berühmten Londoner Taxis wissen es zu schätzen: Die "Black Cabs" haben einen extrem kleinen Wendekreis, um in den notorisch engen Straßen rangieren zu können. Eine Taxi-Verordnung der Themsemetropole schreibt vor, dass die Autos für eine Kreisfahrt bei vollem Lenkausschlag einen Durchmesser von 28 Feet (etwa 8,5 Meter) einhalten müssen. Kein Zufall, dass der britische Taxibauer Manganese Bronze stolz darauf ist, diese strenge technische Spezifikation zu erfüllen. Schließlich gilt das hochbordige Modell TX4, das dem englischen Gentleman eine bequeme Fahrt sogar noch mit einem Zylinderhut auf dem Kopf garantiert, als Ikone der motorisierten Droschken-Zunft auf der Insel.

Die klobigen, schwarzen Londoner Taxis - hier die den Touristen wohlbekannten FX4-Vorgängermodelle des TX4 - werden zunehmend aus dem Straßenbild der Metropole verschwinden, wenn sich die Konkurrenz durchsetzt.

(Foto: Foto: dpa)

Doch nun droht Manganese Bronze und den TX4-Fans Ungemach - ausgerechnet vom europäischen Kontinent. So berichtete die Londoner Boulevardzeitung Evening Standard, dass auf Londons Straßen immer mehr Mercedes-Taxis des Typs Vito gesichtet werden. Die Großraumlimousine aus Deutschland erfüllt nicht nur die technischen Anforderungen des Taxi-Gewerbes, sondern verspricht infolge des geringeren Diesel-Verbrauchs gegenüber dem ebenfalls dieselgetriebenen Modell TX4 auch eine Ersparnis von 40 (etwa 46 Euro) bis 50 Pfund im wöchentlichen Durchschnitt.

Das ist viel Geld angesichts der Wirtschaftskrise, die auch das Taxifahrergewerbe hart getroffen hat. Branchenberichten zufolge verkauft sich indes der Vito so gut, dass das Modell unter den Londoner Taxis bei den Neuverkäufen einen Marktanteil von 25 Prozent erzielt hat. Doch nicht nur der Vito drängt offenbar über den Ärmelkanal: Ein Importeur versucht nun auch, ein französisches Peugeot-Modell auf den Markt zu bringen. Dieses hat allerdings den Nachteil, dass es bislang die strengen Wendekreisvorgaben nicht erfüllt.

Aber wozu gibt es Brüssel? Nachdem der Importeur bereits einen Gerichtsprozess in Liverpool gewonnen hat, wo ähnliche technische Spezifikationen wie in London gelten, soll die EU hilfreich beiseite springen. Die Peugeot-Freunde berufen sich dabei auf den EU-Vertrag, der den freien Handel zwischen den Mitgliedsstaaten garantiert und diskriminierende Regeln verbietet.

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